Bilanz nach fünf Monaten Luftkrieg im Irak und in Syrien

09.01.2015

US-Waffen werden von der irakischen Regierung an vom Iran unterstützte schiitische Milizen weitergereicht, die US-Drohnenflotte ist mit akutem Personalmangel konfrontiert

Vor 5 Monaten, am 8. August. hat das Pentagon mit den Luftangriffen auf Stellungen des "Islamischen Staats" zunächst im Irak uns später auch in Syrien begonnen. Die US-Kampflugzeuge und bewaffneten Drohnen werden von Kampfflugzeugen anderer Staaten unterstützt, allerdings in Syrien nur von einer kleinen Koalition aus Jordanien, Saudi-Arabien, den Vereinigten Arabischen Emiraten und Bahrain, da hier der Krieg völkerrechtswidrig ist und gleichzeitig mit der Duldung der Angriffe durch das syrische Assad-Regime dieses gestärkt wird. US-Präsident Obama hat weiterhin keine Kriegsermächtigung für den Einsatz durch den Kongress, sondern beruft sich weiterhin auf die Kriegsermächtigungen (AUMF) aus den Jahren 2001 und 2002. Der Senat hatte zwar einer AUMF zugestimmt (US-Senatsausschuss genehmigt Kriegsermächtigung gegen IS), inzwischen stellen aber die Republikaner eine Mehrheit im Senat und Repräsentantenhaus.

Eine F/A-18E Super Hornet startet zum Einsatz vom Flugzeugträger USS Carl Vinson. Bild: DoD

Fast 1700 Luftangriffe wurden auf 3200 "Ziele" des IS in dieser Zeit im Rahmen der Operation ausgeführt, die man Inherent Resolve getauft hat. Bislang hat die Operation den USA täglich 8,1 Millionen USA-Dollar gekostet, also insgesamt etwa 1,2 Milliarden US-Dollar. Die Koalition ist allerdings dünn. In Syrien hat die US-Luftwaffe 90 Prozent der Angriffe ausgeführt, im Irak 75 Prozent.

Ausgeführt wurden die Schläge vorwiegend gegen Gebäude, Stellungen und Fahrzeuge, aber auch gegen die Erdölanlagen. Mittlerweile sind fast 2200 US-Soldaten wieder im Irak, Obama hat die Entsendung von 3100 genehmigt. Sie sollen das irakische Militär beraten und bei Angriffen gegen den IS unterstützen. Im Irak werden die schiitischen Milizen, die von der irakischen Regierung aufgerufen wurden, im Kampf gegen den IS vom Iran mit Soldaten und Kampfflugzeugen unterstützt.

Wie sich die US-Regierung zum Iran und den schiitischen Milizen verhält, bleibt unklar. Offenbar leitet die irakische Regierung aber Waffen, die sie von den USA erhält, auch schwere Waffen wie Panzer, an die schiitischen Milizen weiter, die als deutlich besser gerüstet für den Kampf gegen den IS gelten als die regulären Truppen, in denen es auch viele "Geistersoldaten" gibt, um den Sold abzuzweigen. Bloomberg News berichtet, ein Pentagon-Mitarbeiter habe erklärt, dass man das Problem kenne, aber eben die irakische Armee ohne die schiitischen Milizen noch nicht imstande seien, gegen den IS zu kämpfen. Das Risiko, Bagdad keine Hilfe zu schicken, sei größer. Auch John McCain, der Vorsitzende des Streitkräfteausschusses des Senats, der letzte Woche in Bagdad war, bestätigte dies. Er kritisierte, dass im Augenblick der Iran über die schiitische Milizen den Hauptkampf gegen IS führe: "Das kann nicht im Interesse der USA sein."

Im Pentagon und im Weißen Haus will man offiziell davon nichts wissen. So sagte die Sprecherin des Weißen Hauses, Alistair Baskey: "Wir haben keinen Grund zu glauben, dass die irakische Regierungvon den USA gelieferte Waffen an die schiitischen Milizen weitergibt." Tatsächlich wäre es in den USA politisch kaum zu legitimieren, vom Iran unterstützte schiitische Milizen mit modernsten Waffen aus eigenen Beständen aufzurüsten.

Hinzu kommen weitere Schwierigkeiten beim Luftkrieg. So verfügt die US-Luftwaffe zwar über genügend Kampf- und Überwachungsdrohnen für den Einsatz im Irak und in Syrien, aber das Personal wird knapp, um die häufigen Flüge auch durchführen zu können. Nach einem Memo des Air Comat Command (ACC) wird vor einem "perfekten Sturm" gewarnt, weil immer mehr Piloten erforderlich wären, aber zu wenige neu eingestellt werden können und gleichzeitig in den nächsten Jahren viele aus dem Dienst ausscheiden werden. Das werde die Einsatzmöglichkeiten für die MQ-1/9-Flotte für die kommenden Jahre beeinträchtigen.

Das AAC forderte dazu auf, ab April zahlreiche Drohnenflüge zur Aufklärung einzustellen, was im Pentagon aber nicht befürwortet wird, eben weil der Bedarf im Irak und in Syrien in den letzten Monaten drastisch angestiegen ist. Jede der Combat Air Patrols (CAP), bestehend aus 4 Drohnen, soll mit einem Team von 10 Mann besetzt sein, in Notfällen können es auch nur 8,5 Mann sein, in der Regeln ist man bei einem Verhältnis von weniger als 8:1, was das AAC als rote Linie betrachtet.

Ein Problem ist, dass auf der Suche nach Piloten für die vermehrten Einsätze die Ausbilder zunehmend herangezogen wurden. Daher können die Drohnenschulen nicht mehr genügend neue Piloten trainieren oder mussten schließen. Und die Drohnenpiloten im Dienst seien zunehmend im Stress und würden den Dienst deswegen in Scharen verlassen. Das ist aber nur ein Problem, denn neben den Piloten sind zahlreiche weitere Kräfte notwendig, um die Überwachungstechnik zu bedienen, die Drohnen zu warten und vor allem die Aufnahmen auszuwerten.

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