MH17: "Für den Abschuss sind allein die russischen Streitkräfte unter Wladimir Putin verantwortlich"

09.01.2015

Das Recherchebüro CORRECT!V hat einen Bericht veröffentlicht und glaubt, nun die Täter und Verantwortlichen benennen zu können

Das Recherchebüro CORRECT!V ist monatelang dem Abschuss der Passagiermaschine MH17 am 17. Juli 2014 nachgegangen und ist zu dem Ergebnis gekommen, dass "nach einer dichten Beweiskette" russische Soldaten verantwortlich waren. Die Soldaten der 53. russischen Luftverteidigungsbrigade aus Kursk seien ohne Hoheitszeichen auf ukrainischem Gebiet gewesen, um russische Panzer zu schützen. Der offizielle Untersuchungsbericht steht noch aus, im vorläufigen Bericht wurde lediglich festgestellt, dass das Flugzeug von Objekten mit hoher Energie getroffen worden war und es sich um einen Abschuss handelte.

Der Bericht verweist auf einen "Luftwaffenexperten", der aber anonym bleiben will. Er habe versichert, dass das Flugzeug vom Boden aus, nicht von einem Kampfflugzeug, wie das die russische Seite suggeriert hat, abgeschossen worden sein soll. Da MH17 von vorne und von oben von Objekten durchsiebt worden ist, sei ein Abschuss durch ein Kampfflugzeug, das ein Ziel von hinten angreifen würde, auszuschließen. Es könne sich nur um eine mobile Boden-Luft-Rakete, um eine BUK-Rakete, gehandelt haben, die kurz vor dem Aufprall explodiert.

Harry Horlings, ein ehemalige niederländischen Kampfjet-Pilot, wird als weiterer Experte zitiert, der auf das Problem des BUK-Raketensystems hinweist, das mit einem aktiven Radar arbeitet, mit dem sich nicht erkennen lasse, ob eine Zivil- oder eine Militärmaschine im Visier ist. Weil ein Kampfflugzeugpilot ein aktives Radar sofort erkennen könne, müsse alles schnell geschehen, was zu Fehlern führe, wie schon einmal beim Abschuss einer russischen Zivilmaschine während einer Übung der ukrainischen Streitkräfte. Russische Panzereinheiten und Bodentruppen würden immer von BUK-Systemen begleitet werden, um sie vor Angriffen aus der Luft zu schützen.

Russland hat zwar die Anwesenheit von Panzern und Bodentruppen immer dementiert, Kiew, das US-Außenministerium und die Nato haben schon im Juni darauf hingewiesen, dass russische Panzer bei Snizhne gesichtet worden seien. Wenn das der Fall ist, hätte man davon ausgehen müssen, so der Bericht, dass es hier auch BUK-Flugabwehrsysteme gibt, deren Raketen bis zu 15 km hoch fliegen können. Dann aber wären Passagiermaschinen über diesem Gebiet gefährdet gewesen, man hätte den Luftraum sperren müssen. Tatsächlich flog die ukrainische Luftwaffe Angriffe und es wurden vor dem 17. Juli auch einige Kampfflugzeuge abgeschossen.

Die ukrainischen Behörden hatten über dem Kampfgebiet nur die Flughöhe auf über 10.000 Meter erhöht. Der Bericht suggeriert, dass dies vielleicht auch deswegen geschehen sei, damit sich ukrainische Kampfflugzeuge, die wie die MIG-29 bis zu 15 km hoch fliegen können, zwischen den Passagiermaschinen verstecken konnten, um so anzugreifen. Die Passagiere wären damit zu "menschlichen Schutzschilden" geworden. Wie das russische Verteidigungsministerium auch erklärt hatte, seien am 17 Juli vor dem Abschuss auch ukrainische Kampfflugzeuge in der Nähe gewesen. Da wie gesagt ein BUK-System schnell schießen muss, um nicht selbst vom anvisierten Kampfflugzeug beschossen zu werden, könnte es also sein, dass versehentlich MH17 getroffen wurde – mit der Möglichkeit, dass dies eventuell auch vom ukrainischen Militär provoziert worden sein könnte und die Russen oder die Separatisten in eine Falle gingen.

Zwar hatten eine Fluggesellschaft die Route über dem Kriegsgebiet vermieden, aber weder sperrte die Ukraine die Route – möglicherweise, wie der Anwalt von deutschen Opfern meinte, um nicht auf die Überfluggelder verzichten zu müssen -, noch gaben die Nato oder die einzelnen Regierungen Warnungen, obgleich sie von den russischen Panzern, auf die die Nato selbst hingewiesen hatte, Kenntnis haben mussten. Womöglich war sich die Nato aber nicht so sicher? Für die Autoren des Berichts steht fest: "Deutschland und seine europäischen Nato-Partner scheuen sich, den Krieg als Krieg zu benennen. Die Regierungen kennen die russischen Panzer im Separatistengebiet. Die Konsequenzen aus diesem Wissen ziehen sie nicht. Die deutsche Regierung sieht keine Gefahr für die zivile Luftfahrt."

Nach einer Anfrage an die niederländische Regierung von zwei Oppositionsparteien erklärte diese, dass sie 3 Tage vor dem Abschuss von ukrainischen Behörden über die gefährliche Situation aufgeklärt worden war. Ein ukrainisches Militärflugzeug vom Typ Antonov war in größerer Höhe abgeschossen worden. Die niederländische Regierung habe aber die Fluggesellschaften nicht informiert.

Die Regierung verwies in der Antwort darauf, dass auch die Medien darüber berichtet hatten, der Absturz sei also bekannt gewesen, aber es wäre kein Eingreifen seitens der Regierung erforderlich gewesen: "Aus den Informationen, die dem Kabinett in dem Moment bekannt waren, wurde nicht geschlussfolgert, dass zusätzliche Maßnahmen getroffen werden mussten. Die ukrainischen Autoritäten hatten den Luftraum über 9,75 Kilometern als sicher erklärt."

Warum es russische Soldaten gewesen sein sollen

Marcus Bensmann ist in die Ukraine gereist, um zu eruieren, von wo aus die BUK-Rakete abgefeuert worden sein könnte. Nach Gesprächen mit den Menschen vor Ort kam er zum Schluss, dass in Zaroshchens‘ke, wo das russische Militär eine ukrainische BUK-Stellung vermutete, kein Abschuss erfolgte, der nicht unbemerkt hätte bleiben können. Zudem habe zu dieser Zeit die ukrainische Armee das Gebiet nicht kontrolliert. Des weiteren verlässt man sich auf Recherchen des Investigativ-Teams Bellingcat, das allerdings nicht vor Ort recherchiert, sondern alle zugänglichen Quellen und Dokumente ausgewertet hat. Danach sei in dem von Separatisten kontrolliertem Gebiet um m Nachmittag des 17. Juli 2014 soll an diesem Tag, belegt durch Fotos, ein BUK-System von Donezk kommend in die Stadt Snizhne gefahren sein. Die Fotos seien authentisch, so Correct!v.

Und es gebe auch Bild-Belege für einen russischen Konvoi der 53. Luftabwehrbrigade mit BUK-Systemen, der aus Russland in die Ukraine eingefahren sei. Zeugen vor Ort waren eingeschüchtert, manche sagten, sie hätten eine Explosion gehört und Rauch gesehen. Schließlich will Bensmann einen Zeugen getroffen haben, der ihm sagte: "Sie haben es mit einer Rakete abgeschossen. Die Rakete haben sie von dort abgeschossen. Wir haben sie gesehen, wie sie geflogen ist. … Ich war im Hof und habe eine Explosion gehört, einen Schlag. Da war so ein Chlop (russisch für Schlag). Die Ziegel auf dem Dach wackelten. Und dieser Schlag war dort drüben, das war hier sehr gut zu hören. Es gab so einen langen Ton. Und dann gab es eine sehr starke Explosion: Bach Bach. Und gerade als ich auf die Straße gelaufen bin, stürzte das Flugzeug ab, entlang der Straße einige Kilometer entfernt von hier. Verstehen Sie? Und man konnte sehen, wie es dort brannte."

Die Autoren gehen auch davon aus, dass der Tieflader mit einer BUK-Abschussrampe, der auf einem Video unter einem Reklameschild des ukrainischen Autohändlers "Bogdan" in Lugansk gesehen worden war, wie er Richtung russischer Grenze fuhr. Das Plakat hänge jetzt noch dort, die russische Version sei falsch.

Alle Experten, auch befragte Separatistenführer seien der Überzeug, dass die Separatisten kein BUK-System bedienen könnten, es könnten nur dafür ausgebildete russische Soldaten sein, wenn es sich denn um ein russisches System gehandelt hat. Ohne jeden Zweifel behaupten die Autoren, sie hätten nun die unumstößliche Wahrheit präsentiert:

Für den Abschuss sind allein die russischen Streitkräfte unter Wladimir Putin verantwortlich. Sie haben die Ostukraine destabilisiert, sie haben die Truppen und die Technik in das Separatistengebiet gebracht, um MH17 abzuschießen. Es spielt keinerlei Rolle, ob der Abschuss gezielt war oder aus Panik versehentlich erfolgte.

Mitverantwortlich seien aber auch die ukrainische Regierung, die Regierungen der EU und die Fluggesellschaften, die das Leben von Flugpassagieren aufs Spiel gesetzt haben.

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