Verlieren die USA den Informationskrieg?

06.01.2016

Voice of America steht in Konkurrenz mit Russia Today, al-Jazeera oder CCTV: Die Beerdigung der Ideologie des "freien Informationsflusses"

Genussvoll weiden staatliche russische Medien einen Artikel der konservativen Washington Times aus, nach dem die staatlich finanzierten Medien der USA, die wie Radio Free Europe/Radio Liberty und Voice of America ans Ausland gerichtet sind, gegenüber ausländischen staatlichen Medien an Einfluss verlieren. Der Washington Times geht es offensichtlich darum, die Regierung zu kritisieren, die US-Propagandamedien nicht ausreichend zu finanzieren.

So erklärte der auch nicht interessenlose Jeff Shell, der Vorsitzende des Broadcasting Board of Governors, der die Auslandssender betreibt, dass die Finanzierung nicht ausreiche, um mit den "Gegnern" zu konkurrieren. Gemeint sind vor allem Russland und China, aber auch Katar und Saudi-Arabien. Man könne dem "wachsenden globalen Blitz der staatlich finanzierten Propaganda aus Russland, China und anderen Konkurrenten nicht effektiv begegnen". 370 Millionen US-Dollar investiert die US-Regierung in die Auslandssender, für Shell nur ein "Bruchteil" dessen, was "unsere Gegner ausgeben". Die feindlichen Sender sind vor allem Russia Today, Al Jazeera oder China Central Television (CCTV).

Lange Zeit konnten die Amerikaner mit Liberalität punkten und die im Zweiten Weltkrieg geborene Ideologie des freien Informationsflusses (free flow of information) vertreten (Free Flow of Information). Vor allem nach dem Zweiten Weltkrieg versuchte die US-Regierung, repräsentiert durch den Vizeaußenminister William Benton, den freien Informationsfluss zu propagieren, der der ganzen Welt und vor allem den armen Ländern zugute käme. Es müssten die "künstlichen Grenzen" eingerissen werden, die den "freien Austausch" behindern. Natürlich war dies dann bereits gegen die russischen Medien gerichtet, und selbstverständlich kamen die freien Informationen von den USA, von den amerikanischen Medienunternehmen und den staatlichen Propagandamedien wie Radio Free Europe.

Jetzt sehen sich die Vertreter des freien Informationsflusses überwältigt von den Informationsflüssen, die von anderen staatlichen Sendern ausgehen, die nach US-Vorbild ihre Botschaft ins Ausland tragen. Die Rede ist davon, den "Krieg der globalen Botschaften" zu verlieren, was auch heißt, dass es nicht um Wahrheit, sondern um Macht über die Informationsflüsse geht. Der russische Sender RT erhalte zwar mit 307 Millionen US-Dollar weniger als die US-Sender, sei aber effizienter. Überdies würde RT die Sozialen Netzwerke eher erreichen.

Shell zieht die Konsequenz, dass die USA mit einem begrenzten Geldtopf mehr darauf ausgerichtet sein sollten, "die Menschen zu beeinflussen", als eine globale Quote anzustreben. Es geht um Reformen der Auslandssender. Shell macht aber klar, was für ihn entscheidend ist, was aber nicht für den freien Informationsfluss spricht: "We're in the business of trying to influence people to feel better about America." Die Auslandssender sind danach ganz klar Manipulationsinstrumente. Das ist ehrlich, schließlich kann man auch immer dadurch manipulieren, was man verschweigt. Und wie ist das mit der Deutschen Welle? Shell jedenfalls meint, dass ein "Informationskrieg" herrscht, in dem es um die "Gewinnung der Herzen und des Geistes" geht. Wahrheit, Objektivität, Neutralität – egal.

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Hg. Florian Rötzer
Medien im Krieg
Krise zwischen Leitmedien und ihren Rezipienten
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