Royal Babylon

23.06.2015

Die schrecklich nette Familie Windsor

Das nach wie vor positive Image der Königsfamilie ist nur durch ein gehobenes Maß an Ignoranz und Selbstbetrug der Öffentlichkeit zu erklären, meint der britische Dramatiker und Autor Heathcote Williams.

Die Fragen von Telepolis beantwortet er mit Passagen aus seinem investigative poem "Royal Babylon - The Criminal Record of The British Monarchy", das jetzt auf Deutsch erschienen ist ( Die Windsors - Eine schrecklich nette Familie, Westend-Verlag). Ein notwendiges Antidot für das anschwellende Pomp,-und Popgedröhne anläßlich des Staatsbesuchs.

Die Queen und ihr Gemahl besuchen Deutschland und stehen einmal mehr im Fokus der Aufmerksamkeit. Sie aber sind not amused?

Heathcote Williams: Die Windsors sind ein Schandfleck im kulturellen Erbe Großbritanniens. Die Monarchie ist das Schmierfett der Kriege Großbritanniens, denn sie überzeugt ihre Soldaten, allzeit pflichtbewusst fürs Vaterland zu sterben.


Um schließlich, nach Ehrung der Opfer staatlichen Gemetzels, die Profite der Waffenhändler zu vermehren. Waffenhersteller und ihre Kunden werden auf Schloss Windsor gern zum Tee geladen - Flugschauehrung inklusive - denn Monarchie und Militärgeschäft sind eng verwoben. In Großbritannien ist "Rüstungsindustrie" ein royaler Markenname..

Die Majestäten profitieren die ganze Zeit auch selbst vom Geschäft mit Waffen,
 dank ihrer Kronagenten, die ihre Unternehmensbeteiligungen verwalten und mit Lockheed und BAE Systems ungerührt Anteile
 an Streubomben-, Uranmunition und Landminenproduzenten halten."

Die Briten aber scheinen doch ihre Royals immer noch zu schätzen..

Heathcote Williams: Das Land hält sich trotz, nicht wegen seiner eigenen Vergangenheit, und sein infantiler Wunsch nach gütigen Eltern jenseits aller Politik verleitet es, unliebsame Fakten zu übersehen, so etwa der Monarchin Unterstützung für den hässlichsten politischen Akt von allen, das Töten.

Das Königshaus wird als Symbol für den Patriotismus gesehen, für den Zusammenhalt und die Tradition Großbritanniens

Heathcote Williams: Der Patriotismus der Königlichen selbst hält sich dagegen
 arg in Grenzen,
wie man im Ersten Weltkrieg sah, im Jahr 1915, als der Monarch, während in Flandern Millionen für König und Vaterland der Tod ereilte, selbst lieber zum Rodeln in St. Moritz weilte. Er kehrte heim, um eine Rekordzahl von Sandringham-Fasanen abzuknallen, Teil der blutigen Schneise, die er alljährlich durch den Wildbestand des Gutes schlug. Ebenso beschloss George VI. 1939 zum eigenen Gemach, dass es nicht erquicklich sei,
wenn der Krieg die "Jagdsaison auf Moorhühner in Balmoral" unterbrach. Großbritanniens militärisch-monarchischer Komplex ist eine zynische Industrie...

Die Wände des königlichen Balmore Castle im schottischen Hochland wurden mehr als ein Jahrhundert lang mit den Geweihtrophäen der Hirsche drapiert, die von Mitgliedern der königlichen Familie geschossen wurden. Die heutige Königin Elizabeth erlegte ihren ersten schon in jungen Jahren, angeleitet von ihrem Vater George VI. Dieser hatte einst bei einer viermonatigen Safari in Uganda einen Elefanten mit Stoßzähnen erlegt, von denen jeder 40 Kilo wog, und stolz von seinem Glück berichtet: "So viele Große sind ja nicht mehr übrig."

Heathcote Williams: Später zeigte George seiner ältesten Tochter den Kitzel
 auf Pirsch zu gehen und Hirsche zu erlegen.
 Die künftige Königin schoss ihren ersten 1945 mit sechzehn Jahren, und Gouvernante Crawfie erinnerte lebhaft, wie aufgeregt sie war."Wir sprachen von nichts anderem als der Pirsch, von Geweihen und ihren Enden",
 erzählte sie. " Wir mussten mit ihr jedes aufregende Detail
 des Tages durchgehen, an das sie sich erinnerte. Dann wurde der Kopf des Hirsches abgeschlagen und bekam einen Ehrenplatz auf Balmoral.

Ihr späterer Mann Prinz Philip ist ebenfalls für seine Jagdleidenschaft bekannt.

Heathcote Williams: Bis 1993 hatte der Herzog von Edinburgh, stolzer Besitzer
 von 56 Jagdgewehren, 30 000 Vögel vom Himmel geschossen, zwei Krokodile erlegt, ebenso wie unzählige Wildschweine, mehrere Hundert schottische Hirsche sowie einen Königstiger.1993, beim Fasanenschießen auf Gut Sandringham,
 häufig in Begleitung seiner Gemahlin, 
erlegte der Herzog 10 000 Stück in nur sieben Wochen.

Seine Norfolk-Jagdpartien haben schon 150 000 geschossene Tiere "eingesackt". Sollte der Herzog mal nicht richtig treffen, wird ein verletzter Vogel von einem Jagdhund zur royalen Jagdgesellschaft apportiert, woselbst Ihre Majestät, die Königin, schon seiner Ankunft harrt. Um mit einem passenden Schlagholz das letzte Leben aus dem Tier zu keulen.

Philip und sein Sohn Charles kommen auch gern nach Deutschland zum Schießen.

Heathcote Williams: Prinz Philip geht besonders gern auf Schwarzwildjagd
 in Deutschland auf den Gütern seiner Freunde", so stands 
im Independent.
. Er und Prinz Charles sollen bei einer solchen Gelegenheit
 an einem einzigen Tag fünfzig Wildschweine weggemetzelt haben.

Was die königlichen Nachwuchsschützen betrifft beklagte ihre verstorbene Mutter Diana, dass ihre Söhne "so versessen seien aufs Töten".

Heathcote Williams: "Sie sind nie glücklicher als mit einer Flinte in der Hand", bemerkte ihre Mutter, riet jedoch, sich nicht mit Waffen ablichten zu lassen.


"Ich ermahnte sie", erzählte sie, "denkt dran, dass es immer Leute in Hochhauswohnungen gibt, die nicht wollen, dass ihr Bambis tötet."

Dianas Ablehnung von "Blutsportarten" und ihr Engagement gegen Landminen passte nicht so recht in die Gepflogenheiten der Windsors...

Heathcote Williams: Als königliche Zuchtstute fühlte sie sich betrogen und eingesperrt und bezeichnete sich selbst als Gefangene von Wales.


Angeekelt von einer Ehe ohne Liebe, musste sie sich immer wieder übergeben, weil ihr speiübel war von einem Ehemann, der sie zurückwies. Sie gebar einen Thronfolger, wie verlangt, und schließlich womöglich ein uneheliches Kind, um ihre angeknackste Selbstachtung zu reparieren.

Dann wurde sie abgehört, abermals beleidigt und zurückgewiesen, woraufhin sie aus der Bahn geriet - oder aus ihr gestoßen wurde. Ob ihr Verfolgungswahn begründet war, man weiß es nicht, doch Gerüchte reichen aus,
 um Panik zu schüren, denn wer die Mächtigen erbost, wie sie es tat, ist in Gefahr. So weist Kronanwalt Mike Mansfield darauf hin, wie praktisch Dianas Unfall war,
 endete damit doch auch ihre Opposition gegen den Handel mit Landminen.

Opposition gegen Uranmunition - und die auf 6 Milliarden Dollar geschätzten königlichen Anteile an der Uranindustrie - kam erst gar nicht richtig auf. Dank der Uraninvestoren finden sich nun radioaktive Isotopen
 auf einem Schießplatz des Verteidigungsministeriums in Dumfries im Fleisch von Würmern,
 die durch Uranmunition zu Mutanten geworden sind. Würmer sind ein Pfeiler des Ökosystems durch Belüftung des Bodens und indem sie die Nährstoffaufnahme von Pflanzen befördern, mit denen Prinz Charles 
angeblich gerne redet, auch wenn er nun vielleicht einen Geigerzähler braucht...

Heathcote Williams: Wegen des karzinogenen Gemetzels wird es indes
 keine Entschuldigung des Palastes geben,
 sind doch mit Uran gehärtete Granatköpfe, die Beton durchschlagen, ein Exportschlager der Waffenschmiede Royal Ordnance. Die Uranmunition, an deren Produktion das britische Staatsoberhaupt Anteile hält,
 ist ein "hochmobiler, unterschiedsloser Killer"
 und wird als "permanenter Bodenkontaminant" bezeichnet, mit einer Halbwertszeit von 4,5 Milliarden Jahren. Anders als jede Erbmonarchie, wie "historisch" auch immer, verseucht Uranmunition die Umwelt für immer.


Das alles wird kein Thema beim Staatsbesuch sein, die deutschen Medien zelebrieren die Royals mit Pomp, als Pop, mit reichlich königlichem Schmarren.

Die belämmerten Untertanen der Welt winken und winken den Privilegierten in ihren goldenen Käfigen zu.
"Schau nur, die Königin!", rufen sie atemlos wieder und wieder und sehen die Monstrosität vor ihren Augen nicht. Jene, die im Sternenstaub des Staatsfetischismus baden,
 stellen sicher, dass sich die Show ächzend weiterschleppt
 und eine königliche Hochzeit der Farce frisches Leben einhaucht. Wie ein Besuch in Hollywoods Traumfabrik, wo die Zelluloidmarionetten aus dem Lande Tralala,
 die einem weiteren Imperium Glanz verleihen,
 vor königlichen Berühmtheiten um die Wette kriechen und vergessen dass die Vereinigten Staaten von der Krone unabhängig sind.

Heathcote Williams: Doch nun fällt den beiden jüngsten Erben von Ritus, Reichtum und Status
 bald ein Sechstel der Landmasse der Erde zu, ihnen gehört Kanada, Australien und der Rest. Und im Tausch bekommt die Welt ein steifes Lächeln. Die Königin ist die größte Grundeigentümerin der Welt,
 mit fast 27 000 000 Quadratkilometern weltweit.
 Ihre mordlustigen Erben werden ihre Besitzungen mehren wollen. Doch ist es höchste Zeit, dass sie jeden Quadratmeter zurückerstatten.

Heathcote Williams: "Die Windsors - Eine schrecklich nette Familie", zweisprachige Ausgabe, Westend-Verlag, 174 Seiten, 14,99 Euro

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