"Schuldenerlass plus Haftbarmachung der Oligarchie und der Banken"

21.01.2015

Ein deutsch-griechischer Appell gegen "Einäugigkeit" gegenüber Syriza und für die Akzeptanz demokratischer Entscheidungen in Griechenland

300 Personen aus der deutschgriechischen Einwanderung und dem deutschen Philhellenismus haben den Appell unterzeichnet, darunter renommierte Namen aus dem Universitäts- und Bildungsbereich, aus dem künstlerischen und kreativen Umfeld und aus Gewerkschaftskreisen (Erstunterzeichner). Sie haben anlässlich der stark polarisierten Wahlen in Griechenland an die deutschen Medien und die deutsche Politik appelliert, fair statt einäugig vor allem über Syriza zu berichten - und für gut geheißen wird auch die Syriza-Politik.

Der ursprünglich von dem Medien- und Literaturtheoretiker Jürgen Link formulierte Appell dürfte auch im Falle eines Wahlsiegs von Syriza aktuell bleiben. Betont wird die besondere historische Beziehung zwischen Deutschland und Griechenland:

Gerade auch Neugriechenland hat deutsche "Philhellenen" seit Hölderlin und dem Schubertdichter Wilhelm Müller (dem "Griechen-Müller") bis heute inspiriert. Griechische Einwanderer seit den 1950er Jahren bis zur neuen Welle aufgrund der Krise haben den deutschen Wohlstand mitgeschaffen. Auch ein großer Teil der begeisterten deutschen Griechenlandtouristen kann als Philhellenen gelten.

Wegen der besonderen Verpflichtung Deutschlands, das derzeit tonangebende Land der EU, wird auch an die deutsche Besetzung Griechenlands während der Nazizeit erinnert, aber auch daran, dass Deutschland die Kriegsschulden weitgehend erlassen wurden: "Ein großer Schuldenerlass für Griechenland ist dagegen - um es in der Sprache der 'Märkte' zu sagen - 'peanuts'." Wichtig für das Land sei "Schuldenerlass plus Haftbarmachung der Oligarchie und der Banken".

In dem Appell von "Deutsch-Griechen und Griechen-Deutschen" werden 10 Punkte aufgeführt und mit exemplarischen Beispielen belegt. Als "Einäugigkeit" gilt die stereotype Kennzeichnung von Syriza als "europakritisch" oder "europafeindlich", obwohl die Partei gegenüber der Troika-Politik kritisch eingestellt ist: Ist die Troika gleich Europa? Die von Brüssel und Berlin diktierte Sparpolitik wird als "Brüningpolitik" gekennzeichnet, um daran zu erinnern, dass Deutschland mit dieser Politik katastrophale Erfahrungen gemacht hat. Die Griechen hätten Angst vor der "Schocktherapie" und würden auch bei Erholung Schlimmes erwarten:

Wenn es wieder "Wachstum" gibt, dann ausgehend von einem abgrundtiefen "Boden" - und nur noch für ein oberes Drittel, während die zwei unteren Drittel dauerhaft mit einer "neuen Normalität" vorlieb nehmen sollen, die man in Griechenland selbst als "Drittweltisierung" bezeichnet.

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