But where is everybody? - Lösungsvorschläge zum Fermi-Paradoxon

31.01.2016

Warum ist es noch nicht zu einem wissenschaftlich beweisbaren Erstkontakt mit einer außerirdischen Zivilisation gekommen? - Teil 2

Teil1: "But where is everybody?" - Lösungsvorschläge zum Fermi-Paradoxon

Weshalb haben sich noch keine hochtechnisierte Alien-Kulturen bei uns zu erkennen gegeben? Als der italienische Kernphysiker Enrico Fermi im Sommer 1950 in Anspielung auf das Fernbleiben intelligenter Lebensformen die Frage "Wo sind sie?" aufwarf, war das vermeintliche Fermi-Paradoxon geboren. Obwohl Fermi diese Frage nur beiläufig stellte und ihr später nicht mehr die geringste Beachtung schenkte, wird sie seither von SETI-Enthusiasten und Skeptikern immer wieder zum Paradoxon verklärt und hochstilisiert.

Bild: NRAO / AUI / NSF

Bisweilen vermögen Paradoxien sogar die Routine des wissenschaftlichen Diskurses zu unterbrechen und denselben zu beleben, insbesondere dann, wenn dem Urheber ein guter Ruf als Wissenschaftler vorauseilt und sein beschriebenes Paradoxon ein Themenfeld streift, das allerorten salonfähig und populär ist. Gelangt fraglicher Forscher überdies in seinem Fachbereich zu höchsten akademischen Ehren und gewinnt dadurch seine wissenschaftliche Meinung sakrosankten Charakter, können seine philosophischen Ansichten, Theorien oder Kommentare noch so metaphysisch und abgehoben sein - seine Worte werden stets Gehör und in der Regel ein gutes Forum finden.

Fermis spontaner Geistesblitz

Einer, der diesem Profil einst beinahe vollends gerecht geworden wäre, war der viel zu früh gestorbene renommierte italienische Kernphysiker und Physik-Nobelpreisträger von 1938, Enrico Fermi (1901-1954). Dem Zeitgeist seiner Epoche weit voraus, warf Fermi eine aus damaliger Sicht überirdische Frage auf, die manche noch heute als Paradoxon feiern, obwohl sie in keinem mündet. Sie offenbart sich stattdessen als banal anmutendes Rätsel, das seither in SETI-Kreisen seltsamerweise Kultstatus genießt.

Enrico Fermi, um 1950 am geheimen US-Atom-Forschungslabor "Los Alamos National Laboratory" (LANL) in New Mexico (USA) als außerordentlicher Direktor tätig, überraschte dereinst einige Kollegen mit einer simplen Frage: Wo sind sie? Warum hat noch keine fremde Spezies an unserer planetaren Haustür angeklopft?

In diversen einschlägigen Büchern über Exobiologie und SETI suggerieren Autoren oft, der Atomphysiker habe seine Worte mit Bedacht ausgewählt, ausformuliert und später mündlich wie schriftlich gezielt lanciert. Doch weit gefehlt - die Quellen sprechen eine andere Sprache. Sie vermitteln ein gegenteiliges Bild und belegen, dass Fermis Äußerungen eher als Folge eines spontanen Geistesblitzes verstanden werden müssen. Ein Geistesblitz wohlgemerkt, der weniger in einem akademischen als vielmehr in einem kulinarischen Umfeld aufleuchtete.

Gelächter beim Dinner

Tatsächlich wurde der Grundstein für das Fermi-Paradoxon im Sommer 1950 während eines Dinners in der Fuller Lodge gelegt, in einer Kantine des "Los Alamos National Laboratory". Es geschah fernab der Zivilisation in dem damals nationalen Kernforschungszentrum, wo das Atomwaffenprogramm der USA seinen Anfang genommen hatte und im Rahmen des Manhattan-Projekts die erste Atombombe entwickelt wurde.

An diesem geschichtsträchtigen Ort begegneten sich bei einem Mittagessen Enrico Fermi und drei weitere Wissenschaftler, die dort anlässlich eines Veteranentreffens von Atomwissenschaftlern des Manhattan-Projekts weilten. Neben Emil Konopinski, Herbert F. York nahm auch der bekannte wie fragwürdige ungarisch-amerikanische Physiker Edward Teller (1908-2003) an der Mahlzeit teil. Teller sollte sich zwei Jahre später als Vater der Wasserstoffbombe in den dunklen Annalen der Wissenschaftsgeschichte verewigen.

Die erste Wasserstoffbombe ("Ivy Mike") der Menschheitsgeschichte wurde am 1. November 1952 gezündet. Bild: The Official CTBTO Photostream. Lizenz: CC-BY-2.0

Nachdem das Forscher-Quartett seinen Appetit gestillt und dabei diverse Themen in Kürze abgehandelt hatte, kam die Runde auch auf die Möglichkeit interstellarer Reisen und auf das Phänomen der Fliegenden Untertassen zu sprechen, die seit 1947 durch die Medien geisterten und hin und wieder die Schlagzeilen beherrschten. Inmitten der leidenschaftlich, aber thematisch oberflächlich geführten Diskussion, die sich zeitweise auch alltäglichen Themen annäherte, überraschte Fermi die anwesenden Physiker plötzlich mit der Frage: "But where is everybody?"

"Es war die Art, wie er sie stellte, die uns zum Lachen brachte", erinnerte sich Jahre später einer der Tischgenossen von Los Alamos.

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