"Die Grünen waren nützliche Idioten ihrer Parteipäderasten"

24.06.2015

Christian Füller über sexuellen Missbrauch bei den Wandervögeln, 68ern und Grünen. Teil 1

In seinem Buch Die Revolution missbraucht ihre Kinder versucht der Journalist Christian Füller, den geistigen Wurzeln des sexuellen Missbrauchs in den deutschen Protestbewegungen auf die Spur zu kommen. Er entdeckt dabei seit den Wandervögeln die Form des "politischen Eros", der sexuelle Gewalt als Wohltat für die betroffenen Kinder interpretiert. Nach den 68er-Wirren wurde seinen Recherchen nach der sexuelle Missbrauch von Kindern für kurze Zeit sogar zu einer offensiven politischen Forderung.

Herr Füller, haben die 68er Gesellschaft und Politik verändert, um Kinder missbrauchen zu können?

Christian Füller: Nein. Ich würde nicht behaupten wollen, dass die 68er zum Zweck des Kindesmissbrauchs ihren großen Aufbruch starteten. Aber sie haben dem Treiben sorglos zugeschaut, ohne zu begreifen, was da alles an gefährlichen Grenzverletzungen passiert.

Wie ist das möglich? Sexueller Kindesmissbrauch ist doch ein geächtetes Verbrechen.

Christian Füller: Wenn eine soziale Bewegung in die Euphorie des Schranken-Einreißens gerät, dann ist die Rolle des Grenzsoldaten keine besonders attraktive. Sondern eine doofe Spießernummer. Damals zu sagen, "Sex mit Kindern" ist gar kein Sex, sondern ein Verbrechen - das haben sich nicht viele getraut.

"Bild vom Kind als Leitmotiv"

Sie stellen die deutsche Wandervogelbewegung von 1900, die 68er und aktuelle Phänomene im Netz auf eine Stufe. Ist das überhaupt vergleichbar?

Christian Füller: Ich glaube schon, zunächst weil es alles Protestbewegungen sind. Das besondere an ihnen ist in meinen Augen aber, dass sie jeweils ein Bild vom Kind als Leitmotiv benutzen: In der Jugendbewegung war es der Gymnasiast, der als Wandervogel zu einer neuen Gesellschaft aufbrechen sollte. Die 68er bezogen sich ebenfalls auf die Kinder, jetzt sollten sie sexuell befreit werden, um die faschistische Gesellschaft zu überwinden. Denken sie nur an das berühmte Razziafoto der Kommune 1: Alle stehen nackt an der Wand und lassen sich festnehmen, einzig das nackte Kind zwinkert dem Betrachter zu: Ich bin der Neue, wir machen das jetzt anders!

In der digitalen Gesellschaft schließlich ist der Jugendliche das Symbol eines neuen Selbstbewusstseins - millionenfach verbreitet in sexy Selfies. Sie sind das Emblem der Netzgesellschaft, ähnlich wie Fidus' Lichtgebet zu Zeiten der Lebensreform.

Christian Füller. Foto: © Reiner Zensen

Was hat das alles mit sexueller Gewalt an Kindern zu tun?

Christian Füller: Das Entscheidende ist, dass es das alles körperpolitische Bewegungen sind, die als Referenzpunkt einer neuen Gesellschaft das nackte Kind haben. Daraus entwickeln sich dann ein - wie ich es nenne - politischer Eros. Hans Blüher hat mit seinem Buch "Die deutsche Wandervogelbewegung als erotisches Phänomen" den Grundstein dafür gelegt. Er beschreibt aus eigenem Erleben, dass das verbindende Element der Jugendbewegung zu Beginn des 20. Jahrhunderts die erotische Beziehung zwischen einem invertierten Gruppenführer und seinem Wanderknaben ist.

Hört sich nicht sehr gewalttätig an.

Christian Füller: Das ist die Tarnung. Dekodieren sie aber mal den "Invertierten" als pädosexuellen Gruppenführer und übersetzen sie Blühers Eros als etwas Sexuelles, dann sind sie schnell beim Missbrauch - sublimiert als "politischer Eros". Das Kind als erster Bürger einer neuen Gesellschaft, sexuell formatiert durch seinen Meister. Hans Blüher hat daraus das Phantasma einer mann-männlichen Idealgesellschaft formuliert, in der Sex mit Frauen nur noch zur physischen Reproduktion gut ist ...

… und die Männer?

Christian Füller: … die Männer zeugen mit den schönsten Knaben und ihrem besonderen Eros etwas Höherstehendes, Bedeutendes - einen neuen Staat. Heute empfinden wir das Konzept einer solchen päderastischen Republik zurecht als unglaublichen Quatsch. Damals aber gab es Beifall unter anderen von Thomas Mann und dem preußischen Kultusminister Carl Heinrich Becker, der Blüher bat, seine Staatstheorie noch ein wenig feiner auszuarbeiten. Wenn man das ganze Wortgeklingel weglässt, erkennen wir, was sich dahinter versteckt: Sexueller Missbrauch als Ideologie.

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