USA bereiten Luftwaffenstützpunkt in Rojava vor

06.12.2015

Offenbar verstärkt das Pentagon die Kooperation mit den von der YPG geführten "Syrisch-Demokratischen Streitkräften"

Ein altes Flugfeld östlich von Hasaka, das von der "Hasaka Direktion für Landwirtschaft" zur Schädlingsbekämpfung genutzt wurde und seit 2010 außer Betrieb war, soll künftig als Landeplatz für amerikanische Kriegsflugzeuge dienen.

Das Interessante: Das Flugfeld liegt im Einzugsgebiet der Syrian Democratic Forces (SDF) in Rojava, südöstlich der Stadt Rimelan, beim Dorf Rimelan al-Basha. Die SDF sind ein Zusammenschluss von kurdischen, arabischen und assyrischen Milizen in Rojava unter dem Kommando der YPG/YPJ.

YPG-Kämpfer sollen bereits 40 km vor Raqqa stehen. Bild: Inside Rojava

Nach einem Bericht der Zeitung Kurdish Daily News sind US-Experten kurz vor dem Abschluss der Vorbereitungen für den Flugplatz. Seit anderthalb Monaten arbeiten amerikanische Techniker an dem 10 Hektar großen Militärflugplatz mit einer Landebahn von 2.500 Metern Länge und 250 m Breite. Die Zeitung beruft sich auf einen Bericht in der Assad-nahen Libanesischen Tageszeitung Al-Akhbar.

This airport will help enable Washington to add an additional safe place to land its forces, commando units for example, and bring in military support to its allies who are working to finalize control over southern Hasakeh countryside.

Die kurdischen Kräfte sollen direkt in die Überwachung der Luftwaffenbasis mit einbezogen werden. Indes meldete die YPG vor gut einer Woche, dass zwei unbekannte Militärhubschrauber über den Kanton Cizire geflogen sind. Es wurde vermutet, dass es sich um türkische Hubschrauber gehandelt haben könnte. Wie sich jetzt herausstellte, wurden am 24. November - vermutlich mit den zwei gesichteten Hubschraubern - acht US-Militärspezialisten eingeflogen.

Nach einem Kampf mit IS-Kämpfern. Bild: Inside Rojava

In Kobanê sollen etwa zur gleichen Zeit 50 US-Spezialeinheiten angekommen sein, die die von der YPG/YPJ angeführten Syrian Democratic Forces (SDF) im Vormarsch auf Raqqa unterstützen sollen. Die Meldungen über die Entsendung amerikanischer Eliteeinheiten sind widersprüchlich, der Spiegel spricht davon, dass diese Einheiten in den Irak entsendet wurden. Oder wurden zwei Einheiten entsandt?

US-Verteidigungsminister Ashton Carter bekräftigte jedenfalls am 30. November im Repräsentantenhaus, dass Washington bereit sei, die militärische Unterstützung in Nordsyrien zu erweitern. Das wird Erdogan in Bedrängnis bringen, denn Carter richtete klare Worte in Richtung Türkei:

Die Regierung in Ankara müsse die Grenze zu Syrien besser sichern, sagte Carter. Dies sei seit dem Aufstieg des IS nicht wirksam genug geschehen.

Außerdem müsse die Türkei gegen IS-Unterstützer vorgehen, die in die Türkei einsickerten.

Carter kritisierte auch die Luftangriffe der Türkei. Die meisten richteten sich nicht gegen den IS, sondern die Kurden-Organisation PKK.

Die türkische Regierung betrachtet die syrischen Kurden in Rojava als Ableger der PKK und damit als Terroristen. Die USA, aber auch Russland hingegen sehen in ihnen die effektivsten Kämpfer gegen den IS, die nicht nur Kobanê befreit haben, sondern beispielsweise in der östlichen Provinz Hasaka weit über 1.000 Quadratkilometer vom IS besetzte Gebiete mit über 200 kleinen Dörfern zurückerobert haben. Im Oktober hatte die US-Regierung 45 Tonnen Munition und anderes Kriegsmaterial an die SDF geschickt. Mitte November wurde eine wichtige Versorgungsroute des IS ins ezidische Shengal-Gebirge unterbrochen. Immer mit an der Front im Shengal waren die Kämpfer und Kämpferinnen der PKK - mit den ezidischen Truppen und Teilen der Peschmerga.

Langsam begreift auch die Bundesregierung, dass die Türkei, insbesondere Erdogan, unter einer Kurdenphobie leidet. Auch wenn Verteidigungsministerin van der Leyen sich noch ziert, die Worte YPG/YPJ in den Mund zu nehmen. So soll die Türkei nur zensierte Daten von den gerade im Bundestag beschlossenen Tornadoaufklärungsflügen bekommen. Daten von kurdischen Stellungen sollen demnach zum Schutz der Kurden nicht weitergegeben werden.

In Anbetracht dessen, dass es eine immer engere Zusammenarbeit zwischen den USA und den syrischen Kurden und Kurdinnen gibt, dass Russland der PYD eine Vertretung in Moskau ermöglicht und eine direkte Abstimmung der USA mit der SDF stattfindet, werden das PKK-Verbot und die Kriminalisierung von Kurden und Kurdinnen in Europa und den USA zu einem absurden Relikt aus den 1980er Jahren. Eine Revision wäre dringend notwendig. Aber bis das ins Kanzleramt durchgedrungen ist, bedarf es eines langen Atems.

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