Kometeneinschlag im Labor

26.08.2015

Neue japanische Studie zeigt, wie nach dem Aufprall eines Kometen auf einen Planeten Moleküle erzeugt werden, die für die Ausbildung von Leben wichtig sind

Um herauszufinden, welche Auswirkungen ein urzeitlicher Kometeneinschlag auf die Entstehung von Leben auf der Erde oder anderen Planeten gehabt haben könnte, simulierten zwei japanische Geochemiker in einer Versuchsreihe unter Laborbedingungen einen Kometeneinschlag en miniature. Bei dem Experiment kristallisierte sich heraus, dass Impakt-Ereignisse Katalysatoren für biochemische Reaktionen sein können. Im Zuge dieses Prozesses können aus einfachen Aminosäuren höhere, komplexere Proteine entstehen, die für die Ausbildung von biologischem Leben elementar sind.

NASA/Don Davis

Steine schmelzen glasartig auf und werden hochgeschleudert. Gigantische Feuerstürme ziehen über die Erde. Milliarden Tonnen Gesteinstrümmer, Asche, Ruß und Gase steigen in einer riesigen Rauchsäule bis in die obersten Schichten der Stratosphäre. Große Staub- und giftige Schwefelwolken ummanteln den Globus und bilden einen Wolkenteppich, der Sonnenstrahlen, Licht und Wärme abschirmt. Eisige Kälte hält Einzug. Viele Pflanzen und Tiere sterben sofort, ein Großteil erst im Verlaufe der nächsten Zehntausend Jahre, wenige überleben.

Todbringender urzeitlicher Komet

So in etwa könnte das Szenarium vor 65 Millionen Jahren auf unserem Planeten ausgesehen haben, nachdem sich ein 10 bis 14 Kilometer großer Asteroid mit einer Aufprallgeschwindigkeit von 15 Kilometer pro Sekunde in den Erdboden gebohrt hatte. Alles deutet darauf hin, dass der Chicxulub-Krater in Yucatán/Mexiko jene Stelle ist, auf der einst der todbringende kosmische Brocken niederging und mit der fünfmilliardenfachen Kraft der Hiroshima-Atombombe einen 180 Kilometer langen und 10 Kilometer tiefen Krater sprengte. Der Aufprall zog gewaltige Erdbeben, massive vulkanische Aktivität und das Umkippen des gesamten Ökosystems nach sich.

Das Impakt-Ereignis vor 65 Millionen Jahren markierte den Anfang vom Ende der Dinosaurier … Bild: NASA

Drei Viertel der damals lebenden urzeitlichen Flora und Fauna verendete - unter ihnen die vielleicht spektakulärsten Kreaturen, die unseren Planeten jemals bewohnt haben: die Dinosaurier. Retrospektiv gesehen konnte die Evolution nur deshalb einen so radikal neuen Weg einschlagen, weil die Reptilien-Ära durch ein Impakt-Ereignis (Impakt=Einschlag) so abrupt endete. Dabei kam es zu einer Massenextinktion, wie Geologen und Paläontologen ein lokal großflächiges oder globales Massensterben von Flora und Fauna nennen.

Die fossile Überlieferung dokumentiert, dass die Erde mit Meteoriten oder Kometen in ihrer Ur- und Frühgeschichte weitaus häufiger Bekanntschaft gemacht hat als heute. So wurde unser Planet während der letzten 500 Millionen Jahre mindestens von fünf großen geologischen und biologischen Katastrophen eklatanten Ausmaßes heimgesucht, bei denen jeweils (durchschnittlich) mehr als die Hälfte aller vorhandenen Arten zugrunde ging. Und dennoch kam es in der Evolution des Lebens stets zu der paradoxen Situation, dass die Natur langfristig gesehen aus solchen Desastern Kapital schlagen konnte und eine nächsthöhere, komplexere Ebene erreichte.

Bizarrer eisiger Klumpen im All. Aufnahme des Kometen 67P/Churyumov-Gerasimenko aus nur 100 Kilometer Entfernung. Der Orbiter der ESA-Mission Rosetta machte diesen Schnappschuss im April 2015. Auf dem Kometen gelang den Forschern der Nachweis von langkettigen Kohlenwasserstoffverbindungen. Bild: ESA
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