Sport ist Mord

30.06.2015

Eine übermotivierte Journalistin will die Bundesjugendspiele abschaffen, weil ihr kleiner Sohn durch sie gedemütigt worden ist

Fettleibigkeit ist ein Riesenproblem. Weltweit, aber auch in Deutschland. Über die Hälfte seiner Bewohner ist zu dick. Abnehmen ist aber bekanntlich schwer. Tipps und Ratschläge, wie das zu ändern ist, gibt es zuhauf. Ganze Industriezweige leben davon, Hersteller und Verleger. Und Fernsehsender und Formate wie The Biggest Loser haben ihren Spaß damit. Diäten, die das Abspecken unterstützen, helfen in aller Regel nicht. Dank des so genannten Jojo-Effekts hat man die mühsam verlorenen Pfunde schnell wieder drauf.

Fettleibigkeit, im Fachjargon Adipositas genannt, beginnt häufig schon im Kindes- und Schulalter. Untersuchungen zufolge leidet bereits jedes fünfte Kind daran. Fachleute sprechen längst von einer Epidemie. An den Genen kann es sicherlich nicht liegen, dass die Menschen in die Breite wachsen. Die sind immer noch die selben wie vor tausenden von Jahren.

Ursachen alle bekannt

Schuld an stetig wachsenden Speckröllchen und Pausbäckchen ist zumeist eine falsche Ernährung. Zu viel Zucker, Weißmehl und tierisches Eiweiß in der Nahrung, sowie ein Übermaß an falschen Fetten machen die Kids nicht nur dick und bewegungsfaul, sondern obendrein auch noch krank. Diabetes vom Typ 2 und Fettleber, Herz-, Kreislaufkrankheiten und Bluthochdruck, Wirbelsäulenprobleme und Rückenschmerzen, hormonelle Störungen und Fehlstellungen der Gelenke sind oft die Folgen.

Verantwortlich für die vielen Schwimmringe, klobigen Oberschenkel und dicken Hälse ist aber auch die fehlende Bewegung. Immer mehr Kinder verbringen ihre Zeit vor Bildschirmen, sie sehen entweder stundenlang fern, hocken vor dem PC bzw. Tablet oder zocken und chatten am oder mit dem Handy. Dazu konsumieren viele regelrechte Kalorienbomben.

Aufklärung - nein danke

Aufklärungskampagnen, wie das zu ändern ist, wie man sich gesund und richtig ernähren kann und wie wichtig regelmäßige Bewegung für den Körper und seinen seelischen Haushalt ist, gibt es zuhauf - in den Schulen genauso wie in den Massenmedien oder von der Politik initiiert.

Den gewünschten Erfolg haben alle diese wohl meinenden Aktionen trotz etlicher Millionen, die diverse Regierungen, Krankenkassen und Gesundheitsbehörden dafür verpulvert haben, allerdings nicht gebracht. Im Gegenteil: Die Tendenz ist weiter steigend - vor allem in den OECD-Ländern. Hält dieser Trend an, wird in 40 Jahren, so eine Prognose, jeder zweite Erwachsene unter Fettleibigkeit leiden.

Heilig's Blechle

Auch oder gerade ob dieser düsteren Blicke auf die allgemeine "Volksgesundheit" mutet jene Meldung, wonach eine Journalistin, die unter der treffenden Überschrift Mama arbeitet. alleinerziehend & berufstätig einen Blog unterhält, vor Kurzem eine Petition zur Abschaffung der Bundesjugendspiele an deutschen Schulen gestartet hat, wie ein Treppenwitz der Geschichte an.

Mich hat die Nachricht, die zunächst von einem findigen, nach Klicks und Aufmerksamkeit heischenden SPON-Redakteur verbreitet worden ist und sich danach memartig in anderen Medien verbreitet hat, irgendwie an Franz Beckenbauers frohe Werbebotschaft für e-plus: Ja, ist denn heut' schon Weihnachten erinnert.

Befinden wir uns trotz "Grexit", "Euro-Krise" und "Putin", trotz "NSA-Skandal", "Flüchtlingsdrama" und "IS-Terror", schon im "Sommerloch" des hiesigen Medienjournalismus, in jenen Wochen und Monaten des Jahres also, wo bekanntlich Nessie sein Unwesen treibt und Krokodile in Badeweihern gesichtet und tagelang gejagt werden?

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