Geschürte Hysterie über (russische) U-Boote vor der Küste Schwedens?

14.04.2015

Schwedens Armee muss einräumen, dass es sich bei einem mutmaßlichen U-Boot um ein ziviles Schiff handelte, beharrt aber weiter darauf, Mitte Oktober eines ausgemacht zu haben

Was war es letztes Jahr für eine Aufregung, als angeblich am 17. Oktober und danach noch zweimal in den Schären vor der Küste Stockholms ein Objekt gesichtet worden war, das für ein U-Boot gehalten wurde - natürlich für ein russisches. Das schwedische Militär bezeichnete die Berichte als "sehr glaubwürdig" und sprach davon, man habe "Unterwasseroperationen" beobachtet (Schweden: Steckt hinter der verdächtigen "Unterwasseroperation" Russland?). Bis Ende Oktober wurde mit großem Aufgebot, mit Kriegsschiffen, Minensuchbooten und Hubschraubern, nach dem vermeintlichen U-Boot gesucht. Russland wies die Vorwürfe zurück.

Der schwedische General Anders Grenstad muss zurückrudern. Bild: forsvarsmakten.se

Zur selben Zeit hatte die schwedische Regierung beschlossen, die Verteidigungsausgaben zu erhöhen. Kurz nachdem die erste Suche abgeblasen worden war, wurde eine zweite Suche gestartet, weil von Ex-Oberstleutnant Sven-Olof Kviman wieder ein mögliches U-Boot gesehen worden war. Die Geschichte entwickelte sich wie die Jagd nach dem Ungeheuer von Loch Ness.

Schwedens Militär präsentierte im November noch ein Sonarbild als "Beweis", dass im Oktober ein "kleines U-Boot" in den Schären gewesen sei. Die Streitkräfte bestätigten, ein U-Boot habe die territoriale Integrität verletzt. Ministerpräsident Stefan Löfven tönte, es sei sicher, dass es "eine territoriale Verletzung unserer Gewässer" gegeben habe, und erklärte markig: "Wir werden unsere territoriale Integrität mit allen uns zur Verfügung stehenden Mitteln verteidigen." Nach Umfragen stieg die Besorgnis entsprechend in Schwedens Bevölkerung an.

Im Januar wollte das schwedische Militär noch einmal ein U-Boot gesichtet haben. Die Rede war, dass sich 3-4 U-Boote in Schwedens Gewässer getummelt hätten.

Am 31. Oktober hatte Ex-Oberstleutnant Sven-Olof Kviman nach der ersten Sichtung ein verdächtiges Objekt beobachtet und fotografiert (Bild). Jetzt erklärt Kvimann, wie Svenska Dagbaldet berichtet, dass der Marinegeneral Anders Grenstad ihm gesagt habe, es habe sich nicht um ein U-Boot, sondern um ein Arbeitsboot, das "Timebandit" heißt, mit einer Länge von 10 Metern und einer Breite von drei Metern gehandelt. Eingestuft wurden sei die Sichtung nun von "wahrscheinlich ein U-Boot" auf "kein U-Boot". Kviman bleibt allerdings dabei, dass es ein U-Boot gewesen sei, auch wenn man nie hundertprozentig sicher sein könne.

Bild: forsvarsmakten.se

Auch die Zeitung Dagens Nyheter meldet, die schwedische Marine habe bestätigt, dass es sich nicht um ein 20-30m langes U-Boot, sondern um ein weißes Plastikboot gehandelt habe. Letzte Woche hatte das Militär nach der Analyse des Fotos und der Schiffsbewegungen die Regierung unterrichtet und die Analyse vorgelegt. Der Zeitung zufolge haben die Streitkräfte mit dem Skipper aber keinen Kontakt aufgenommen, sein Schiff sei auch nicht dort gewesen, wo das Militär dies behauptet, sagte dieser. Das Militär wies auch die angebliche Sichtung eines weiteren U-Boots im Januar zurück, wo der Zeuge gesagt hatte, er sei beinahe mit diesem zusammengestoßen, beharrt aber darauf, dass am 17. Oktober tatsächlich ein U-Boot gesichtet worden sei. Ob es denn ein russisches war, sofern man mit der Behauptung nicht nur eine Blamage vermeiden will, bleibt im Dunklen.

Russische Medien schlachten den Vorfall aus, vermeiden allerdings zu erwähnen, dass die schwedischen Streitkräfte daran festhalten, dass Mitte Oktober tatsächlich ein U-Boot an der Küste gewesen sein soll. Ein Bericht darüber soll noch im Frühjahr veröffentlicht werden.

Trotzdem ist die U-Boot-Manie ein bisschen peinlich und sollte den Schweden, aber auch den Bürgern von Nato-Staaten Grund zum Nachdenken über die verbreitete Russenangst bieten, die Blüten treibt, aber auch Interessen dient. Schweden und Finnland überlegen gerade, der Nato beizutreten und die Verteidigungsminister von Schweden, Norwegen, Finnland, Dänemark und Island bekunden, man werde wegen der "russischen Aggression gegen die Ukraine", die die Sicherheitslage in Nordeuropa verschlechtert habe, die militärische Kooperation verstärken. Polen und die baltischen Staaten rüsten, obgleich schon in der Nato, auf und verlangen stärkere Nato-Unterstützung. Die USA beschwören die transatlantische Einheit und dringen darauf, dass die Nato-Mitgliedsländer ihre Verteidigungsausgaben erhöhen.

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