Junge Amerikaner trauen Medien nicht

03.05.2015

Nur der Kongress und die Wall Street genießen noch weniger Vertrauen, Wissenschaftlern und Militär wird am meisten vertraut

Das Institut für Politik der Harvard University hat in einer Umfrage die Einstellung der jungen Menschen von 18-29 Jahren zu den Medien eruiert. Danach wäre die Einschätzung als "Lügenpresse", wie hierzulande manche Kreise vornehmlich aus der rechten und ausländerfeindlichen Ecke ihnen nicht gefällige Medien titulieren, noch geradezu ein Lob. Die amerikanischen jungen Menschen sind zutiefst skeptisch.

Seit 15 Jahren werden von dem Institut die jungen Menschen über ihre politischen Haltungen befragt, wozu auch das Verhältnis zu den Medien gehört. Für die aktuelle Umfrage wurden 3.034 18-29-Jährige zwischen dem 18. März und dem 1. April befragt.

Nur 12 Prozent glauben, die Medien verdienen Vertrauen, weil sie das Richtige tun, 39 Prozent sagen hingegen, sie würden das niemals tun. Und nur 2 Prozent unter den 12 Prozent äußern ein natürlich auch weltfremdes Vertrauen in die Medien, dass sie immer das Richtige machen würden. Damit rangieren die Medien, wenn es denn überhaupt Sinn macht, solche pauschalen Einstellungen als sinnvoll zu erachten, ganz unten und noch hinter dem Kongress (17%) und der Wall Street (14%). 49 Prozent schenken den lokalen Polizeibehörden Vertrauen, mehr als der Bundesregierung (25%), den Vereinten Nationen oder dem Präsidenten (beide 37%) oder dem Obersten Gericht (42%). 56 Prozent haben Vertrauen in Wissenschaftler, die mit dem Militär (53%) ganz oben stehen.

Mag sein, dass deswegen 57 Prozent auch dafür wären, Bodentruppen zu schicken, um den Islamischen Staat zu bekämpfen. Offenbar steigt die Bereitschaft dafür, dass sich die USA stärker im Ausland engagieren. 35 Prozent sind dafür, dass die USA bei der Lösung internationaler Konflikte die Führung übernehmen soll, 10 Prozent mehr als letztes Jahr. 61 Prozent wären dafür, dass die USA dies anderen Länder oder den Vereinten Nationen überlassen sollen, 13 Prozent weniger als 2014. Und 23 Prozent meinen, dass es manchmal notwendig sei, "potienziell feindliche Staaten anzugreifen, anstatt zu warten, bis man angegriffen wird, um zu reagieren". Das sind 7 Prozent mehr als 2014, allerdings waren 2013 25 Prozent dieser Meinung.

Das Ansehen der Wissenschaftler schlägt sich darin nieder, dass 75 Prozent davon ausgehen, dass die Klimaerwärmung eine Tatsache ist, die überwiegend (55%) oder teilweise (20%) von Menschen verursacht wird. Nur 23 Prozent hängt der von Republikanern starke gemacht Skepsis an und sagt, die Klimaerwärmung sei noch nicht bewiesen.

Vertrauen in das Rechtssystem ist bei Schwarzen und Latinos gering

Politisch aktiv sind nur 21 Prozent, für 51 Prozent ist die Religion weiterhin für ihre Leben wichtig, 52 Prozent über die "moralische Ausrichtung des Landes" besorgt. Die Krankenversicherung kommt besser an, aber grundsätzlich gibt es widerstreitende Haltungen. 40 Prozent glauben daran, dass Steuerkürzungen das Wirtschaftswachstum befördern, ebenso viele meinen, die Regierung müsse mehr zur Armutsbekämpfung ausgeben und 22 Prozent meinen, dass durch Höhere Staatsausgaben mehr Wirtschaftswachstum entstehe.

Und obgleich so viele von der Tatsache der Klimaerwärmung ausgehen, befürworten nur 32 Prozent eine stärkere Klimaschutzpolitik, allerdings 5 Prozent mehr als im Jahr zuvor. Und der Optimismus ist noch groß, 41 Prozent glauben, es würde ihnen einmal besser gehen als ihren Eltern, 33 Prozent gehen davon aus, dass es ihnen gleich gut gehen wird, nur 13 Prozent fürchten, es werde ihnen schlechter gehen. Dabei sagen 70 Prozent, es sei schwierig für Studenten, nach dem Hochschulabschluss einen festen Job zu finden.

Wenig überraschend favorisieren die jungen Menschen die Demokraten, auch wenn 40 Prozent keiner Partei nahestehen. 55 Prozent wünschen sich, dass die Demokraten bei den kommenden Präsidentschaftswahlen gewinnen, 40 Prozent sind für die Republikaner. Die Frauen sind stärker demokratisch ausgerichtet, die überwiegende Mehrzahl der Latinos (68%) und der Schwarzen (87%) neigt zu den Demokraten, bei den Weißen sind es nur 41 Prozent. Bei den demokratischen Präsidentschaftsbewerbern würden die meisten (47%) Hilary Clinton wählen, bei den republikanischen ist es weniger deutlich, 10 Prozent neigen zu Ben Carson, 8 Prozent zu Rand Paul, 7 Prozent zu Jeb Bush. Mit der Amtsführung von Obama ist die Hälfte zufrieden.

Interessant ist nach den erneuten Vorfällen von Polizeibrutalität, wie das Rechtssystem wahrgenommen wird. Allgemein vertrauen 49 Prozent (9% stark), dass die Menschen ohne Vorurteile ihrer Herkunft nach behandelt werden. Aber es macht sich eine tiefe Kluft zwischen Bevölkerungsschichten auf. Wer privilegiert ist, der Mehrheit angehört oder vom System profitiert, hat natürlich eine bessere Meinung. Bei den Weißen ist mit 55 Prozent eine Mehrheit mit dem Rechtssystem und dessen Vorurteilslosigkeit zufrieden, bei den Latinos sagen 53 Prozent, es würde nicht fair vorgehen, bei den Schwarzen sind es 66 Prozent. Demokraten und Unabhängige haben geringeres Vertrauen, bei den republikanisch Gesinnten glauben hingegen zwei Drittel an das Rechtssystem, obgleich die Republikaner ja eigentlich staatskritisch sind und den schmalen Staat anstreben, allerdings wollen sie den Starken Staat bei Sicherheit und Verteidigung, also für den Schutz der eigenen Interessen.

Das Proteste wie nach den Vorfällen in Ferguson und New York (Baltimore fand erst nach der Umfrage statt) die ungleiche Behandlung durch die Polizei verändern, glauben nur 49 Prozent, bei den Schwarzen sind es allerdings 81 Prozent, die damit auch noch Hoffnung ausdrücken. 80 Prozent setzen aber auf BodyCams, die Polizisten bei Einsätzen tragen, 60 Prozent glauben, es käme zu Veränderungen, wenn auf den Polizeistationen das Personal nach der Zusammensetzung des Viertels eingestellt würde, 49 Prozent halten die Beendigung von zwingenden Mindeststrafen für den Drogenbesitz oder - verkauf für sinnvoll.

Noch einmal zurück zu den Medien. In einer anderen Umfrage unter erwachsenen US-Bürgern, die Anfang März veröffentlicht wurde, stellte sich heraus, dass Fox News unter den Fernsehsendern das größte Vertrauen erhielt, auch wenn dies vor allem Republikaner und ältere Menschen sagen. Trotzdem lässt dies an der Beurteilung zweifeln. 29 Prozent trauen diesem am meisten, gefolgt von CNN mit 22 Prozent. Aber 48 Prozent sagen auch, dass die Informationen, die Fernsehsender geben, weniger vertrauenswürig seien als zu früheren Zeiten.

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