Banken verdienen kein Geld - Banken lassen arbeiten

19.04.2015

Ein Bürgervorschlag zur Reform des Geldsystems

Lösungsvorschläge für aktuelle politische und wirtschaftliche Probleme kommen im Zeitalter der Informationsfülle nicht nur aus der Politik und der Wirtschaftswissenschaft, sondern auch von Bürgern. Telepolis wird in unregelmäßigen Abständen einige davon zur Diskussion stellen. Der vierte stammt von Christian Schantz, der Horst Seifferts Buch Geldschöpfung - Die verborgene Macht der Banken gelesen hat und sich im Verein Monetative engagiert.

Banken haben zum Geld eine völlige andere Einstellung als Unternehmen ohne Banklizenz. Unternehmen ohne Banklizenz, sogenannte Nichtbanken, brauchen Geld von anderen Wirtschaftsteilnehmern, um existieren zu können. Sie benötigen dieses Geld um Produktionskosten, Betriebsausgaben, Steuern usw. usf. zu zahlen. Sind die erwirtschafteten Erträge höher als die Kosten, hat der Betrieb einen Gewinn gemacht, er hat Geld verdient. Banken hingegen haben ein völlig anderes Verhältnis zum Geld. Für sie ist Geld eine Methode, um weite Teile der Gesellschaft für sich arbeiten zu lassen, ohne das dafür nötige Geld vorher zu verdienen.

Um diese Behauptung besser zu verstehen muss man sich erst einmal klar werden was Geld eigentlich ist. Für uns alle ist Geld vor allen Dingen ein allgemein gültiges Zahlungsmittel, auf das wir angewiesen sind, um in unserer modernen Gesellschaft zu überleben. Wir brauchen Geld, um zu essen, zu trinken, zu wohnen, zu reisen, im Winter nicht zu frieren und unsere Kinder groß zu ziehen. Fast alle Teilbereiche unseres Lebens sind mittlerweile monetarisiert. Für Menschen ohne Geld ist kaum Platz in unserer Gesellschaft. Nur ist dieses Zahlungsmittel Geld in unserem Wirtschaftssystem nicht einheitlich:

Auf der einen Seite zahlen wir mit Bargeld. Bargeld sind die Geldscheine und Münzen, die unter Kontrolle der Zentralbanken in Umlauf kommen. Diese "Inumlaufbringung" nennt man im Fachjargon Geldschöpfung. Die Geldschöpfung von Bargeld ist also in öffentlicher Hand. Bargeld ist außerdem gesetzliches Zahlungsmittel, d.h. jeder Wirtschaftsteilnehmer muss Bargeld als Zahlungsmittel akzeptieren, da er gesetzlich dazu verpflichtet ist.

Auf der anderen Seite zahlen wir mit Buch- oder Giralgeld. Das ist das Geld auf unseren Girokonten. Dieses Giralgeld kommt in Umlauf wenn Banken ein Girokonto erhöhen, ohne dabei ein anderes zu verringern. Diese Giralgeldschöpfung erfolgt ohne direkte Kontrolle des Staates. Sie erfolgt unter der Kontrolle von Geschäftsbanken, also von privaten profitorientierten Unternehmen.

In der Gesetzgebung wird den Banken die Giralgeldschöpfung weder verboten noch erlaubt und Giralgeld ist kein gesetzliches Zahlungsmittel. Aus Sicht der Bank ist es ein Versprechen an den Kunden auf Auszahlung von Bargeld. Da aber nur ein sehr geringer Teil der Kunden diese Auszahlung einfordert, kann die Bank viel mehr Giralgeld schöpfen, als sie an Bargeld zur Verfügung hat.

Das Verhältnis von Giralgeld zu Bargeld in der umlaufenden Geldmenge ist in etwa 80 zu 20. Giralgeld ist also das mit Abstand wichtigste Zahlungsmittel.

Aber zurück zum Verhältnis der Banken zum Geld.

Wenn eine Nichtbank einen Mitarbeiter seinen Lohn auszahlen will, erfolgt das zumeist in Giralgeld. Um den Lohn überweisen zu können braucht das Unternehmen genug Giralgeld auf seinem Girokonto. Ist der Kontostand nicht hoch genug, rutscht der Betrieb ins Minus und wird, sollte dieser Zustand länger anhalten, letztendlich zahlungsunfähig.

Wenn eine Bank einen Mitarbeiter seinen Lohn auszahlen will, erfolgt das ebenfalls in Giralgeld. Die Bank muss dazu aber kein Geld verdienen, sondern sie schöpft einfach Neues. Der Kontostand des Mitarbeiters wird von der Bank um den entsprechenden Betrag erhöht, ohne dabei den Kontostand eines anderen Girokontos zu verringern.

Der Mitarbeiter der Bank ist zufrieden, da er weiß, dass dieses Giralgeld von jedermann als Zahlungsmittel anerkannt wird. Für ihn ist der Unterschied zwischen Bargeld und Giralgeld nicht relevant. Da es praktischer ist, große Summen mit Giralgeld als mit Bargeld zu begleichen, wird er nur einen sehr kleinen Teil der Lohnzahlung von seiner Bank in Bar einfordern, indem er es am Automaten abhebt.

Solange der Mitarbeiter das Geld nicht zu einer anderen Bank überweist, hat seine Bank, die wir Bank-1 nennen, keine nennenswerten Kosten für die Geldschöpfung der Lohnzahlung. Überweist jedoch der Mitarbeiter seinen Lohn auf ein Konto einer anderen Bank-2, entsteht für Bank-1 ein negatives Zahlungsverhältnis zu Bank-2 in derselben Höhe.

Das Verhältnis von Zahlungseingängen und -ausgängen von und zu anderen Banken ist der wirkliche Gradmesser des Geschäftserfolgs einer Bank. Das negative Zahlungssaldo zu Bank-2 ist also ein Verlust für Bank-1. Kann Bank-1 ihren Mitarbeiter also doch nicht mit selbst geschöpften Geld zahlen, ohne dabei Verluste zu machen? Das kommt auf die anderen Banken an. Wenn die anderen Banken ihre Mitarbeiter in gleicher Höhe zahlen, löschen sich die daraus resultierenden Zahlungsein- und ausgänge gegenseitig aus und Bank-1 hat fast keine Kosten für die Bezahlung ihrer Mitarbeiter.

Zahlt Bank-1 ihren Mitarbeitern überdurchschnittlich viel Gehalt, wird sie dadurch mit einer negativen Zahlungsbilanz zu den anderen Banken bestraft. Aber im Zahlungsverkehr gilt: was ein Verlust für eine Bank ist, ist immer ein Gewinn für eine andere Bank. Auch in diesem Fall ist für das Bankensystem als Ganzes die Bezahlung der Mitarbeiter fast kostenfrei.

In der Bilanz, dem Geschäftsbericht der Bank, wird diese Giralgeldschöpfung zur eigenen Verwendung gesetzlich legitimiert falsch verbucht.

Die Lohnzahlung wird über die laufende Gewinn und Verlustrechnung (GuV) als Minderung von Eigenkapital auf der Passivseite der Bilanz eingetragen. Als Gegenbuchung wird der Posten "täglich fällige Verbindlichkeiten" (das sind sämtliche Girokontostände einer Bank zusammen) ebenfalls auf der Passivseite der Bilanz um den gleichen Betrag erhöht. Die Bank bucht einen Passivtausch. Der Bankbuchhalter ist also überzeugt, dass das Geld für die Lohnzahlung des Kunden aus dem Eigenkapital der Bank stammt.

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