Der Krieg im Jemen droht außer Kontrolle zu geraten

21.04.2015

Amerikanische, ägyptische, saudische und iranische Kriegsschiffe befinden sich in der Meerenge Bab al-Madab

Der amerikanische Flugzeugträger USS Roosevelt soll mit anderen Kriegsschiffen die Meeresenge vor dem Jemen sichern. Bilf: US Navy

Im Jemen herrscht Chaos, seitdem die schiitischen Huthi-Rebellen große Teile des Landes eingenommen und die von Saudi-Arabien und den USA unterstützte sunnitische Regierung vertrieben haben. Saudi-Arabien hat mit einer Koalition arabischer Staaten und mit Unterstützung des Westens, der die reiche Monarchie als Stabilitätsanker sieht und ungern auf die guten Geschäfte verzichten will, einen Luftkrieg gegen die Huthis begonnen, der nach vier Wochen allerdings noch wenig Wirkung zeigt, aber immer mehr zivile Opfer kostet. Der Führer der Huthis lehnt Verhandlungen mit den Saudis ab.

Vorgeworfen wird den Saudis von iranischer Seite, auch Phosphorbomben und andere geächtete Waffen einzusetzen. Zudem haben die Luftangriffe al-Qaida im Jemen geholfen, ihr Einflussgebiet zu vergrößern (Al-Qaida erobert al-Mukalla). Das müsste eigentlich Interessen der USA zuwiderlaufen, die im Jemen vor allem al-Qaida bekämpft haben, vornehmlich mit Killerdrohnen. Saudi-Arabien droht, die Angriffe so lange fortzusetzen, bis der geflüchtete Präsident Abd-Rabbu Mansour Hadi wieder ins Amt zurückkehrt und die Huthis besiegt sind. Die Regierung Jemens, obgleich sie nicht mehr an der Macht ist, hat den Friedensplan des Iran zurückgewiesen, der als ersten Schritt einen Waffenstillstand vorsieht.

Es geht im Jemen wie so oft um geopolitische Konflikte, hier um den Konflikt der Regionalmächte Iran und Saudi-Arabien, der auch in andere Länder ausstrahlt. Iran hat gute Beziehungen zum Assad-Regime in Syrien, zu den Hisbollah im Libanon und zu der schiitischen Bevölkerungsmehrheit im Irak. Zudem gibt es schiitische Minderheiten in einigen Golfstaaten, allen voran in Bahrain, aber auch in Saudi-Arabien selbst (Einkreisungsängste in Riad).

Saudi-Arabien hat den Krieg gegen die schiitischen Huthis im Jemen begonnen, als sich ein Ergebnis der Atomverhandlungen mit dem Iran abzeichnete (Warum Krieg gegen den Jemen jetzt?). Ein Ende der Sanktionen wird Iran wieder stärker werden lassen, Russland nutzte die Gelegenheit auch gleich, um dem Iran bereits bestellte Luftabwehrsysteme des Typs S-300 zu liefern. Damit kann sich der Iran nun besser gegen einen möglichen israelischen Angriff schützen, aber ist auch besser gerüstet in einem militärischen Konflikt mit Saudi-Arabien und seinen Verbündeten.

Richtung Jemen und die dortige Meerenge Bab al-Madab, durch die vor allem die Schiffe mit Öl müssen, haben die USA, Ägypten und Iran Kriegsschiffe geschickt. Die Lage ist brenzlig. Es sind bereits 9 US-Kriegsschiffe vor Ort, der Flugzeugträger USS Theodore Roosevelt fährt gerade in die Region. Das zeigt, die USA sind besorgt und wollen abschrecken. Erklärt wird, dass Schifffahrtslinien offen bleiben sollen. Überdies sei man seinen regionalen Partnern verpflichtet.

Letzte Woche hat auch der UN-Sicherheitsrat zugunsten von Saudi-Arabien ein Waffenembargo für die Huthis verhängt, Russland hat sich enthalten. Das Pentagon und das US-Außenministerium weisen zurück, dass die US-Marine irgendwie in den Konflikt mit Jemen eingreifen würde, man kämpft wie zuvor gegen die Piraterie und will angeblich nur das Waffen-Embargo durchsetzen. Iran liefere Waffen an die Huthis, das würde nur zur größeren Gewalt in dem Land beitragen.

Und weil man doch gerade im Krieg ist, hat Opposition in Saudi-Arabien oder in Bahrain nichts verloren. So unterstützt der Westen mithin die Demokratie. Bürgerrechtler in Saudi-Arabien halten derzeit lieber den Mund oder sprechen aus Angst vor Verfolgung nur anonym, berichtet AP, während in Bahrain mal wieder Oppositionelle festgenommen wurden, nur weil sie kritisierten, dass das Land an der saudischen Militäroffensive teilnimmt. Wer für Frauen- oder überhaupt Menschenrechte in der fundamentalistisch ausgerichteten saudischen Monarchie eintritt, scheint eingeschüchtert zu sein.

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