Unwort des Jahres: Lügenpresse

13.01.2015

Das Wort habe bereits den Nazis zur pauschalen Diffamierung unabhängiger Medien" gedient

Das Unwort des Jahres lautet Lügenpresse. So sieht es die Jury unter dem Vorsitz der Professorin für germanistische Linguistik an der TU Darmstadt, Nina Janich. Seit 1991 wählt die "Unwort-Jury" jedes Jahr unter anderem aus von Bürgern an die Jury eingesendeten Begriffen ein Wort aus, das zum "Unwort" gekürt wird.

In einer Pressemitteilung heißt es, das Wort "Lügenpresse" sei bereits im Ersten Weltkrieg "ein zentraler Kampfbegriff" gewesen, und habe "auch den Nationalsozialisten zur pauschalen Diffamierung unabhängiger Medien" gedient. Und weiter erklärt die Jury: "Gerade die Tatsache, dass diese sprachgeschichtliche Aufladung des Ausdrucks einem Großteil derjenigen, die ihn seit dem letzten Jahr als 'besorgte Bürger' skandieren und auf Transparenten tragen, nicht bewusst sein dürfte, macht ihn zu einem besonders perfiden Mittel derjenigen, die ihn gezielt einsetzen."

Die 5-köpfige Jury, zu der auch Stephan Hebel (Journalist Frankfurter Rundschau) und Martin Wengeler (Professor für germanistische Linguistik an der Universität Trier) gehören, merkt an, dass sicherlich nicht alles, was Medien berichteten, auch der Wahrheit entspreche, aber der Begriff "Lügenpresse" diffamiere pauschal Medienvertreter, von denen eine große Mehrheit sich bemühe, "der gezielt geschürten Angst vor einer vermeintlichen 'Islamisierung des Abendlandes' eine sachliche Darstellung gesellschaftspolitischer Themen und differenzierte Sichtweisen" entgegenzusetzen. Aus Sicht der Jury verhindere "eine solche pauschale Verurteilung eine "fundierte Medienkritik und leistet somit einen Beitrag zur Gefährdung der für die Demokratie..."

"Unwort" rügt aber auch die Begriffe "Erweiterte Verhörmethoden" und "Russland-Versteher".

Der Begriff "Erweiterte Verhörmethoden", der im Hinblick auf die Foltermethoden der CIA in den Medien Gebrauch fand, habe sich "in der Berichterstattung zu einem dramatisch verharmlosenden Terminus Technicus entwickelt." Der Ausdruck sei ein "Euphemismus, der unmenschliches Handeln, nämlich Folter, legitimieren soll." Dass deutsche Medien den Begriff auch unter distanzierenden Anführungszeichen verwendet haben, ändere nichts daran, dass man sich die Sprache der Täter mit dieser Übernahme zu eigen mache und somit auch akzeptiere.

Dagegen werde das positive Wort "verstehen" im Ausdruck "Russland-Versteher" diffamierend verwendet: "Eine fremde Perspektive zu verstehen, bedeutet keinesfalls, damit zugleich Verständnis für daraus resultierende (politische) Handlungen zu haben."

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Hg. Florian Rötzer
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