Australische Astrobiologen postulieren ausgestorbene "Aliens"

26.01.2016

Aditya Chopra und Charles Lineweaver glauben, dass Leben nur ein schmales Zeitfenster zur Verfügung hat, um die Umwelt für ein dauerndes Überleben zu verändern

Die an der Australian National University (ANU) forschenden Astrobiologen Aditya Chopra und Charles Lineweaver haben in der Fachzeitschrift Astrobiology einen Aufsatz mit dem Titel The Case for a Gaian Bottleneck - The Biology of Habitability veröffentlicht, in dem sie postulieren, dass Leben auf fremden Planeten zwar relativ einfach entsteht, aber nur ein (relativ betrachtet) "kurzes" Zeitfenster von einer Milliarde Jahren zur Verfügung hat, um seine Umwelt so zu verändern, dass es sich dauerhaft etablieren kann und nicht wieder ausstirbt.

Als Beispiele dafür nehmen sie die Planeten Mars und Venus - dort könnte es vor rund vier Milliarden Jahren theoretisch einmal Leben gegeben haben. Aber innerhalb einer Milliarde Jahre verwandelte sich die Venus (obwohl sie der Sonne nicht am nächsten ist) in den heißesten Planeten des Sonnensystems, auf dem die durchschnittliche Temperatur mit 465 Grad Celsius fast drei Mal so hoch ist wie auf dem Merkur. Das lag den beiden Astrobiologen nach daran, dass Klimatrends sich ohne Eingriff selbst verstärken: Durch die Erwärmung entwischen Klimagase wie Kohlendioxid und Schwefelsäure aus dem Boden und sorgten dafür, dass es noch wärmer wurde.

Der Mars fror dagegen ein, weil durch die Abkühlung Eis entstand, das das Sonnenlicht reflektierte und den Planeten so noch kälter machte. Ob es davor tatsächlich einmal Mikroorganismen dort gab, könnte in zwei Jahren die ExoMars-Mission der ESA herausfinden, die mit einem zwei Meter langen Bohrer und einer Panoramakamera ausgestattet wird, um Gestein zu suchen, das durch solche Organismen verändert wurde.

Die sich selbst verstärkenden Erwärmungs- und Abkühlungstrends können unterbrochen und umgekehrt werden, wenn das Leben in relevantem Ausmaß Substanzen produziert oder absorbiert, die das Rückstrahlvermögen und das Klima beeinflussen. Das geschah auf der Erde, wo die Temperatur im Vergleich zum Mars und zur Venus lebensfreundlich und das lebensnotwendige Wasser flüssig blieb. Dazu hat das Leben dem Chopra-Lineweaver-Aufsatz nach aber nur begrenzt Zeit: Nach etwa einer Milliarde Jahren ist es den beiden Wissenschaftlern zufolge so kalt oder so warm, dass sich der Trend nicht mehr aufhalten oder umkehren lässt. Dieses Zeitfenster bezeichnen sie als "Flaschenhals", weil es die Wahrscheinlichkeit, dass Leben darüber hinaus existiert, deutlich verringert.

Das CSIRO Parkes Radioteleskop sucht bislang vergeblich nach außerirdischem Leben. Foto: ANU

Bestätigt sich das Postulat von Chopra und Lineweaver, dann wäre das ein Beitrag zur Lösung des Rätsels, warum bislang trotz der hohen Zahl der Sonnensysteme und der potenziell bewohnbaren Planeten im Weltraum noch kein außerirdisches Leben entdeckt wurde. Wer mehr über dieses Fermi-Paradoxon und über Lösungsvorschläge dazu wissen will, sollte Harald Zauns ausführliche Abhandlung darüber lesen, deren zweiter Teil demnächst erscheint.

Mit der Frage, ob es Leben auf dem Mars und der Venus geben oder gegeben haben könnte, beschäftigt sich ein auch bei Telepolis erschienener Artikel aus dem aktuellen Space-Heft. Auch in ihm kommt der Astrobiologe Ian Crawford vom Londoner Birkbeck College zum Ergebnis: "Mars erlaubt heute wohl kein Leben, früher aber vielleicht schon."

Das liegt dem Astrobiologen Lewis Dartnell von der der University of Leicester zufolge an einem "klimatischen Niedergang", der vor 3,8 Milliarden Jahren begann und Bedingungen schuf, bei denen Leben auf der Oberfläche "innerhalb weniger Millionen Jahre […] von der kosmischen Strahlung, die die Sonne und Supernovae erzeugen" abgetötet worden wäre. Zu diesem Ergebnis kam Dartnell, nachdem er Extremophile aus den Antarktischen Trockentälern mit Strahlung beschoss.

Auf der Venus könnte sich theoretisch Leben, das auf der Oberfläche entstand, über die Wolkendecke verzogen und dort überlebt haben. An den Säuregehalt dort könnten sich Extremophile theoretisch anpassen.

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