Boko Haram greift Maiduguri an - und erobert Monguno

26.01.2015

Die 110.000-Einwohner-Garnisonsstadt soll vollständig in die Hände der Dschihadisten gefallen sein

Die salafistische Anti-Bildungs-Sekte Boko Haram terrorisiert seit 2009 den Norden Nigerias. Dabei eroberte sie inzwischen ein Gebiet, das größer als Irland ist, und in dem nach der Flucht von etwa eineinhalb Millionen Menschen noch 1,8 Millionen Sunniten leben sollen. Gestern begannen die Dschihadisten einen Angriff auf die Stadt Maiduguri, die 1,2 Millionen Einwohner hat.

In Maiduguri leben neben sunnitischen Kanuri, Hausa, Fulbe und Shuwa-Arabern auch zahlreiche Christen, denen Boko Haram 2012 ein Ultimatum setzte, den Norden Nigerias zu verlassen oder getötet zu werden. Dass sie eine Einnahme der Stadt überleben würden ist angesichts der vergangenen Taten der nigerianischen Dschihadisten und der offenen Genozidbekenntnisse des Boko-Haram-Anführers Abubakar Shekau unwahrscheinlich. Bereits seit den 1960er Jahren kam es in Maiduguri immer wieder zu Massakern an der christlichen Minderheit. Bei den bislang schlimmsten 1982 und 2009 kamen jeweils Hunderte von Menschen ums Leben.

Maiduguri. Karte: Uwe Dedering. Lizenz: CC BY 3.0.

Die Boko-Haram-Angriffe auf Maiduguri begannen im Njimtilo-Gebiet und weiteten sich im Laufe des Sonntags auf vier Seiten aus. Im Vorort Jintilo sollen die Salafisten nur mehr fünf Kilometer vom Stadtzentrum Maiduguris entfernt sein. Mehrere Kinder, die im Auftrag von Boko Haram Selbstmordanschläge verüben sollten, stellten sich dem Guardian zufolge einer Stadtmiliz gestellt haben, die aufseiten der Armee kämpft. Nigerianische Medien berichten von Granateinschlägen und von Hubschraubern, die über der Stadt kreisen. Straßen sind gesperrt, Märkte und Geschäfte geschlossen. Die Einwohner scheinen weitgehend in ihren Häusern zu bleiben und abzuwarten.

Aus dem 400 Kilometer südlich von Maiduguri gelegenen Yola werden andauernde Start und Landungen von Kampfjets gemeldet. Ob sie und die nigerianischen Bodentruppen die belagerte Stadt auf Dauer halten können, ist offen. In der Vergangenheit machten sich die Regierungssoldaten häufig aus dem Staub, wenn die Dschihadisten angriffen. Meldungen über Selbstverstümmelungen nigerianischer Soldaten, die dem Einsatz entgehen wollen, deuten darauf hin, dass die Kampfmoral der Vielvölkerstaatsarmeen derjenigen der religiösen Fanatiker deutlich unterlegen sein könnte. Außerdem soll Boko Haram über Sympathisanten im Militärapparat verfügen, die Pläne verraten.

Monguno. Karte: Uwe Dedering. Lizenz: CC BY 3.0.

Dass es den Dschidadisten gestern nach Informationen von CNN gelang, die 135 Kilometer von Maidiuguri entfernte 110.000-Einwohner-Stadt Monguno im Handstreich zu nehmen, spricht ebenfalls nicht für die Schlagkraft der nigerianischen Armee, die sich dort offenbar vollständig zurückzog. Hinsichtlich der Versorgung der Streitkräfte in Maiduguri bringt diese Einnahme die Regierung in eine deutlich schlechtere und Boko Haram in eine deutlich bessere Lange.

Am 14. Februar steht in Nigeria die Wiederwahl des Parlaments und des Staatspräsidenten Goodluck Jonathan an. Jonathan ist ein christlicher Ijaw aus dem Nigerdelta. Er wird von Muhammadu Buhari herausgefordert - einem moslemischen Fulbe aus dem Bundesstaat Katsina. Buhari muss allerdings mit dem Nachteil leben, dass ein Teil seiner potenziellen Wähler nicht mit abstimmen kann, weil deren Wohnorte im - bis dahin womöglich deutlich vergrößerten - Boko-Haram-Kalifat liegen.

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