Israelisches Militär sieht weiter in der Hisbollah die Hauptbedrohung

28.01.2016

Gerechnet wird mit Angriffen des IS, der aber schwächelt

Nach einer Einschätzung des israelischen Militärs (IDF) vom Dienstag ist derzeit die Wahrscheinlichkeit eines Krieg gering. Möglichen israelischen Gegnern sind derzeit wegen der vielen Konflikte in der Region die Hände gebunden. Zudem sei Israel gegenwärtig militärisch gut gerüstet. Hisbollah bleibe aber ebenso wie Hamas eine Bedrohung direkt an den Grenzen. Dazu könnten Konflikte auf der Sinai-Halbinsel kommen, wo sich der Islamische Staat ausbreitet.

Nach israelischen Offizieren habe der IS klar gemacht, dass Israel eines der nächsten Angriffsziele sein wird. Verwiesen wird auf al-Bagdadi, der im Dezember ankündigte, dass seine Kämpfer bald auf die Juden in Palästina stoßen werden. Israel werde einen schwerer Preis zahlen, Palästina werden zum Friedhof der Juden, drohte er. Noch kämpft der IS-Ableger auf der Sinai-Halbinsel mit dem ägyptischen Militär, aber es wird erwartet, dass er sich irgendwann auch gegen Israel richten wird, auch wenn damit noch nicht unmittelbar gerechnet werden muss.

"Von IS auf Sinai und Hamas im Gaza bis zu Hisbollah im Libanon ist dser asymmetrische Krieg die zentrale Herausforderung, der wir gegenüberstehen. Kriege zwischen Mengen an Soldaten und Panzern sind ein Ding der Vergangenheit. Gegen Terroristen vorzughen, die sich hinter einer feindlichen Zivilbevölkerung verschanzen, ist nicht einfach. Kürzlich haben sich Infanteriesoldaten der Givati-Brigade und Soldaten des Panzerkorps für diese Szenarien auf einem Truppenübungsplatz vorbereitet." Text und Bild: IDF

Allerdings habe das Militär beobachtet, dass es erste Zeichen der Schwäche des IS gebe, da nun die ganze Welt gegen diesen kämpfe. Als problematisch wird gesehen, wenn andere radikale Organisationen den IS besiegen und dadurch stärker würden. Zudem sei der IS eine anpassungsfähige Terrorgruppe. Man malt aber auch eine große Bedrohung an die Wand. Wenn es einige große Terroranschläge in Europa, beispielsweise bei Fußballspielen, gibt, dann könne dies "zu einer Art Dritten Weltkrieg" führen, der das Leben der Europäer verändert.

Nach dem israelischen IDF-Stabschef Gadi Eisenkot ist zwar die Hisbollah weiter der Hauptfeind, aber sie sei derzeit in Syrien an der Seite des Assad-Regimes tätig, wo sie große Verluste erleidet. 1300 Kämpfer seien getötet und mehr als 10.000 verletzt worden. Man erwartet auch nicht, dass die vom Iran abhängige Organisation in nächster Zeit viel Geld erhalten wird. Der iranische Präsident Hassan Rouhani soll die jährliche Zahlung an die Hisbollah um 10 Prozent gekürzt haben. Der Iran werde nach dem Ende der Sanktionen die zu erwartenden Geldflüsse eher zum Aufbau der eigenen Wirtschaft als zur Unterstützung von Hisbollah verwenden. Israel müsse aber mit kleinen Zwischenfällen wie Entführungen oder Raketenbeschuss an der Grenze rechnen. Die Organisation soll über 100.000 Raketen mit geringer Reichweite und einigen tausend verfügen, die bis Tel Aviv reichen. Einige hundert Raketen könnten auch das ganze Land erreichen.

Möglich sei aber auch ein Abschuss eines israelischen Militärflugzeugs mit den Flugabwehrwaffen, die die Hisbollah besitzt, oder ein Angriff auf Militärschiffe mit russischen Antischiffsraketen Yakhont. Falls es tatsächlich zu einem Krieg kommen sollte, würde dieser anders werden: "Die Hisbollah hat die meisten schiitischen Dörfer im Südlibanon in Militärstellungen verwandelt. Sie neigen eher zu einem Kampf unter dem Boden und dazu, die Kämpfe in ihrem Gebiet stattfinden zu lassen. Hisbollah hat schon vor der Hamas Tunnels gebaut."

Im Hinblick auf den Iran müsse derzeit abgewartet werden, sagen die israelischen Militärs. Bald werden die Wahlen stattfinden, was viel verändern könnte. Der Wahlausschuss hat viele Kandidaten, vor allem moderate, ausgeschlossen, aber Rouhani habe dagegen Beschwerde eingelegt. Bislang habe der Iran die Hisbollah und die Hamas gegen Israel unterstützt, aber es sei noch nicht klar, wie sich Iran nach dem Ende der Sanktionen verhalten werde. Wenn sich die USA und Russland im Hinblick auf die Lösung des Syrien-Konflikts näherkämen, würde dies nicht nur die Region ein wenig stabilisieren, sondern hätte auch Folgen für andere Konflikte wie dem in der Ukraine.

Die Hamas würde derzeit im Gazastreifen eine strenge Ordnung halten und salafistische Gruppen daran hindern, Israel mit Raketen zu beschießen oder Angriffe auszuführen. Aber die Organisation bereite sich auf neue Kämpfe vor, baue Tunnels, bilde Kämpfer aus und baue auch neue Raketen.

Derzeit ist die Bedrohung allerdings in Israel und im Westjordanland größer, wo fortwährend Anschläge auf Israelis ausgeführt werden. Seit 1. Oktober sind bereits Hunderte von Israelis durch Schüsse, Messerstiche oder Angriffe mit Fahrzeugen getötet oder verletzt worden. Die letzten Angriffe erfolgten in israelischen Siedlungen im Westjordanland. Es sei auch Aufgabe des Militärs, Zivilisten in und außerhalb der Siedlungen zu schützen, die die israelische Regierung trotz internationaler Kritik weiter ausbaut. Während früher Angreifer vor allem Selbstmordanschläge mit Sprenggürteln begingen, hat sich der Angriffsstil verändert - aus der Sicht der Angreifer mit Erfolg. Das Militär, das von einem "begrenzten Aufstand" spricht, geht davon aus, dass palästinensische Terroristen weiter versuchen werden, sich in Siedlungen heimlich einzuschleichen und dann anzugreifen.

Bislang habe sich das Militär zurückgehalten und die Mehrheit der Palästinenser in Ruhe gelassen, wenn die Soldaten gegen diejenigen vorgingen, die Molotowcocktails oder Steine schmeißen. Man habe aber wegen der letzten Angriffe palästinensische Arbeiter den Zugang zu Siedlungen verwehren müssen. Die Zahl der Angriffe und Proteste ginge aber zurück. Man müsse aber mit neuen Eskalationen rechnen. Notwendig seien "beruhigende" Maßnahmen etwa wirtschaftlicher Art. Verwiesen wird auf die Arbeitsgenehmigungen in Israel von etwa 100.000 Palästinensern.

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