"Anleitung dafür, wie man keine Bildanalyse machen sollte"

03.06.2015

MH17-Fotos: Experten zweifeln an Bellingcat-Vorwürfen

Am Sonntag trat das vom britischen Finanzfachmann Eliot Higgins gegründete private Fotoauswertungsnetzwerk Bellingcat mit dem Vorwurf an die Öffentlichkeit, dass die von Russland zur Verfügung gestellten Satellitenfotos von Trümmern der am 17. Juli 2014 über dem ostukrainischen Bürgerkriegsgebiet abgestürzten Passagiermaschine MH17 manipuliert seien. Das, so Bellingcat hätten seine "forensischen Untersuchungen" ergeben, die er mit FotoForensics durchführte.

Dr. Neal Krawetz, der Erdenker der von Bellingcat benutzten FotoForensics-Algorithmen, mit denen sich Bildbearbeitungen entdecken lassen, hat Bellingcats Schlussfolgerungen nun als "Anleitung dafür, wie man keine Bildanalyse machen sollte" kritisiert.

Auch andere Experten kamen zum Ergebnis, dass das, was das Netzwerk herausfand, kein Beweis für eine Fälschung, sondern trivial ist: Denn für die Rahmen und die Textergänzungen mussten die russischen Behörden ja ein Bildbearbeitungsprogramm benutzen - und das hinterlässt selbstverständlich Spuren in den Metadaten. Es ist deshalb wenig verwunderlich und keineswegs eine Sensation, dass die an die Öffentlichkeit gegebenen Bilder Spuren des Grafik-Standardprogramms Photoshop aufweisen.

Bellingcat behauptet, dass die Russen Wolken in die Bilder einfügten, um Inhalte zu verschleiern. Bild: Bellingcat

Zudem wäre es reichlich dumm, 2015 ausgerechnet Photoshop zum Fälschen von Bildern zu benutzen und dann nicht einmal die Metadaten entsprechend zu manipulieren. Dem Hamburger Bildforensiker Jens Kriese zufolge kennen Geheimdienste heute besser geeignete Methoden, deren Spuren weit schwerer oder gar nicht nachgewiesen werden können. Dass die Bellingcat-Schlussfolgerungen aus den wenig aussagekräftigen Error Level Analysen Krieses Ansicht nach "Kaffeesatzleserei" sind, muss allerdings auch nicht zwangsläufig heißen, dass die Bilder nicht manipuliert wurden.

Der Bellingcat-Gründer Higgins gilt jedoch nicht als jemand, der ergebnisoffen an Fälle herangeht: Wie Richard Lloyd und Theodore Postol vom Massachusetts Institute of Technology (MIT) im letzten Jahr darlegten, änderte er jedes Mal das von ihm benutzte Material, wenn neue technische Analysen seine Schlussfolgerung infrage stellten, dass die syrische Regierung für einen Sarin-Gasangriff verantwortlich war.

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Hg. Florian Rötzer
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