Osama und die CIA-ISI-GID-Connection

17.05.2015

Mit Seymour Hershs Story wird deutlich, dass der angebliche Weltfeind Nr. 1 kein autonomer Terrorist, sondern eine Figur unter der Kontrolle der Geheimdienste war

Der jüngste Report von Seymour Hersh (Die Tötung von Bin Laden: Alles gelogen) könnte ein wenig Licht in die mysteriöse Geschichte um die Ermordung Osama Bin Ladens bringen, wenn auch keine wirkliche Aufklärung und schon gar nicht einen Beweis für seine 9/11-Täterschaft. In den USA ist der Reporter, weil er seine entscheidenden Informanten nur anonym zitiert, schwer unter Beschuss geraten.

"Völliger Unsinn" sei das, sagte ein CIA-Sprecher und das Weiße Haus monierte "zahlreiche Ungenauigkeiten". Hersh seinerseits reagierte auf die Kritik äußerst unwirsch - wie man seinen Antworten auf die (auch eher dümmlichen) Fragen eines "Slate"-Journalisten entnehmen kann.

Dass die Kritiker jetzt auch die Investigativ-Koryphäe Hersh in die Schmuddelecke "Verschwörungstheorie" stellen wollen, scheint dem mittlerweile automatischen Reflex geschuldet, mit dem jeder Überbringer von Nachrichten über Staatsverbrechen gegen die Demokratie diffamiert wird. Tatsächlich könnte Hershs Version, nach der Bin Laden seit 2006 unter Aufsicht des pakistanischen Geheimdiensts ISI stand, der Realität zumindest ein Stück näher kommen, auch wenn ein nachvollziehbarer Beweis, dass es sich bei der in Abottabad ermordeten und dann angeblich seebestatteten Person wirklich um Bin Laden handelte nach wie vor fehlt.

Deutlicher als zuvor aber wird mit Hershs Story, dass der angebliche Weltfeind Nr. 1 kein autonomer Terrorist, sondern eine Figur unter der Kontrolle der Geheimdienste war.

Die "CIA-ISI-Osama"-Connection war mir zum ersten Mal im November 2001 aufgefallen, nachdem Berichte über seinen Aufenthalt im "American Hospital" in Dubai im Juli 2001 aufgetaucht waren, und CBS über eine Einweisung des nierenkranken Bin Laden in ein Militärhospital in Rawalpindi (Pakistan) am 11.9.2001 berichtete!

In "Verschwörungen, Verschwörungstheorien und die Geheimnisse des 11.9" hatte ich diese Meldungen wie folgt kommentiert:

Die neue Inquisition, die sich im Besitz der "Wahrheit über den Terror" befindet und zum Kampf gegen "frevelhafteVerschwörungstheorien" aufruft, wurde nicht von ungefähr Mitte November verkündet. In den Tagen zuvor hatten französische Medien gemeldet, dass das letzte Treffen von Bin Laden und der CIA noch im Juli 2001 im American Hospital in Dubai stattgefunden hätte (siehe Juli 2001: Usama meets CIA!), womit die Mär von der lange beendeten Zusammenarbeit mit islamistischen Terroristen aufzufliegen drohte.

Einem Bericht des CBS-Korrespondenten Barry Petersen zufolge dürfte den US-Geheimdiensten auch bekannt gewesen sein, wo sich Bin Laden um den 11.9. herum befand: Am Abend zuvor wurde er in das Militärkrankenhaus in Rawalpindi zu einer Dialysebehandlung eingeliefert. Der Mastermind des avanciertesten Terroranschlags der Geschichte hängt also während des finalen Countdowns am Tropf des pakistanischen Militärs und wird vor einem Nierenversagen gerettet - wenn hoffentlich bald die Terrorklamotte "Die nackte Kanone 23,5" gedreht wird, dürfte das eine schöne Szene abgeben.

Daraus wurde bekanntlich nichts. Wobei die Serie der in den folgenden Jahren immer wieder auftauchenden Droh- und Bekenntnis-Videos mit ihren immer neuen Bärten und schrägen Übersetzungen durchaus schon in das Genre "Klamotte" driftete - von CIA-Offiziellen und Fernseh-"Terrorexperten" aber stets als authentisch deklariert wurden. Als Watschenmann im "Global War On Terror" war der nierenkranke Osama, der nach einem pakistanischen Zeitungsbericht schon im Dezember 2001 gestorben sein soll, einfach unverzichtbar.

Dass er laut Hersh seit 2006 unter Kontrolle des ISI stand und der saudische Geheimdienst (GID) für seine diskrete Unterbringung bezahlte, weil die Saudis verhindern wollten, dass er den USA in die Hände fiel und über die saudische Unterstützung von al-Qaida plauderte - diese Story wirft mehr Fragen auf, als sie beantwortet.

Osama bin Laden - Screenshot aus einem von US-Soldaten in seinem "geheimen" Unterschlupf in Abottabad, Pakistan, gefundenen Video, circa 2010-2011. Bild: U.S. Federal Government

Vor allem, warum ausgerechnet in Sachen des meist gesuchten Terroristen der Welt der Schwanz (ISI und GID) fünf Jahre lang mit dem Hund (CIA) wedeln konnte - die Amis also angeblich von nichts wussten, bis zufällig ein Überläufer des ISI vorbeikam, der auf die 25 Mio. Belohnung scharf war. Und selbst wenn dem so gewesen sein sollte und der Deal so gelaufen ist: Warum dann die aufwändige Nacht- und Nebel-Aktion im Luftraum einer pakistanischen Garnisionsstadt, warum hat der ISI ihn nicht einfach über die afghanische Grenze gebracht, um dann dort das SEAL-Team oder eine Drohne zuschlagen zu lassen?

Auch wenn Hershs Geschichte, die in Grundzügen schon seit 2011 bekannt ist und mittlerweile auch von anderen Quellen bestätigt wurde, die Unwahrheit der offiziellen Legende über die Tötung Bin Laden offenlegt, bleibt diese Liquidation in hohem Maß mysteriös.

Zumal Hersh 2003 selbst enthüllt hatte, dass der ISI Bin Laden und seine Entourage schon im November 2001 unter Kontrolle hatte: Truppen von US-Spezialeinheiten hatten ihn damals nördlich von Kunduz eingekreist, doch der Zugriff wurde ihnen von höchster Stelle im Pentagon verwehrt - weil sich hohe Offiziere des ISI in der Gruppe befanden.

Einigermaßen fassungslos mussten die US-Marines mit ansehen, wie Bin Laden samt Familie und Leibgarde vom ISI nach Pakistan ausgeflogen wurde. Dass er danach vom Erdboden verschwunden und dann laut Hershs Geheimdienstinformanten vom ISI erst wieder 2006 irgendwo im Hindukusch ausfindig gemacht worden sein soll, riecht streng nach Nebelkerze.

Sehr viel naheligender ist, dass er nicht nur in den Jahren vor 9/11 - wie es die ehemalige FBI-Übersetzerin und Whistleblowerin Sibel Edmonds enthüllt hat -, sondern eben auch danach unter ständiger Kontrolle der CIA und ihrer ausführenden Partner ISI und GID operierte. Zur selben Zeit, als 15 seiner "Schüler" in trauter Kooperation von CIA und GID trotz fehlerhafter Visa über das US-Konsulat in Dschiddah problemlos zum Flugunterricht nach Florida eingeschleust wurden.

Um dann von ihren Aufsehern vor Ort zu einem kleinen "Nebenjob" - Statisten bei einem Air-Force-Manöver engagiert zu werden (Die Wargames des 11. September), für ein bisschen Geld und mit einem Satz wie: "Ihr müsst euch um nichts kümmern, nur die Tickets für diese Flüge kaufen und ein Teppichmesser einstecken." Aber das ist schon wieder eine andere Geschichte...(The WTC Conspiracy)

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