Drogenbekämpfung: eine halbe Milliarde Dollar für Blackwaters Nachfolger

01.04.2015

Der Opiumanbau in Afghanistan floriert trotz der großen Summen, die das Pentagon an Sicherheitsfirmen überweist, um Anbau und Handel einzudämmen

Zwei trostlose, zermürbende Kriege haben auf jeden Fall einen Gewinner, wie die der jüngste Bericht des US-Rechnungsprüfers für den Wiederaufbau in Afghanistan (Special Inspecteur General for Afghanistan Reconstruction, SIGAR) ausweist, nämlich die Sicherheitsfirma Academi, vor der Umbennung 2011 unter dem Namen Blackwater bekannt.

Nach dem Einmarsch der internationalen Truppen unter Führung der USA in Afghanistan, um die Taliban von der Macht zu vertreiben, stand der Krieg gegen den Drogenanbau im Land weit oben auf der Agenda des "neuen Afghanistans", das auf der Basis des Militäreinsatzes zu errichten geplant war. Inwieweit es den Besatzern in den letzten 13 Jahren geglückt ist, dem seit einigen Jahrzehnten von Kriegen heimgesuchten Land Konstruktives zu geben, ist noch nicht ausdiskutiert. Die SIGAR-Berichte zum Wiederaufbau der letzten Jahre lieferten meist Anlass zu Diskussionen (Scheitert Afghanistan nach dem Abzug der Nato-Kampftruppen endgültig?) und Verwunderung über das Wie und das Ausmaß an verschwendeten Geldern in Milliardenhöhe (All Time High beim Schlafmohnanbau in Afghanistan).

Auch der jüngste SIGAR-Bericht ist keine Ausnahme. Auf Seite 11 des PDF-Dokuments erfährt man, wie Spencer Ackerman hinweist, dass das Unternehmen Academi Training Center, Incorporated vom amerikanischen Verteidigungsministerium von 2002 bis September 2013 Verträge für CN(Counter Narcotics)-Tätigkeiten im Wert von 569 Millionen Dollar erhalten hat. Das macht knapp 32 Prozent das CN-Gesamtbugdet aus. Dessen Höhe wird mit 1,8 Milliarden Dollar angegeben. An zweiter Stelle wird Northrop Grumman genannt, mit Verträgen im Wert von 250 Millionen, also mit beträchtlichem Abstand.

Als Leistung des Academi Training Center listet der Bericht Ausbildung, Ausstattung und logitische Unterstützung für afghanische Einheiten, die mit dem Kampf gegen Drogenanbau- und handel betraut sind, genannt werden: die Afghan National Interdiction Unit, das afghanische Innenministerium und die afghanische Grenzpolizei, die dem Drogenhandel nicht Herr wird, wie etwa Iran beklagt.

Mohnfeld in Afghanistan; Bild: US Marine Corps; gemeinfrei

Schaut man sich Statistiken zur Opiumproduktion in Afghanistan in den Jahren 2002 bis 2014 an, so zeigt sich, dass die Drogenbekämpfung in Afghanistan keine Erfolgsgeschichte ist. Zwar verzeichnen die Jahre 2008 bis 2010 und 2012 einen Rückgang der Produktion, nimmt man jedoch den Ausgangspunkt der US-geführten Drogenbekämpfung und den gegenwärtigen Stand als Maßstab, so kommt man nicht an dem Fakt vorbei, dass sich die Produktion beinahe verdoppelt hat. Für 2002 gibt die UN 3.400 Tonnen Opium als Schätzwert der Produktion an. Für 2014 6. 400 Tonnen.

Die Anbaufläche für Schlafmohn ist 2014 etwa dreimal so groß wie 2002, so das UN-Büro für Drogen und Kriminalität (UNODC) in seinem Bericht vom letzten Jahr. Seit 2011 sei die Anbaufläche um 60 Prozent gewachsen.

Dazu kommen verbesserte Bewässerungsmethoden, die zu höherer Produktivität führen. Die Hilfe zu verbesserte landwirtschaftlichen Techniken kam aus einem Budget, das eigentlich dazu gedacht war, Alternativen zum Drogenanbau zu entwickeln. Selbst der US-Rechnungsprüfer (Special Inspector General) für den Wiederaufbau Aghanistans konstatierte, dass die Bewässerungsmethoden 200.000 Hektar Wüstenland im Südwesten Afghanistans im letzten Jahrzehnt in anbaufähiges Land umgewandelt hat. Das meiste davon dient dem Anbau von Schlafmohn."

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