"Gutmensch" ist "Unwort des Jahres"

12.01.2016

Im Zusammenhang mit Flüchtlingen ist nach der Jury das diffamierende Wort erneut in rechtspopulistischen Kreisen prominent geworden

Als Wort des Jahres war Flüchtlinge gewählt worden (Wort des Jahres 2015: Flüchtlinge bzw. Geflüchtete), zum Unwort des Jahres 2015 hat die Jury den Begriff "Gutmensch" gekürt. Besonders im Zusammenhang mit den Flüchtlingen sei das Wort letztes Jahr erneut prominent geworden: "Als 'Gutmenschen' wurden 2015 insbesondere auch diejenigen beschimpft, die sich ehrenamtlich in der Flüchtlingshilfe engagieren oder die sich gegen Angriffe auf Flüchtlingsheime stellen. Mit dem Vorwurf 'Gutmensch', 'Gutbürger' oder 'Gutmenschentum' werden Toleranz und Hilfsbereitschaft pauschal als naiv, dumm und weltfremd, als Helfersyndrom oder moralischer Imperialismus diffamiert."

Die Beschimpfung ist seit vielen Jahren im Mund von Rechten und Xenophoben, die damit Menschen stigmatisieren wollen, deren Weltbild nicht nur von Abwehr, Sicherheit, Härte und gruppenbezogenem oder nationalem Egoismus beherrscht ist. Das Wort ist auch deswegen beachtlich, weil sich diejenigen, die es benutzen, damit explizit vom "Guten" und von der Ethik abwenden. Das zeigt, dass es ein Kampfbegriff ist und macht auch verständlich, dass diejenigen, die ihn verwenden, in der Regel aggressiv gestimmt und nicht auf Verständigung ausgerichtet sind, weil man da ja sofort wieder bei den Gutmenschen wäre. Dass in diesen Kreisen Gewalt kultiviert wird, liegt nahe.

Ziel der Aktion "Unwort des Jahres" ist es, den Blick der Öffentlichkeit auf "sachlich unangemessene oder inhumane Formulierungen" zu lenken und die Sprachsensibilität zu fördern, schließlich ist die Verwendung von bestimmten Worten nicht ohne Folgen, was bei "Gutmensch" deutlich zu sehen ist.

Gerügt werden außerdem "Hausaufgaben" (im Zusammenhang mit Griechenland), weil damit "souveräne Staaten bzw. deren demokratisch gewählte Regierungen zu unmündigen Schulkindern" degradiert würden, und "Verschwulung". Letzteres ist in einem Buchtitel von Akif Pirinçci zu finden, der auch in den Reihen der Gutmenschen-Diffamierer zu finden ist. Mit dem Begriff soll die "Verweichlichung der Männer" gegeißelt werden, womit aber gleichzeitig Homosexuelle diffamiert werden. Besonders übel ist der Begriff deswegen, weil er denselben Geist atmet wie etwa der faschistische Ausdruck der "Verjudung", so die Jury.

Die Jury trifft ihre Entscheidung anhand der eingeschickten Vorschläge - und ruft dabei zur Mitwirkung auf. Da stand allerdings "Gutmensch" nur an dritter Position, am meisten genannt wurden "Lärmpause" und "Willkommenskultur", die aber den "Grundsätzen" nicht entsprachen. Die eingereichten Nennungen müssen gegen das "Prinzip der Menschenwürde" oder gegen "Prinzipien der Demokratie verstoßen, "einzelne gesellschaftliche Gruppen diskriminieren" oder "euphemistisch, verschleiernd oder gar irreführend" sein. Zum Unwort wird nicht das Wort, das am häufigsten eingeschickt wurde, sondern das die Jury nach den Kriterien für das treffendste und aktuellste hält.

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