Bohemian Grove

28.07.2015

Das amerikanische Bilderbergertreffen

Jedes Jahr in der zweiten Julihälfte treffen sich Angehörige der US-Elite im Bohemian Grove im nordkalifornischen Bezirk Monte Rio, wo sie plauschen, trinken und zusehen, wie ein Musical aufgeführt wird und wie in einer neun (oder nach anderen Angaben 12) Meter hohen Eulenskulptur symbolisch Sorgen verbrannt werden. Der seit 1878 bestehende Bohemian Club, der das veranstaltet, gibt sich sehr exklusiv und nimmt ausschließlich Mitglieder auf, die von mehreren anderen Mitgliedern vorgeschlagen wurden.

In der Vergangenheit waren zahlreiche wichtige republikanische Politiker darunter - zum Beispiel die Präsidenten Teddy Roosevelt, Calvin Coolidge, Herbert Hoover, Dwight D. Eisenhower, Gerald Ford, Ronald Reagan, George Bush senior und George Bush junior sowie die Drahtzieher Henry Kissinger, Dick Cheney und Karl Rove. Das brachte dem Bohemian Grove den Ruf eines amerikanischen Bilderbergertreffens ein - eines großen Freiluft-Hinterzimmers, in dem geheim über das Schicksal der Welt verhandelt wird.

Zu den glaubhafteren Berichten über solche Verhandlungen gehört, dass der Physiker Ernest Lawrence im Bohemian Club den Banker William Crocker zur Anschubfinanzierung der Atombombenforschung überredet haben soll und dass Ronald Reagan und Richard Nixon hier aushandelten, dass bei der Präsidentschaftswahl 1968 nicht der Gouverneur von Kalifornien, sondern der ehemalige Vizepräsident antritt. Zu deutlich wilderen Mutmaßungen trug auch die Symbolik des Clubs bei: Ein Schutzheiliger Sankt Nepomuk, der der Legende nach lieber starb, als die Beichtgeheimnisse der böhmischen Königin preiszugeben.

Die Eulenstatue, von Moos überwachsen. Foto: Aarkwilde. Lizenz: CC BY-SA 3.0

Der Freiluftclub ist (beziehungsweise war) jedoch nicht so abgeschottet, dass sich nicht immer wieder Journalisten einschleichen hätten können: Während Philip Weiss 1989 für das Spy Magazine noch zum Ergebnis kam, die bemerkenswertesten Merkmale der Festivität wären das (vom ehemaligen Teilnehmer Helmut Schmidt bestrittene) Wildbieseln und das eigentlich aus Brandschutzgründen streng verbotene Zigarrenrauchen im Wald, raunte der Verschwörungstheoretiker Alex Jones elf Jahre später für die mit versteckter Kamera gefilmte Dokumentation Dark Secrets - Inside Bohemian Grovevon Luzifer und dem phönizischen Gott Moloch, den die Eulenstatue seiner Meinung nach tatsächlich abbilden soll.

Inwieweit sich der Club der kalifornischen Wildbiesler und Zigarrenraucher in einer Zeit, in der Angela Merkel, Ursula von der Leyen, Christine Lagarde und Carly Fiorina die Geschicke der Welt und der republikanischen Partei maßgeblich mitlenken, heute noch für Hinterzimmergespräche eignet, ist fraglich. Vielleicht auch deshalb geriet das Treffen in den letzten Jahren ein wenig in Vergessenheit - bis Nic Pizzolatto die zweite Staffel seiner Serie True Detective in Kalifornien spielen ließ und mögliche Bezüge zum Bohemian Grove unterbrachte, die nach Meinung einiger Fans eine Verbindung zwischen dem kinderschändenden Elitengeheimbund aus der ersten Staffel herstellen.

Joanna Robinson leitet das für Vanity Fair unter anderem aus der Tiersymbolik und der Bedeutung der (ganz in der Nähe des Bohemian Grove gelegenen) Kleinstadt Guerneville ab, die (nach jetzigem Ausstrahlungsstand) mit ihrer esoterischen Kommune, den Telefonstandortdaten des vermissten Mädchens und den dortigen Beschäftigungsmöglichkeiten für solche Mädchen ein Zentrum des Geschehens sein könnte.

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