Fake Science

26.11.2015

Hijacked Journals, Fake Journals, Predatory Publishing, Fake Conferences, Fake Peer Review, Fake Articles, Fake Citations

Science berichtet von gekaperten Journalwebsites. Diese sind jedoch leider nur eines von vielen Phänomenen eines wahren Fake-Ensembels in der Wissenschaftskommunikation.

Der Journalist John Bohannon schildert in Science, wie leicht es ist, sich die Domain eines Wissenschaftsjournales anzueignen und damit zu tun, was immer man mag, z.B. von der Journaldomain zu Rick Astleys "Never Gonna Give You Up" weiterzuleiten.

Das in der elitären Zitationsdatenbank Web of Science geführte Journal Život Umjetnosti (Journal of Contemporary Art) wird seit 50 Jahren vom Institute of Art History in Zagreb publiziert. Dort verpasste man es leider, sich die vormals zum Journal gehörende und im Web of Science ausgewiesene Domain hart.hr weiterhin zu sichern, so dass Bohannon sich diese aneignen konnte und darunter nach Belieben Inhalte publizieren kann - die vormalige Domain des Journal of Contemporary Art schmückt aktuell ein XKCD-Comic.

Bild: Nayu Kim/CC-BY-2.0

Insgesamt fand Bohannon 24 im Web of Science indexierte Journale, deren offizielle Homepages in Wirklichkeit nicht mehr vom Journal geführt waren. In zwei Fällen, bei Ludus Vitalis (Hijacked Domain, echte Journaldomain) und GMP Review (Hijacked Domain, echte Journaldomain) erfolgte die Übernahme in betrügerischer Absicht, da die neuen Inhaber der Domain den Eindruck erwecken, das echte Journal zu repräsentieren und zudem Autoren zum Einreichen von Artikelvorschlägen zu animieren, für deren versprochene, jedoch nie erfolgende Publikation Zahlungen anfallen. Solche feindliche Übernahmen sind keine Seltenheit, wie der iranische Journalist Mehrdad Jalalian auf seiner Website zu Hijacked Journals dokumentiert.

Diese Schliche ist also nicht neu: Neben harmlosen, für Wissenschaftler jedoch ärgerlichen Streichen wie Bohannons Comic- respektive Musik-Posting, oder der eher plumpen Platzierung von Werbung auf guten besuchten Journaldomains dient das Journal Hijacking auch zu handfester Gaunerei, wenn die gefakten Websites dazu dienen von Wissenschaftlern Zahlungen für die Publikation von Texten oder für die vermeintliche Subskription, das Recht zum Download von publizierten Artikeln, zu erschleichen oder ihre Passworte zu erfahren. Eine weitere Motivation könnte es sein, von den wirklichen Journalbetreibern ein Lösegeld für die gekaperte Domain zu erpressen.

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