Ägypten, Griechenland und Zypern besiegeln Dreierbündnis

Die gegen die Türkei gerichtete Allianz will die Erdöl- und Erdgasvorkommen in der Ägäis gemeinsam nutzen

In Athen wurde am Mittwoch ein Dreierbündnis von Ägypten, Griechenland und Zypern beschlossen. Gastgeber Alexis Tsipras hatte zuvor in Einzelgesprächen mit dem Präsidenten Ägyptens Abdel Fattah Saeed Hussein Khalil el-Sisi und dem regierenden Präsidenten Zyperns Nikos Anastadiadis die Details abgesprochen. In der Allianz geht es neben der gemeinsamen Nutzung der Erdöl- und Erdgasvorkommen in der Ägäis um die gemeinsame Nutzung der Infrastruktur der Länder und Handelsbündnisse. Die Pipelines für die Distribution des Erdgases sollen Griechenland als Knotenpunkt haben.

Die neue Allianz. Bild: W. Aswestopoulos

In der Ägäis, vor allem vor Zypern, werden umfangreiche Vorkommen fossiler Brennstoffe vermutet. Teilweise bestätigten Probebohrungen und Sonaruntersuchungen, dass der gesamte Raum des östlichen Mittelmeers auf kaum abschätzbaren Bodenschatzvorkommen sitzt. Genutzt werden konnten diese bislang kaum.

Für Griechenland und Zypern steht die ebenfalls Ansprüche erhebende Türkei im Weg. Für den Fall der Deklaration einer ausschließlichen Wirtschaftszone, wie sie für alle anderen Länder mit Seegrenzen üblich ist, besteht seitens der Türkei eine Casus Belli Deklaration. Dass die Türkei als Regionalmacht in einem Krieg mit Griechenland oder Zypern die besseren Karten hat, ist sowohl in Athen als auch in Nikosia bekannt. Die gemeinsame Präsenz der Griechen und der Türken im NATO-Bündnis hat sich bislang wegen der neutralen Haltung der NATO zu den Konflikten zwischen den Nachbarn nicht als Vorteil erwiesen. Zudem sind in ihrer momentanen Finanzkrise weder Zypern noch Griechenland in der Lage, ihre Bodenschätze ohne fremde Hilfe zu erschließen.

Bild: W. Aswestopoulos

Die Dreierallianz mit der Militärmacht Ägypten garantiert den griechischsprachigen Staaten somit eine gewisse Sicherheit und vor allem den Zugang zu Finanzquellen sowie über den Partner Israel zu benötigten technischen Ausrüstungen. In der Pressekonferenz am ersten Tag des von Dienstag bis Donnerstag andauernden Staatsbesuchs el-Sisis in Athen betonte Tsipras zudem, dass in Ägypten und im antiken Griechenland die Grundlagen für die heutige westliche Kultur gelegt wurden. Als ehemalige antike Großmächte seien die Staaten somit seit Jahrtausenden verbunden.

Ägyptische Moslembrüder demonstrieren gegen el-Sisi. Bild: W. Aswetsopoulos

Für el-Sisi bedeutet die Allianz eine Aufwertung der Rolle als regionale Macht. Für viele gilt der ägyptische General, der im Juli 2013 die Regierung der demokratisch gewählten Moslembruderschaft und des Präsidenten Mohamed Mursi per Putsch beendete, und sich im Mai 2014 durch Wahlen bestätigen ließ, als Diktator. In Athen gab es deshalb Demonstrationen, bei denen die als antifaschistische Gruppe auftretende Partei ANTARSYA Seite an Seite mit Anhängern der zum Einflusskreis des IS gezählten Moslembruderschaft gegen el-Sisi und Tsipras als mörderischen Diktator und Helfershelfer demonstrierten.

In Athen leben zahlreiche den Moslembrüdern nahe stehende Ägypter. Sie demonstrieren jeden Freitag vor der Ägyptischen Botschaft am Syntagmaplatz. Zudem wird nicht erst seit den Anschlägen von Paris vermutet, dass sich unter die Flüchtlinge aus Syrien auch zahlreiche IS-Schergen gemischt haben. Die Sicherheitsvorkehrungen in Athen waren selbst für Journalisten schärfer als beim Besuch des US-Außenministers John Kerry eine Woche vorher.

Beste Freunde. Bild: W. Aswestopoulos

Über die ebenfalls als Dreierallianz bestehenden Verbindungen Zyperns und Griechenlands nach Israel haben sich faktisch die vier in relativem Frieden lebenden Nachbarn des östlichen Mittelmeers vereint. Der griechische Premier Tsipras betonte mehrfach: "Es ist keine Allianz gegen jemanden, sondern für eine friedliche Nutzung und ein Modell für andere Staaten".

Trotzdem ist die Zielrichtung für die Griechen offensichtlich. Sie holen sich im Clinch mit dem Nachbarn Türkei starke Alliierte an die Seite. Die Zyprioten setzen zudem darauf, dass sie im Verbund leichter die seit 1974 bestehende Teilung der Inselrepublik überwinden können. Immer noch ist der nördliche Teil der Insel von türkischen Truppen besetzt.

Bild: W. Aswestopoulos

Präsident Anastasiadis hat seine Amtszeit für die bislang vielversprechendsten Schritte der Einigung mit der Gemeinschaft der türkischstämmigen Zyprer unternommen. Zahlreiche Grenzübergänge wurden geöffnet und bei kulturellen und sportlichen Themen entstanden vielfältige Kooperationen. Anastasiadis beabsichtigt die Insel von den bisherigen Schutzmächten Griechenland und Türkei unabhängiger zu machen. Die gemeinsamen Partnerschaften mit Israel und Ägypten helfen dabei. Zudem ist die geographische Lage der Insel für alle Partner wichtig.

Tsipras nutzte die Gunst der Stunde und schloss am Dienstag zusätzlich noch einige bilaterale Abkommen der wirtschaftlichen Zusammenarbeit mit Ägypten ab. Für den griechischen Premier ist es der erste wirklich zählbare Erfolg seiner bisherigen Amtszeit.

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