Drohnen als Killerbienen

21.03.2015

Polnische Firmen wollen Kamikaze-Minidrohnen entwickeln, die kleine Ziele angreifen können

Das Konzept von Kamikaze-Drohnen gibt es schon länger. Das US-Militär soll solche 2 kg schweren Mikro-Drohnen des Typs Switchblade bereits in Afghanistan eingesetzt haben (US-Militär setzt Kamikaze-Drohnen in Afghanistan ein). Man war begeistert von dieser Verschmelzung von Munition mit einer fernsteuerbaren, Kameras und einem leisen Elektromotor ausgestatteten Drohne, mit der sich in einer Reichweite von 10 km gezielt ein Mensch töten oder ein kleineres Objekt beschädigen lässt ("high-precision low collateral damage strike"). Dazu lässt man die Drohne aus der Luft mit hoher Geschwindigkeit in das Ziel einschlagen, wobei sich eine kleine Sprengladung entlädt. Das 5,5 kg System kann mit Drohne, Steuerung und Abschussvorrichtung bequem in einem Rucksack transportiert werden.

Screenshot aus dem Optimum-Video.

Nach Reuters wollen nun die polnische Rüstungsfirma WB Electronics, die seit letztem Jahr mit dem polnischen Drohnenhersteller Optimum kooperiert, ebenfalls solche Minidrohnen entwickeln. Gedacht ist offenbar an Schwärme solcher kleinen Drohnen, die von Fahrzeugen aus gesteuert werden können und auch Kampfeinsätze in einem Stadtkrieg oder in anderen räumlich dichten Gebieten unterstützen sollen. Die Drohnen, die "Biene" genannt werden, sollen mit Kameras ausgestattet sein und ebenfalls Ziele mittels einer Sprengladung angreifen können.

Die Existenz solcher Kamikaze-Minidrohnen, die wegen ihrer kleinen Größe und ihrem leisen Motor gute Chancen haben, unbemerkt ein Ziel auskundschaften zu können, um dann in es hineinzuschießen, mag wie bei anderen Drohnen erst einmal ein Vorteil in asymmetrischen Konflikten für die staatlichen Truppen und Sicherheitskräfte sein. Während es eher unwahrscheinlich ist, dass Aufständische, Terroristen oder Kriminelle große Killerdrohnen wie die Predator benutzen, die nicht nur einen Flugplatz benötigen, sondern auch sonst einen hohen Aufwand erfordern, sind kleine Systeme, die sich, einmal entwickelt, auch selbst herstellen lassen können, auch eine Wunschbewaffnung für nichtstaatliche Akteure. Solche Drohnen lassen sich wie Autobomben oder Selbstmordattentäter mit Sprenggurten gegen "Soft Targets" einsetzen, sie gewährleisten zudem größere Sicherheit für die Angreifer, die sich verstecken und unerkannt bleiben können. Herkömmliche Kleinwaffen wie Gewehre oder Pistolen haben den Nachteil, dass sie den Waffenbesitzer auch stärker gefährden, schon allein aus dem Grund, weil der Gegner weiß, woher der Beschuss kommt.

Screenshot aus dem Optimum-Video.

Voraussehbar ist, dass bald schlechte Zeiten anbrechen werden. Schon jetzt gibt es hunderttausende Drohnen meist in privaten Händen, die fertig gekauft oder selbst zusammengebastelt wurden. Auch bewaffnete Gruppen wie die Hisbollah haben schon lange mit Drohnen experimentiert. Der "Islamische Staat" verfügt auch über Drohnen. Sie können erbeutet sein, allerdings hatte bereits Ansar al-Islam 2011, also noch vor dem Zusammenschluss mit ISIS, versucht, Drohnen im Eigenbau zu produzieren (Minidrohnen: Ideale Waffen für Anschläge und Morde). Im Krieg in der Ukraine verfügen alle Parteien über Drohnen, wenn auch nicht über Kampf- oder gar Kamikaze-Drohnen. Trotzdem dürften die Drohnen zum Auskundschaften der gegnerischen Stellungen Strategie und Kampf bereits verändert haben. Wir wissen aber zu wenig darüber, wie sie eingesetzt werden.

Optimum hat bereits kleine, 1,3 kg schwere Drohnen im Angebot, die eine Reichweite von 2 km haben und 30 min lang bis zu einer Höhe von 100 m fliegen können. Das Pszczoła-System ist modular, es gibt vier Typen von Überwachungsdrohnen und zwei Typen von Kampfdrohnen mit einer Sprengladung. Geworben wird damit, dass die "Angriffsdrohnen in ein Gebäude eindringen, im Wald zwischen Bäumen fliegen und die am wenigsten geschützten Teile eines Fahrzeugs angreifen können". Ein Werbevideo führt vor, welche Vorteile dieses System bietet - zumindest in der Theorie. Klar ist für Optimum: "Drohnen sind die Zukunft des Schlachtfelds." Nur werden in dieser Zukunft alle Beteiligten über Drohnen und Drohnenabwehrsysteme verfügen. Und sie werden nicht nur in abgegrenzten Schlachtfeldern eingesetzt, sondern überall.

Screenshot aus dem Optimum-Video.

Nach WB Electronics ist es allerdings gelungen, eine Wärmebildkamera, mit der sich auch eine Laser-Zielmarkierung ausführen lässt, mit einem Gewicht von nur 300 Gramm zu entwickeln. Das sei einzigartig. Das Bienendrohnensystem soll auch über ein unabhängiges Kommunikationssystem verfügen, so dass es auch dann funktioniert, wenn es weder ein Mobilfunknetz noch ein anderes drahtloses Netz gibt. Bei den Angriffsdrohnen wird offenbar daran gedacht, dass ein Typ in unmittelbarer Nähe des Ziels explodiert, während eine andere, die mehrere Kilo schwer sein soll, auf das Ziel einschlägt. Innovativ soll sein, dass mit der Drohne erst einmal das Ziel identifiziert werden kann, um Kollateralschäden zu vermeiden. Aber das ist höchstens für die europäische Version einer Kamikaze-Drohne innovativ, weil damit auch für Switchblade geworben wird.

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