Flugüberwachung für Drohnen

12.06.2015

FAA entwickelt mit der Nasa und Verizon ein System zur umfassenden Kontrolle von Drohnen

Der mögliche Einzug von Drohnen aller Größen, die privat, kommerziell oder von Behörden betrieben werden, dürfte zu einer unkontrollierbaren Situation und zu einem noch unübersehbar großen Risiko für Unfälle, Pannen und möglichen kriminellen oder terroristischen Anwendungen führen. Die Zahl der Unfälle nimmt mit der der betriebenen Drohnen zu, es kommt auch jetzt bereits immer einmal wieder zu Verletzungen von Menschen. Einzelne Drohnenhersteller bauen zwar in ihre Drohnen Vorkehrungen ein, damit sie nicht über bestimmte Orte wie Flughäfen oder Regierungsgebäude fliegen können (geofencing), aber das lässt sich leicht umgehen, man muss nur eine Drohne eines anderen Herstellers kaufen oder baut sich selbst eine. Die Abwehr von Drohnen ist besonders seitdem zu einem akuten Problem geworden, als eine Drohne im Januar dieses Jahres zunächst unerkannt auf das Gelände des Weißen Hauses gelangen konnte und dort crashte. Auch wenn diese nur von einem Mitarbeiter eines Geheimdienstes stammte, der mitten in der Nacht von seinem Fenster aus versucht hatte, den ausgeliehenen Quadcopter um seine Wohnung fliegen zu lassen, aber dann an der Steuerung scheiterte, wurde das damit einhergehende Problem klar. Mitte Mai wurde erneut ein Mann festgenommen, der versucht haben soll, eine Drohne über den Zaun des Weißen Hauses fliegen zu lassen.

Bild: succo/CC0

Im Unterschied zu großen, bemannten Flugzeugen können kleine, ferngesteuerte Drohnen, die tief fliegen, nicht von der Flugverkehrskontrolle überwacht und gelenkt werden. Das würde zumindest jetzt deren Kapazitäten bei weitem überschreiten, zumal die kleineren Drohnen so tief fliegen, dass sie kaum verlässlich von Radarsystemen erfasst werden können. Man müsste jede Drohne mit einem Sender ausstatten, um sie identifizieren und lokalisieren zu können, aber das lässt sich wirksam kaum durchsetzen und kontrollieren.

Noch verbietet die US-Flugbehörde FAA, dass Drohnen bis zu einem Gewicht von 25 kg außer Sichtweite über eine Höhe von 152 Metern betrieben werden. Aber das wird man nicht lange durchhalten können, der Druck ist zu groß, Drohnen vorprogrammiert oder ferngelenkt über weitere Strecken fliegen zu lassen, um etwa Waren auszuliefern oder etwas zu beobachten. Der US-Telekommunikationskonzern Verizon und die Nasa haben, so berichtete der Guardian aufgrund von Dokumenten, die die Zeitung nach dem Informationsfreiheitsgesetz erhalten hat, damit begonnen, eine Technik zu entwickeln, die zur Luftverkehrskontrolle für Drohnen dienen könnte.

Als Grundlage soll das Netzwerk der Mobilfunkmasten dienen, um die Kommunikation mit den Drohnen und deren Überwachung in niedriger Höhe zu ermöglichen. Zwar soll es erste Tests der Nasa schon im Sommer 2015 geben, Verizon geht aber davon aus, dass die Technik zur Überwachung, Verfolgung und Navigation von Drohnen frühestens 2019 fertig gestellt sein wird. Die Idee ist, die Betreiber daran zu hindern, die Drohnen beliebig fliegen lassen zu können. Die Idee ist, jede Drohne automatisch von Orten wie Flughäfen oder dem Weißen Haus fernzuhalten (geofencing), sie bei schlechtem Wetter zwangsweise zu landen, sie zu steuern, so dass sie in keine Gebäude oder in eine andere Drohne fliegen und zu entscheiden, welche Drohnen in einem von Drohnen verstopften Luftraum Vorrang haben. Eine Aufgabe, die angesichts des möglicherweise zu erwartenden Drohnenverkehr insbesondere über Städten von Menschen gar nicht geleistet werden könnte. Notwendig wäre ein intelligentes Systeme, das die Drohnen selbständig dirigiert, das aber auch die absolute Kontrolle über den Luftraum besitzen muss, um dies leisten zu können.

Nach den Dokumenten will die Nasa Drohnen mit unterschiedlichen Sensoren wie Radar, Satelliten und eben Mobilfunksignalen erfassen. Dazu müssen die Drohnen aber mit einer aktiven Internetverbindung ausgestattet sein, um Informationen über das Wetter, den Verkehr und Sperrzonen herunterladen und die Drohnen lokalisieren und navigieren zu können. Das könnte man zwar vorschreiben, würde aber nicht verhindern können, dass Betreiber ihre Drohnen auch vor der Erfassung verbergen. Auf die Möglichkeiten, die sich dann bieten, die Drohnen durch Hacken zu manipulieren, wird hier noch gar nicht eingegangen.

Mit einer Internetverbindung könnte man den Drohnen über Mobilfunksignale mitteilen, wo sich andere Drohnen befinden, um einen Unfall zu vermeiden. Die Lokalisierung, die bei Handys auch möglich ist, müsste nur sehr genau sein und für Tausende von Drohnen, massiert auf kleinem Raum über Städten, in Echtzeit geschehen. Überdies müssten Drohnen auch an Bord über eigene Systeme zur Navigation verfügen, wenn die Datenverbindung abbricht oder sie sich zu weit entfernt von einem Mobilfunkmast befinden. Während es für das Projekt für ein Unmanned Traffic Management (UTF) gerade einmal 500.000 US-Dollar an Steuergeldern gibt, fördern es u.a. Amazon und Google, die ein großes Interesse an der Öffnung des Flugraums für Drohnen haben, die autonom oder ferngesteuert, aber außerhalb des Sichtkontakts, fliegen. Die Nasa macht deswegen auch Zugeständnisse: "Das UTF-System könnte für die Auslieferung von Amazon und anderen Betreibern entwickelt und angepasst werden." Wer zahlt, schafft an. Ein solches zentrales Flugüberwachungssystem könnte, sofern alle Drohnen von diesem ferngesteuert werden können, für größere Sicherheit bei Drohnenanbietern und -betreibern sorgen, die gesetzliche Auflagen beachten. Wer die Kontrolle umgehen will und dabei mögliche Strafen riskiert, würde dies aber natürlich auch weiterhin können.

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