Der wirkliche dritte Weltkrieg

17.11.2015

Franz Alt hält den IS nur für ein "Symptom"

Nach den Terroranschlägen in Paris sagte der Papst: "Der dritte Weltkrieg hat begonnen." Von Krieg sprechen jetzt sehr viele: Frankreichs Präsident Hollande, sein Premierminister Valls, der deutsche Bundespräsident und fast alle Medien.

Genau so reagierte George W. Bush nach dem 11. September 2001 und handelte entsprechend. Was ist die Folge dieses "Kriegs gegen den Terror"? Immer noch mehr Terror und der "Islamische Staat" mit seinem Superterror.

Was ist mit dem Frieden?

Wer den Zweiten Weltkrieg noch erlebt hat, der weiß, dass wir jetzt nicht im Krieg leben. Es ist kein Krieg - es war ein Terroranschlag. Für eine Mörderbande gibt es im Rechtsstaat Polizei, Gerichte, Geheimdienste und Gefängnisse. Wir sollten den Terroristen nicht den Gefallen tun und sie zur Kriegspartei erhöhen. Es ist eher anzunehmen, dass die Terroristen mit den Anschlägen in Paris von ihrer derzeitigen Schwäche im Irak und in Syrien ablenken wollten. Die kleinen Schritte der internationalen Gemeinschaft hin zu einer Lösung in Syrien machen den IS nervös und stellen ihn bloß. Jetzt von Krieg zu sprechen wertet den IS nur auf.

Den wirklichen dritten Weltkrieg führen wir an einer ganz anderen Front - das ist der Klimawandel

Die Bundeskanzlerin und der UN-Generalsekretär nennen die Klima- und Energiekrise "die Überlebensfrage der Menschheit." Hier geht es um unser aller Lebensgrundlagen - um sich ausbreitende Wüsten, den Anstieg des Meeresspiegels, um Klimaflüchtlinge und Hungersnöte.

Zwei Tage nach den Anschlägen in Paris erklärte die UNO, dass allein im November und Dezember 2015 in der Sahelzone 700.000 Kinder verhungern werden. Unglaublich.

  • Aber wo sind die Schlagzeilen?
  • Wo sind die Sonderkonferenzen?
  • Wo ist der Krieg gegen den Hungertod?
  • Und für die Rettung der Kinder in Afrika?

Der IS ist nur ein Symptom. Die eigentlichen Ursachen des Terrorismus liegen tiefer - genau wie die Ursachen der Flüchtlingskrise. Und diese Ursachen hängen zusammen: Armut, Staatsversagen, Klimawandel und Klimaflüchtlinge. Auch der Westen ist mit schuld am Chaos im Nahen Osten.

Weil die Ökonomie der öffentlichen Aufmerksamkeit aber immer nur für einen Krieg reicht, reden jetzt viele vom "Krieg gegen den Terror" und vergessen den Krieg, den wir gegen die Natur führen und damit gegen uns selbst, weil wir ein Teil der Natur sind.

Zwischen den aktuellen Krisen gibt es aber einen tiefen Zusammenhang. Der Pariser Klimagipfel in 14 Tagen wird zeigen, ob wir die eigentlichen Ursachen der aktuellen Krisen und ihre Verbindungen untereinander verstanden haben. Wir sollten nicht länger Ursachen und Wirkungen verwechseln oder verdrängen. Sonst finden wir nie eine Lösung.

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