Pegida in Norwegen "Snakk med journalistene"

14.01.2015

In Norwegen fand am Montagabend der erste Pegida-Aufmarsch in Skandinavien statt.

Etwa 200 Personen, demonstrierten mit vielen Landesfahnen auf dem ersten Pegida-Marsch in Oslo gegen die von ihnen befürchtete Islamisierung des Landes. Trotz der geringen Teilnehmerzahl war dies die größte islamfeindliche Manifestation in Norwegen.

Pegida-Sprecher Max Hermansen ist von Beruf Lehrer und behauptet gegenüber der Zeitung Aftonposten, auch muslimische Freunde zu haben. Zuvor arbeitete er für das norwegische Militär und ist Leiter der Vereinigung für norwegische Militärforschung.

"Wir kämpfen für westliche Werte und dass der Humanismus bestimmend in Norwegen ist", sagt er. "Muslimische Einwanderung und Islam verkörpern andere Werte." Im Gegensatz zur Pegida in Dresden hieß die Losung des Pegida-Sprechers Max Hermansen "Snakk med journalistene ("Sprecht mit den Journalisten"). Doch viele Teilnehmer verweigerten auch hier das Gespräch mit den norwegischen Journalisten und verwiesen darauf, dass sie ihre Nachrichten aus Internetportalen bezögen.

Einige Teilnehmer sollen der antiislamischen Gruppierung "Stopp islamiseringen av Norge", die auch über ein eigenes Radio verfügt. Sie gehört zur Allianz Stop Islamisation Of Europe (SIOE), ein Ableger einer amerikanischen Gruppe (Das Netz der Anti-Dschihad-Bewegung).

Die Demonstration verlief ruhig, es gab nur einen kurzen Rundgang in der Stadt, die Organisatoren befürchteten "Gewalt". Ein Reporter des Privatsenders TV2 wurde von einem Teilnehmer als "Muslimteufel" bezeichnet

An der Gegendemonstration, zu der Amnesty und weitere Organisationen aufgerufen hatten, nahmen 500 Menschen teil. John Peder Egenæs von Amnesty hält die Ansichten der Pegida-Anhänger für "angsteinflößend", will jedoch deren Demonstrationsrecht nicht eingeschränkt wissen. Bjørnar Moxnes, Chef der der Linkspartei Rødt, warf den Islamkritikern vor, sie bedienten sich eines ähnlichen Feindbildes wie die Dschihadisten, beide fördern einen "Krieg der Kulturen".

Norwegen ist als Schauplatz von islamkritischen Demonstrationen brisant, da hier Anders Breivik im Sommer 2011 in Oslo und Umgebung 69 Menschen tötete, um die sozialdemokratische Regierung zu treffen, da sie zum "Massenimport von Muslimen" beigetragen habe. Gleichzeitig ist mit der Fortschrittspartei als kleiner Koalitionspartner der Konservativen seit Oktober 2013 eine islamkritische Partei an der Regierung (Norwegen: Islamkritische Partei steht vor der Regierungsverantwortung).

Parteichefin und Siv Jensen warnte bereits 2009 als Oppositionspolitikerin vor einer "schleichenden Islamisierung" Norwegens. Als Finanzministerin hält sie sich nun zu diesem Thema eher zurück.

In dem Land mit etwa fünf Millionen Einwohnern wohnen rund 200.000 Muslime. Aufgrund der Angriffe auf schwedische Moscheen und dem Massaker in Paris hat Oslos größte Moschee einen privaten Wachtschutz engagiert.

Auch in Schweden gibt es seit Dezember eine Pegida-Formation, die aber noch keine Demonstration angekündigt hat. In Dänemark soll es am nächsten Montag in Kopenhagen und Aarhus zu "Spaziergängen gegen den radikalen Islam" kommen. Dahinter steckt die Organisation "Stop Islamisering Af Danmark" (SIAD).

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