Bargeld abschaffen?

03.04.2015

In der Bankenwelt macht man sich Gedanken, wie Sparer entmündigt werden können

Die finanzpolitische Strategie der Negativzinsen hat ihre Risiken für die Geldinstitute. Großvermögende schieben ihre Guthaben hin und her, um doch noch zu ihren Renditen zu kommen, das jedoch gehört zum System, dagegen ist nichts zu machen. Aber es gibt eine Ebene, die sich neu regeln ließe, die nämlich, auf der eine Masse von Kleinsparern agiert. Bei denen breitet sich die Neigung aus, ihr Geld von der Bank zu holen, in Bares zu verwandeln und dieses zu Haus oder im Tresor aufzuheben. So sind private Verluste zu vermeiden. Und dagegen sollen die Banken nichts tun können?

Es gibt eine Patentlösung: Schaffen wir das Bargeld ab, es ist doch ein antiquiertes Zahlungsmittel. In einem Interview mit den Deutschen Wirtschafts Nachrichten berichtet Robert Halver von der Baader Bank über diese Idee als Perspektive auf mittlere Sicht.

Sie hat, ist hinzu zu fügen, ihre wohlklingenden propagandistischen Begründungen: Wenn alles elektronisiert wird - weshalb sollen dann die Leute noch mühsam mit barem Geld in der Tasche hantieren? Die Bankcard mache das Alltagsleben einfacher. Außerdem sei die Abschaffung von Bargeld geeignet, Kriminalität zu mindern und den schwarzen Geldverkehr zu reduzieren. Nicht erwähnt wird bei dieser Bankenwerbung: Wenn es das Bargeld nicht mehr gibt, werden die kleinen Wirtschaftsteilnehmer vollends zu gläsernen Menschen.

Sicherlich wird der Finanzmarkt, wenn es der Kapitalverwertung dient, den Zinssatz auch mal wieder erhöhen, auch Wechselbäder gehören hier zum System. Aber die Eigenhaltung von Erspartem per Bargeld ist aus Sicht der Banken so oder so ein Störfaktor, sie lässt sich wegreformieren.

Kapitalismuskritiker haben einst vor einer "Diktatur des Finanzkapitals" gewarnt. Der Trend dahin muss nicht mit der Abschaffung demokratischer Politikformen einhergehen, er kann ganz moderat verlaufen, unter Beihilfe von Regierungen und Parlamenten: Bargeld? Braucht das Volk nicht mehr, in der schönen neuen Welt der Digitalität.

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