Open-Access-Artikel werden in Wikipedia häufiger zitiert

21.07.2015

Open Access verbessert den Austausch zwischen Wissenschaft, Wirtschaft und Gesellschaft

Neben der Beschleunigung der wissenschaftlichen Kommunikation durch ubiquitäre entgeltfreie Verfügbarkeit wissenschaftlicher Texte war eines der Versprechen des Open Access eine Art Demokratisierung: Je mehr Texte entgeltfrei nutzbar sein würden, desto geringer würde der Informationsvorteil der Wissenschaftler an finanziell privilegierten Standorten.

Mehr noch: Man versprach sich von Open Access eine Förderung der gesellschaftlichen Partizipation an Wissenschaft, ganz im Sinne der Citizen Science, da nun jeder Laie wissenschaftliche Informationen nutzen können sollte – sofern er sie zu interpretieren in der Lage wäre. Und auch volkswirtschaftlich scheint Open Access gegenüber Closed Access, bei dem Nutzungsentgelte für die Rezeption wissenschaftlicher Literatur anfallen, Vorteile aufzuweisen: Einer Studie von Houghton, Dugall, Bernius, Krönung & König aus dem Jahr 2012 zufolge könnte Open Access der deutschen Volkswirtschaft jährlich zwischen 13 und 383 Millionen Euro an Ersparnissen einbringen, je nach Ausmaß der Open-Access-Verbreitung und verfolgter Strategie. Diese Effekte sind vor allem durch die erleichterte Verwertung wissenschaftlicher Erkenntnisse, die Open Access erscheinen, in Privatwirtschaft und öffentlicher Verwaltung zu erwarten.

Eine kürzlich erschienene Studie von Teplitskiy, Lu & Duede kommt ebenfalls zu dem Schluss, Open Access sei für wissenschaftliche Werke eine effizientere Disseminationsstrategie als Closed Access, da er nicht nur Wissenschaftler, sondern eine breite Öffentlichkeit erreiche. Die Autoren untersuchten dazu, wie häufig Artikel einzelner wissenschaftlicher Journale in Wikipedia referenziert werden. Es zeigte sich, dass Open-Access-Journale mit einer Wahrscheinlichkeit von 47% eher als Closed-Access-Journale in der Wikipedia zitiert werden.

Die Autoren ermittelten diese Werte unter Kontrolle der wissenschaftlichen Disziplin, der ein Journal zugeordnet ist, und des SCImago Journal Rank SJR, einer Metrik, die, vergleichbar dem Journal Impact Factor, auf Zitationsraten basiert und zur Bewertung wissenschaftlicher Zeitschriften taugen soll. Durch diese Methodik ist weitgehend ausgeschlossen, dass alleine die freie Verfügbarkeit der Information den Zitationsvorteil hervorruft, sondern dass vielmehr bei vergleichbarem SJR-Wert eher ein Open-Access-Journal als ein Closed-Access-Journal referenziert wird.

Zahlreiche Forschungsförderer, darunter die EU postulieren in ihren Förderstatements gerade den Bedarf nach effizientem Informationsaustausch in die nicht-wissenschaftliche Öffentlichkeit, so formuliert die EU bezugnehmend auf ihr Förderprogramm Horizon 2020: "The goal is to ensure Europe produces world-class science, removes barriers to innovation and makes it easier for the public and private sectors to work together in delivering innovation." Folgerichtig müssen Förderempfänger im Programm Horzion 2020 projektbezogene Publikationen Open Access verfügbar machen.

Forschungsergebnisse wie die von Teplitskiy, Lu & Duede liefern der Wissenschaftsbürokratie gute Argumente, um Open Access als Publikationsmodell weiter zu forcieren, was auch bedeutet, dass der seit Jahren anhaltende Zuwachs an Open Access am Gesamtvolumen wissenschaftlicher Literatur mittelfristig kaum eine Momentaufnahme sein wird.

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