Feuerwehrleute hui, Journalisten und Manager pfui

07.09.2015

Welche Berufsgruppen an Ansehen gewannen - und welche verloren

Das Forsa-Institut befragt im Auftrag des Deutschen Beamtenbundes (DBB) seit 2007 regelmäßig repräsentativ ausgewählte Bürger nach dem Ansehen, das verschiedene Berufsgruppen bei ihnen genießen. In der nun veröffentlichten neunten Umfrage sind Feuerwehrleute, die bei 95 Prozent der Bevölkerung ein hohes oder sehr hohes Ansehen genießen, unverändert die Spitzenreiter der Beliebtheitsparade - vor den Ärzten und den Kranken- und Altenpflegern.

Der DBB konzentriert sich in der Präsentation der Studie vor allem auf das Image des öffentlichen Diensts, das sich in den letzten acht Jahren nicht nur bei Feuerwehrleuten (die in diesem Zeitraum um insgesamt fünf Punkte zulegten), sondern auch bei Abfallentsorgern (plus 14), Beamten (plus zehn), Lehrern (plus acht), Polizisten (plus sechs), Steuerbeamten (plus sechs), Pflegern (plus fünf) und Richtern (plus zwei) verbesserte.

Am stärksten gesunken ist seit 2007 das Ansehen von Managern, die von 29 Prozent der Befragten hoch oder sehr hoch geschätzt werden. Hinter ihnen liegen nur noch Gewerkschaftsfunktionäre (26 Prozent), Politiker (24 Prozent), Mitarbeiter einer Telefongesellschaft (19 Prozent), Mitarbeiter einer Werbeagentur (15 Prozent) und Versicherungsvertreter (12 Prozent).

Deren Branche unternahm in den 1990er und 2000er-Jahren viel, um ihren Wert für Aktionäre zu steigern. Leidtragende waren häufig Versicherte, die - zum Beispiel bei privaten Krankenversicherungen - feststellen mussten, dass in ihnen geweckte Erwartungen hinsichtlich Leistungen und Beitragsstabilität nicht der Praxis ihrer Vertragspartner entsprachen. Ob die Werbespots aus den goldenen 1980er Jahren, die der weltgrößte Versicherungskonzern Allianz seit Juni erneut ausstrahlen lässt, helfen, das Image wieder zu verbessern (oder ob der zwischen 2014 und 2015 dazugewonnene Pluspunkt ein Ausreißer ist) wird die Zukunft zeigen.

Sieht man sich nur den Imageverlust im letzten Jahr an, dann fällt vor allem auf, dass Lokführer 12 Punkte von 69 auf 57 Prozent und Piloten fünf Punkte von 78 auf 73 Prozent verloren. Sie konnten der Bevölkerung ihre Streiks offenbar schlechter verkaufen als Kindergärtnerinnen (plus zwei) und Briefträger (unverändert). Trotzdem liegen sowohl Piloten als auch Lokführer immer noch vor Anwälten (die bei 57 Prozent der Befragten ein hohes oder sehr hohes Ansehen genießen), Studienräten (53 Prozent) und Journalisten (47 Prozent).

Deren Ansehensverlust um zwei Punkte deutet darauf hin, dass eine Wahrnehmung als "Lügenpresse" nicht einfach verschwindet, wenn sie von Medien tabuisiert wird. Seit Bürger durch das Internet nicht nur Zugang zu Auslandsmedien, sondern auch zu Direktquellen wie privaten Handyvideos haben, können sie sehr viel einfacher feststellen, über was nicht und über was verzerrt berichtet wird. Deutsche Medien reagieren darauf bislang eher trotzig: mit Beiträgen und Texten, die immer häufiger Landpfarrerpredigten vergangener Jahrhunderte gleichen. Besonders auffällig ist diese Volkspädagogik im öffentlich-rechtlichen Fernsehen, dessen Zwangsgebührenfinanzierung (der seit 2013 kein Bürger mehr entkommt), möglicherweise maßgeblich zur Unbeliebtheit des Berufsstandes Journalist beiträgt.

Neben dem Ansehen der Berufsgruppen interessierte die Meinungsforscher in der aktuellen BBB-Umfrage auch die Nutzung und Akzeptanz von eE-Government-Dienstleistungen. 56 Prozent der Befragten wünschen sich mehr davon. Das sieht auch der DBB-Vorsitzende Klaus Dauderstädt so: In Deutschland gibt es seiner Ansicht nach "noch jede Menge Entwicklungspotential" in diesem Bereich - "auch im Vergleich zu anderen europäischen Ländern".

"Eine erweiterte Angebotspalette staatlicher Online-Dienstleistungen", so der Funktionär wörtlich, "entlastet Mitarbeiter und Bürger, verkürzt Wartezeiten, setzt Ressourcen frei und kann so zu einer noch weitergehenden Imageverbesserung des öffentlichen Dienstes beitragen."

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Hg. Florian Rötzer
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