Polizei in Tokio setzt Drohnen gegen Drohnen ein

31.12.2015

Überall wird versucht, die mit der explodierenden Zahl von Drohnen einhergehenden Risiken zu minimieren

Drohnen werden zu einer Plage, Unfälle häufen sich, vor allem aber Sicherheitsrisiken. Noch kurz vor Weihnachten hatte die US-Flugbehörde in aller Eile eine Regulierung in Kraft gesetzt, nach der alle Besitzer von Hobbydrohnen diese registrieren müssen - auch nachträglich. Damit wollte man zumindest vor dem nächsten Schub die Sicherheit zumindest ein wenig erhöhen. Auch in Russland wurde nun eine Regelung von Präsident Putin ratifiziert. Danach müssen alle Drohnen ab einem Gewicht von 250 Gramm registriert werden.

Entwickelt und angeboten werden mittlerweile zahlreiche Techniken, Drohnen abzuwehren. Schließlich können nicht nur Orte mit optischen und Infrarot-Kameras und Mikrofonen von Drohnen ausgekundschaftet werden, sondern auch kleine Drohnen lassen sich, beladen mit einem Sprengsatz, zu Angriffswaffen umfunktionieren, die Selbstmordattentäter mit Sprengwesten ersetzen können. Versucht wird, Drohnen anhand ihrer Form oder ihrer Geräusche zu identifizieren, da sie für normale Radarsysteme zu klein sind. Das Problem ist jedoch immer, dass viel falscher Alarm ausgelöst wird und eine erkannte Drohne erst einmal abgefangen werden muss.

Man könnte sie mit Schuss- oder Laserwaffen, selbst mit einem starken Wasserstrahl abschießen oder durch Jammen zum Absturz bringen, aber das kann juristisch problematisch und überdies gefährlich sein, auch wenn sie nur abstürzt und dabei Schaden/Verletzungen anrichtet. Es gibt auch Systeme, die, ist eine eindringende Drohne erkannt, Abfangdrohnen automatisch starten und die Eindringlinge mit einem Netz einfangen oder zum Absturz bringen können. Man könnte die Drohne hacken und die Steuerung übernhemen, aber das ist aufwendig, wollte man hingegen sämtliche Radiowellen zur Steuerung blockieren, würde man alles lahmlegen.

Drohnen sollen, so die Polizei von Tokio, Drohnen mit einem Netz einfangen. Screenshot aus dem YouTube-Video

In Japan hat man inzwischen eine Methode entwickelt, unerwünschte Drohnen sicher vom Himmel zu holen. Während man in den USA aufgeschreckt war, nachdem eine Drohne im Januar im Park des Weißen Hauses abgestürzt war, geriet die Sicherheitsbehörden in Japan in Panik, als im April eine Drohne mit radioaktivem Material - vermutlich von Opponenten der Atompolitik geschickt - auf dem Dach des Gebäudes des Ministerpräsidenten gefunden wurde (Drohne auf dem Dach des Amts des japanischen Regierungschefs gelandet).

Anfang Dezember trat auch in Japan ein Gesetz in Kraft, nach dem Drohnen mit einem Gewicht über 200 Gramm registriert werden müssen, wenn sie in der Nähe von Flugplätzen, höher als 150 m oder über dicht bevölkerten Orten geflogen werden. Ohne Genehmigung können Drohnen nur tagsüber, in Sichtweite, in einer Entfernung von 30 m von Menschen, Gebäuden und Fahrzeugen geflogen werden. Über Menschenansammlungen ist es verboten.

In Tokio wurde daraufhin eine Einheit bei der Polizei, die für Gebäudeschutz zuständig ist, eingerichtet, die sich der Drohnenabwehr widmet. Wird eine Drohne über einem Ort, an dem Drohnen nicht fliegen dürfen, entdeckt, wird erst einmal versucht, über Lautsprecherdurchsagen die Piloten aufzufordern, dies zu unterlassen, oder überhaupt die Piloten aufzuspüren. Reagieren diese nicht oder werden sie nicht gefunden, soll eine Abfangdrohne ins Spiel kommen.

Screenshot aus dem YouTube-Video

Erst einmal erhält die Polizei allerdings nur eine Drohne, die mit einem 2x3 m großen Netz andere Drohnen, die verbotenerweise über bestimmte Orte fliegt, einfängt. Sie ist ausgestattet mit einer Kamera und kann von Polizisten ferngesteuert werden. Man hat Angst, so die Polizeibehörde, dass Terroristen Drohnen mit Sprengstoff für einen Anschlag benutzen können. Die Methode wurde gewählt, weil man mit ihr relativ einfach Drohnen fangen kann und nicht riskiert, dass sie abstürzen. Allerdings muss sich die Methode nun erst einmal bewähren. In einem Test ist alles sehr viel einfacher als in Wirklichkeit. Zudem muss die gejagte Drohne kleiner sein als die Abfangdrohne.

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