Al-Dschasira: In Umfrage überwältigende Mehrheit für den Islamischen Staat

26.05.2015

Auf der arabischsprachigen Webseite finden sich viele IS-Befürworter, während die arabischen Staaten an der US-geführten Koalition gegen den IS beteiligt sind

Die sunnitischen Länder beteiligen sich am Krieg gegen den Islamischen Staat in Syrien und im Irak an der von den USA angeführten Koalition. Das geschah erst nach zähen Verhandlungen und großem Druck, die Beteiligung blieb bislang auch eher symbolisch. Zudem führt eine von der fundamentalistischen saudischen Monarchie geführte Koalition einen Luftkrieg gegen die schiitischen Huthi-Rebellen im Jemen, der viele Opfer unter den Zivilisten fordert. Der Krieg begann just zu dem Augenblick, als die Verhandlungen über das iranische Atomprogramm zu einem Abschluss kamen und damit die Aussicht besteht, dass die Sanktionen wegfallen, wodurch der Iran gestärkt würde.

Saudi-Arabien, das auch die Opec kontrolliert, hat zudem angestoßen, eine gemeinsame arabisch-sunnitische Eingreiftruppe aufzustellen, die nach dem Vorbild der Nato schnell gegen Gegner in Konflikten vorgehen soll. Dahinter steckt vor allem die Idee, den regionalen Konkurrenten Iran mitsamt den schiitischen Einflussbereich im Irak, in Syrien und im Libanon einzudämmen. Gleichzeitig rücken die Golfstaaten mit Saudi-Arabien von den USA wegen des amerikanischen Zugehens auf den Iran ab. Daher kamen unlängst zu einem Treffen auf Camp David, zu dem US-Präsident Obama geladen hatte, fast nur noch Gesandte der Staatsoberhäupter, eine deutliche Geste gegenüber der US-Regierung. Obama versicherte den Golfstaaten zwar zu, diese zu verteidigen, eine Beistandspflicht, die diese gerne gehabt hätten, wollte er jedoch nicht anbieten – aus gutem Grund freilich, um nicht in einen Krieg hineingezogen zu werden. Saudi-Arabien hat auch 150.000 Soldaten an der Grenze zum Jemen stationiert, die arabische Koalition gegen die Huthi, zu der auch Ägypten gehört, obgleich es die Muslimbrüder hart verfolgt und den gestürzten Ex-Präsidenten Mursi zum Tode verurteilt hat, wird zwar von den USA unterstützt, sie sind aber nicht direkt daran beteiligt.

Im Jemen können sich durch die Bekämpfung der Huthis al-Qaida und der Islamische Staat ausbreiten, in Syrien können die Luftangriffe den Vormarsch des Islamischen Staats offenbar nicht bremsen, während auch hier die übrigen islamistischen Gruppen, wie immer auch unterstützt durch Saudi-Arabien und die Golfstaaten, Erfolge gegen das von Iran und durch die Hisbollah gestützte Assad-Regime erzielen.

Die Haltung gegenüber den sunnitisch-islamistischen Terroristen ist in den fundamentalistischen Golfstaaten zwiespältig. Wie schon al-Qaida in Afghanistan werden die Gruppen finanziell und ideologisch von den Fundamentalisten unterstützt, gleichzeitig werden al-Qaida und der IS im eigenen Land bekämpft, weil die international ausgerichteten Terrorbewegungen die Macht gefährden können. Gerade haben saudische Selbstmordattentäter angeblich im Auftrag des Islamischen Staats am letzten Freitag einen Anschlag auf eine schiitische Moschee in Al Kudaich während des Freitagsgebets verübt. Damit will der Islamische Staat die schiitische Minderheit in Saudi-Arabien provozieren, während gleichzeitig die saudische Luftwaffe die schiitischen Huthis bombardiert, aber der IS könnte damit auch demonstrieren, auf der Seite der sunnitischen Machthaber gegen die Schiiten zu stehen.

Interessant ist jedenfalls, dass in den arabischen Ländern die Menschen durchaus auch Sympathien für den Islamischen Staat besitzen, ebenso wie zuvor al-Qaida und der saudische Bürger Bin Laden in breiten Kreisen angesehen waren, weil sie gegen die USA, den Westen und Israel kämpfen. Eine noch bis zum 29. Mai laufende Online-Umfrage des Senders al-Dschasira in arabischer Sprache zeigt, auch wenn sie natürlich alles andere als repräsentativ ist, die herrschende ambivalente Stimmung. Al-Dschasira ist ein vom katarischen Emirat 1996 gegründeter Staatssender mit Sitz in Doha, der im arabischen Raum um die 40 Millionen Zuschauer erreichen soll, vor allem in Saudi-Arabien und den Golfstaaten und vor allem Sunniten. Auf die Frage, ob sie die Siege von ISIS unterstützen oder befürworten, antwortete bislang eine überwältigende Mehrheit von 81 Prozent mit Ja. Mehr als 39.000 sprechen sich für den Islamischen Staat – zumindest im Irak und in Syrien – aus, 9.000 dagegen (Stand 12:30 am 26.5.). Das könnte auch darauf hinweisen, dass der Sender Islamisten anzieht und ihnen Futter gibt, wie manche vermuten.

Während des Afghanistan- und Irak-Kriegs wurde der Sender von amerikanischer Regierungsseite bezichtigt, die Islamisten zu fördern. Allerdings hatte der Sender auch Schwierigkeiten mit anderen arabischen Ländern wie Saudi-Arabien und wurde beispielsweise in Bahrain verboten, als es dort zu Aufständen der schiitischen Bevölkerung kam. Beim Arabischen Frühling nahm der Sender oft Partei für die Protestierenden, in Ägypten für die Muslimbrüder.

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