Von den Nachwirkungen einer Raumfahrt-Tragödie

28.01.2016

Mit dem Absturz der US-Raumfähre Challenger endete vor 30 Jahren der amerikanische Traum von einer routinemäßigen bemannten Raumfahrt

Die junge Geschichte der Raumfahrt ist reich an historischen Momenten. Ereignisse wie die Sputnik-Premiere, der orbitale Erstflug Gagarins oder die Apollo-11-Mondlandung symbolisieren den unermüdlichen Forschungsdrang der Menschheit, der aber immer wieder von tragischen Rückschlägen begleitet wird. Einer davon ereignete sich am 28. Januar 1986: das Challenger-Unglück. Es war für die USA nicht allein eine nationale Tragödie und ein Prestigeverlust für die NASA obendrein, sondern markierte ungeachtet aller vorangegangenen Unfälle mit tödlichem Ausgang die negativste raumfahrthistorische Zäsur, die bis heute nachwirkt.

Der erste Challenger-Start 1983. Bild: Department of Defense

Die Chancen auf einen Bilderbuchstart an diesem 28. Januar 1986 sind denkbar schlecht. Eigentlich sollte der Start der Mission STS-51L schon sechs Tage zuvor über die Bühne in Cape Canaveral in Florida (USA) gegangen sein. Doch infolge technischer Probleme und angesichts des wechselhaften Wetters musste der zehnte Flug der Raumfähre Challenger (dt. Herausforderer) mehrfach verschoben werden.

Schlechte Startbedingungen

Selbst einen Tag vor Missionsbeginn mussten die Ingenieure und Flugmanager der amerikanischen Weltraumbehörde NASA den Countdown abbrechen, weil die Einstiegsluke in der Besatzungskabine nicht wunschgemäß funktionierte. Doch als alle technischen Störungen beseitigt scheinen, verschlechtert sich das Wetter schlagartig. Eine in diesen Gefilden höchst ungewöhnliche Kaltwetterfront zieht über den Sonnenstaat Florida hinweg. Die Temperatur fällt in der Nacht bis auf minus 6 Grad Celsius. Über den Startkomplex 39B, auf dem die US-Raumfähre seit Wochen steht, legt sich ein Film aus Eis.

Doch obwohl ein Mitarbeiter der Herstellerfirma der Feststoffraketen einen Tag vor dem Start explizit darauf hinweist, dass die Dichtungsringe in den Feststoffraketen bei Nachtfrost an Qualität und Elastizität einbüßen und somit ein Gefahrenpotential darstellen könnten, halten die NASA-Manager und Ingenieure nach einer ad hoc anberaumten Telefonkonferenz unbeirrbar an dem anvisierten Starttermin fest. Denn der Erfolgsdruck ist groß. Ein weiterer Aufschub der STS-51L-Mission kostet noch mehr Zeit und Geld.

Der Start zur Unglücksmission STS-51-L am 28. Januar 1986. Bild: NASA

Scheinbare Routine

Um 11:37 Uhr Ortszeit (17.37 Uhr MEZ) hebt bei einer Temperatur von 2 Grad Celsius die Challenger mit ihrer siebenköpfigen Besatzung ab. Mühsam, aber in gewohnter Manier arbeitet sich die Fähre mitsamt ihrem externen Treibstofftank und den beiden Feststoffraketen Meter für Meter nach oben und gewinnt rasch an Höhe.

An Bord der STS- 51L staut sich eine technisch kostbare Fracht: ein Kommunikationssatellit und verschiedene Instrumente zu Beobachtung des Kometen Halley. Das Rollmanöver, mit dem die Fähre in die richtige Lage gebracht wird, um den weiteren Aufstieg zu meistern, verläuft wunschgemäß. Die erste Startphase scheint mit Bravour bewältigt.

Eigentlich sollte jetzt nicht mehr viel schiefgehen. Schließlich beförderte die NASA seit April 1981 während 24 Shuttle-Flüge 125 Menschen sicher ins All und zurück. Trotz einer chaotischen Flugplanung und Missionsdurchführung absolvierte die damals aus vier einsatzbereiten Raumfähren bestehende Shuttleflotte 1985 allein sage und schreibe acht Starts und Landungen. Dass daher im Kontrollzentrum der NASA in Houston der erste Jubel wieder schnell verfliegt und die Mitarbeiter sich ebenso schnell wieder ihrer Arbeit widmen, ist der Routine geschuldet.

Live und in Farbe

Nur die vielen amerikanischen Zuschauer, die das Geschehen in Florida live verfolgen, starren gebannt auf ihre Fernsehschirme, darunter auch sehr viele Schulklassen und Kinder. Dies aus gutem Grund, weist doch eines der Besatzungsmitglieder eine Besonderheit auf. Denn im Rahmen des von dem US-Präsidenten Ronald Reagan initiierten Projekts "Teacher in Space (TISP)" fliegt mit Christa McAuliffe das erste Mal in der Raumfahrt eine Pädagogin in den Orbit.

Explosion der Challenger am 28. Januar 1986. Bild: NASA

Die aus Concord (New Hamsphire/USA) stammende sympathische 37-jährige High-School-Lehrerin sicherte sich das begehrte Ticket für den Flug ins All, musste aber wie jeder Astronaut im Vorfeld ein hartes Ausbildungsprogramm absolvieren. Ihre primäre Aufgabe an Bord der Challenger besteht darin, für Kinder im Grundschulalter zwei Unterrichtsstunden abzuhalten, die live in allen Schulen der USA übertragen werden sollen. Christa McAuliffe sollte aber auch ihren Beitrag dazu leisten, das schwindende Interesse der amerikanischen Bevölkerung am Raumfahrtprogramm zu stoppen und es mit neuen Leben zu beseelen.

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