Deutschland: Mehr sozialversicherungspflichtige Beschäftigung

05.01.2016

Statistisches Bundesamt: Gesteigerte Erwerbsbeteiligung der inländischen Bevölkerung kompensiert zusammen mit der Zuwanderung ausländischer Arbeitskräfte negative demographische Effekte

Zum Jahresauftakt liefert das Statistische Bundesamt zwei Berichte zur Beschäftigungslage, die eine positive Entwicklung aufzeichnen - auch bei kritischen, politisch umstrittenen Punkten, so der Befund der Statistiker.

Die Zahl der Erwerbstätigen habe mit durchschnittlich 43 Millionen Personen mit Wohnort in Deutschland im vergangenen Jahr den höchsten Stand seit der Wiedervereinigung erreicht, meldete das Amt gestern. Der Bericht von heute schreibt die "positive Entwicklung der Erwerbstätigkeit" für den Monat November 2015 fort:

Gegenüber dem Vorjahresmonat stieg die Zahl der Erwerbstätigen im November um 424 000 Personen oder um 1,0 %. Im Oktober 2015 hatte die Zuwachsrate noch bei 0,9 % gelegen. Erwerbslos waren im November 2015 rund 1,9 Millionen Personen, 166 000 weniger als ein Jahr zuvor.

Zwei Feststellungen aus dem statistischen Material sind hervorzuheben, weil sie in engem Zusammenhang mit beschäftigungspolitisch heiklen Punkten stehen. So wird gegen die im Vergleich zu anderen europäischen Ländern sehr gut aussehenden deutschen Arbeitsmarktbilanzen immer wieder eingewendet, sie beschönigen, dass sich unter dem Lack ein Niedriglohnland mit prekären Arbeitsverhältnissen, mit einer Menge schlechtbezahlter Teilzeitjobs zeige.

Ausgleich negativer demografischer Effekte - über Niedriglöhne?

Zum anderen äußerten sich angesichts der großen Zahl von Asylbewerbern, die im vergangenen Jahr nach Deutschland kommen, in der Öffentlichkeit wie in der Politik viele Bedenken darüber, ob die Migranten in Arbeit zu bringen sind. Die Statistiker treffen zu dem Komplex im Jahresrückblick einmal die grundlegende Feststellung:  

Eine gesteigerte Erwerbsbeteiligung der inländischen Bevölkerung sowie die Zuwanderung ausländischer Arbeitskräfte glichen negative demographische Effekte aus.

Was das Niedriglohnland Deutschland betrifft, so widersprechen die Statistiker der Wahrnehmung eines "überproportionalen Anstiegs von Teilzeit- oder Leiharbeiterstellen". Aus Wiesbaden habe man die Auskunft, wonach die Teilzeitquote 2015 mit 25 Prozent aller Arbeitnehmer-Jobs konstant geblieben sei, "ebenso die Zahl der Leiharbeiter mit etwa 750.000", berichtet RP-Online.

Archivbild aus früheren Tagen "Polnische Gastarbeiter", 1980. Bild: Bundesarchiv, Bild 183-W0218-0304/CC BY-SA 3.0 DE

Im öffentlich zugänglichen Lagebericht zur Beschäftigung 2015 findet man diese Zahl, nicht gerade eine zu vernachlässigende Größe - immerhin ein Viertel aller Arbeitnehmerjobs -, nicht.

Dort ist aber die Rede davon, dass die Zahl der sozialversicherungspflichtigen Arbeitnehmer im Lauf des Jahres 2015 gestiegen ist - im Durchschnitt um 421.000 Personen, was + 1,1 % entspricht, auf 38,7 Millionen.

Dem wird eine andere Entwicklung beiseite gestellt, wonach die Zahl der Selbstständigen einschließlich mithelfender Familienangehöriger im selben Zeitraum um 97.000 Personen (minus 2,2 %) auf 4,3 Millionen sank.

"Die Zahl der marginal Beschäftigten (geringfügig entlohnte und kurzfristig Beschäftigte sowie Personen mit Arbeitsgelegenheiten - sogenannte 1-Euro-Jobs) war weiter rückläufig", heißt es wörtlich im Jahresbericht. Detaillierte Zahlen werden nicht genannt. Man begnügt sich mit der Aussagen: "Damit setzte sich der Trend der vergangenen Jahre fort."

Der stärkste Anstieg erfolgte in den Dienstleistungsbereichen, so das Statistikamt. Den größten Anteil verbuchten die unternehmensnahen Dienstleistungen, danach die öffentlichen Dienstleister, Erziehung, Gesundheit, gefolgt von Handel, Verkehr und Gastgewerbe.

"Hälfte der zusätzlichen Jobs durch Migranten gefüllt"

Detailliertere Zahlen, die den oben zitierten Satz über die Beschäftigung zugewanderter ausländischer Arbeitskräfte untermauern, finden sich leider nicht im Destatis-Bericht. Dies ergänzte dann in anderen Berichten der Vertreter eines unternehmensfreundlichen Instituts, namentlich Marcel Fratzscher, Chef des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW). Nach seinem Kenntnisstand wurden "mehr als die Hälfte der fast zwei Millionen zusätzlichen Jobs seit Ende der 2000er Jahre durch Migranten gefüllt".

Wie sich die Zahl begründet, geht aus dem Medienbericht nicht hervor. Wiederholt wird lediglich in einer prinzipiellen Behauptung, was das Statistische Bundesamt mit der Kompensation negativer demografischer Effekte andeutete:

Flüchtlinge haben das Potenzial, langfristig einige der Lücken im deutschen Arbeitsmarkt füllen zu können, wenn ihre Integration gelingt

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