Künstliche Intelligenz gibt Angestellten Anweisungen

11.09.2015

Der japanische Konzern Hitachi will mit einem permanent die Arbeitsabläufe überwachenden System diese fortlaufend optimieren

In Japan schätzt man Roboter. Ihre Entwicklung wurde auch aus dem Grund in dem schnell alternden Land gefördert, um Immigration möglichst gering zu halten. In Japan sind nur etwa 2 Prozent der Bevölkerung Ausländer, jährlich werden nicht mehr als 50.000 Einwanderer aufgenommen. 2013 hatte die Regierung beschlossen, jährlich 20 Millionen US-Dollar in die Entwicklung von Robotern zu stecken, um den wachsenden Anteil der Altern zu versorgen, darunter Toilettenroboter, Roboter zur Bewegungshilfe oder zur Lokalisierung von Dementen. Nach einer Umfrage würden sich alte Japaner eher von Robotern als von einer ausländischen Pflegekraft betreuen lassen.

Aber es mag das eine sein, Roboterhunde zu haben, Roboter Gäste begrüßen oder mit ihnen kommunizieren zu lassen, von Robotern betreut zu werden oder neben diesen zu arbeiten, so lange das Herr-Knecht-Verhältnis zugunsten des Menschen ausfällt - oder diesem zumindest so erscheint. Aber das könnte sich auch bald verändern.

Hitachi hat nach eigenen Angaben damit begonnen, ein KI-System zu entwickeln, das menschlichen Mitarbeitern Arbeitsaufgaben zuweist und damit also zum Chef wird. Der Grund ist natürlich, die Abläufe zu optimieren und die Produktivität zu vergrößern. Seit vielen Jahren wird von Hitachi die so genannte Kaizen-Methode angewendet, um durch permanente Beobachtung und genaue Analyse Änderungen einzuführen, um Arbeitsabläufe zu perfektionieren und zu beschleunigen, also die Taylorisierung der Arbeit kontinuierlich zu optimieren.

Die KI-Systeme, die Veränderungen der Nachfrage verstehen sollen, verfolgen die Abläufe vor Ort im Kaizen-Sinn. So werden die Arbeitsvorgänge der Angestellten im Detail permanent beobachtet und mit neuen Ansätzen verglichen, um festzustellen, wie sich ein Arbeitsvorgang effizienter gestalten lässt. Mit der Analyse der großen Datenmengen, die täglich anfallen, und ihrer Verifikation in logistischen Aufgabenstellungen, also durch die Ausgabe von Befehlen, soll nach Angaben des Konzerns die Produktivität um 8 Prozent gesteigert werden.

Human-in-the-loop erhält neue Bedeutung

Man gibt der Hoffnung Ausdruck, mit dieser "Kooperation" zwischen Menschen und KI die Abläufe in vielen Bereichen verbessern zu können. Bislang hätten Geschäftssysteme auf der Grundlage vorprogrammierter Anweisungen operiert. Für jede Veränderung habe das System updaten und Programme neu schreiben müssen, weswegen man nicht schnell auf Veränderungen reagieren konnte. Mit der Integration von lernfähiger KI in die Geschäftssysteme, wie dies Hitachi gelungen sei, können neben der Kaizen-Überwachung und -Optimierung der Arbeitsabläufe auch die Ideen der Angestellten zur Arbeitsverbesserung in unmittelbarer Reaktion auf veränderte Arbeitsbedingungen oder Nachfrageschwankungen umgesetzt werden.

Auch wenn die KI-Systeme so den Angestellten über die Big Data Analyse Anweisungen geben, könnten diese auch neue Ansätze einbringen, natürlich nur, wenn dies die Abläufe optimiert. Die KI analysiert die Folgen neuer Ansätze, wählt aufgrund bekannter Daten über Arbeitsabläufe, Arbeitsvolumen und Wetterbedingungen aus, welche besser funktionieren und gibt darauf neue Anweisungen. Das kann zwar noch von Human-in-the-loop sprechen, aber letztlich entscheidet die KI, wie gearbeitet wird. Schön heißt es von Hitachi, dass es dadurch möglich sei, "eine Umgebung zu schaffen, in der Menschen und Künstliche Intelligenz wechselseitig kooperieren, um kontinuierlich die Effizienz zu verbessern.

In einem Test mit einem Managementsystem, das mit dem KI-Programm aufgerüstet worden war, wurde das Einsammeln der Waren in einem Verteilzentrum gemessen. Im Vergleich zur Leistung ohne die KI hätten die durch die KI gesteuerten Abläufe die notwendige Arbeitszeit um 8 Prozent verringert. Hitachi will nun die KI nicht nur in der Logistik, sondern auch im Finanzwesen, beim Transport, bei der Herstellung, im Gesundheitsbereich oder in Behörden, schlicht überall anwenden. Ziel sei es, dazu beizutragen, dass Abläufe flexibel und effizient auf gesellschaftliche Veränderungen reagieren können. Vom Menschen und seinen Bedürfnissen ist bei dieser Optimierungsobsession zur Senkung der Arbeitskosten nichts zu hören. Letztlich werden ja nicht nur die Menschen zu Befehlsempfängern einer Maschine, während sie zuvor ihre Befehle von einem Vorgesetzten erhielten, der auch ihre Arbeitsproduktivität überwachte, sondern sie sollen, sobald Roboter die Arbeiten auch mit einer gewissen Flexibilität und Anpassungsfähigkeit ausführen können, ganz aus der Arbeitswelt verschwinden.

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