Ein offener Brief an die Bundeskanzlerin

22.03.2015

Appell an Angela Merkel, das Tabu gegen Verhandlungen über Schuldenerlass zu beenden

In einem aus Anlass des Treffens mit Alexis Tsipras in Berlin an Angela Merkel gerichteten offenen Brief fordern 1400 Personen aus den deutsch-griechischen Lebenswelten einen Kurswechsel in der deutschen Griechenlandpolitik. Telepolis veröffentlicht den offenen Brief im Wortlaut.

Sehr geehrte Frau Bundeskanzlerin Dr. Angela Merkel,

Sie finden in der Anlage einen Appell von Deutsch-Griechen (das heißt eingewanderten Griechen) und Griechen-Deutschen (das heißt Philhellenen), der von mehr als 1350 Personen in gänzlich überparteilichem Geist getragen wird. Dieser Appell unterscheidet sich von ähnlichen dadurch, dass er die besonderen historischen und kulturellen Beziehungen zwischen unseren beiden Ländern (die zu den wichtigsten nach den deutsch-französischen zählen) betont – sowie die besonderen Verpflichtungen, die sich daraus für Deutschland ergeben. Er unterscheidet sich auch dadurch, dass er mit Klartext argumentiert. Er richtet sich sowohl an die mediale wie an die politische Klasse.

Alle 10 Punkte des Appells, der bereits vor der Wahl vom 25.1.2015 initiiert wurde, sind nach der Wahl erst recht aktuell und bestätigt worden. Wir wenden uns jetzt an Sie als die Entscheiderin letzter Instanz für die politische Problematik. Es geht dabei also in erster Linie um die Punkte 8, 9 und 10 unseres Appells: Schuldenerlass und Verhandlungen auf Augenhöhe statt mit einer alten oder neuen Troika.

Sehr geehrte Frau Dr. Merkel, wir sind sicher, dass Sie die Einäugigkeit gewisser deutscher Leitmedien (sowohl des Boulevards wie aber auch des Salons) nicht als Ihr Vorbild betrachten. Mit dieser Einäugigkeit (Punkt 2 und 3 des Appells) wird kostbares Beziehungsporzellan zwischen Deutschland und Griechenland zerdeppert.

Von Ihnen hängt es nun ab, ob unsere Beziehungen historisch irreversibel beschädigt werden. Handeln Sie politisch statt rein technokratisch. Erkennen Sie an, dass es sich bei den Troikaabkommen um eine inzwischen völlig gescheiterte Strategie handelt, die unser Appell als "Brüningpolitik" bezeichnet, um an die katastrophalen historischen Erfahrungen mit dieser Art Politik in Deutschland zu erinnern. Handeln Sie demokratisch und erkennen Sie an, dass nicht nur eine Regierung, sondern dass die Brüningpolitik in Griechenland abgewählt worden ist. Brechen Sie mutig mit dem Tabu, demzufolge die neue Regierung durch Schuldenerlass keinen Euro mehr "kriegen" (BILD) dürfe als die alte, weil die alte dann desavouiert wäre. Öffnen Sie beide Augen – wir sind sicher, dass Sie dann auch das Thema Schuldenerlass "sehen" werden, statt weiter zu behaupten, Sie "sähen es nicht".

Alle wissen, dass Ihr tabubrechendes Wort in der EU umgehend mit großer Erleichterung begrüßt würde. Sagen Sie dieses Wort und erlauben Sie Verhandlungen ohne Ultimaten über einen Schuldenerlass – mit welcher technischen Umsetzung und welchen provisorischen Moratorien auch immer. Wir sind sicher, dass die neue Regierung es mit einer endlich effektiven Ahndung oligarchischer Korruption (Punkt 4 unseres Appels) begleiten und absichern wird.

Hochachtungsvoll Ihr Prof. Dr. Jürgen Link (für die Erstunterzeichnenden des Appells)

Hattingen, den 20. März 2015

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