Sächsisches Rittergut zum KZ?

28.01.2016

Trotz der Äußerung der Bevollmächtigten des Käufers des bislang dem Neonazi Karl-Heinz Hoffmann gehörenden Ritterguts erhielt dieser den Zuschlag - am Tag des Holocaust-Gedenkens

Ausgerechnet am internationalen Tag des Holocaust-Gedenkens kam gestern in Kohren-Salis, einem sächsischen Städtchen mit etwas mehr als 2.500 Einwohner, ein merkwürdiger Deal zustande. Dabei geht es um das Rittergut Sahlis, das der Neonazi Karl-Heinz Hoffmann, der 1973 die paramilitärische Wehrsportgruppe Hoffmann gegründet hatte, 2004 von der Treuhand über eine gemeinnützige Stiftung übernahm und dort einen landwirtschaftlichen Betrieb aufziehen wollte. Gestern wurde sie nach einer Zwangsversteigerung einem Interessenten aus Oberhausen verkauft, der dafür mit 160.000 Euro mehr als erwartet geboten hatte. Dessen Vertreterin hatte erklärt, der Bieter wolle das Rittergut zu einem "Konzentrationslager" machen." Diese hatte die Bevollmächtigte nach Angaben der Leipziger Volkszeitung "mehrfach wiederholt."

Rittergut Sahlis. Bild: Jwaller/CC-BY-3.0

Die Nazi-Organisation von Hoffmann wurde 1980 nach dem Oktoberfestanschlag, das von Gundolf Köhler, einem Mitglied der Wehrsportgruppe ausgeführt wurde, als verfassungsfeindliche Organisation verboten. Umstritten ist weiterhin, ob Köhler ein Einzeltäter war und inwieweit die Wehrsportgruppe in den Anschlag verwickelt. 1981 erschoss Uwe Behrendt, ebenfalls Mitglied der Wehrsportgruppe, den jüdischen Verleger Shlomo Lewin und seine Lebensgefährtin. Auch hier blieb ungeklärt, inwieweit Hoffmann darin verwickelt war. Wegen anderer Straftaten, darunter Körperverletzung, Landfriedensbruch und Vergehen gegen das Waffengesetz, wurde er 1981 zu neun Jahren Gefängnis verurteilt, kam aber schon 1989 wieder in die Freiheit. Hoffmann blieb den rechtsextremen Kreisen treu, so zuletzt ein Bericht von Report Mainz, betätigte sich im Immobiliengeschäft und wurde schließlich, wie er sagt, Verwalter des Ritterguts, nachdem er auch andere Gebäude in Kohren-Salis gekauft haben soll.

Zum NSU-Prozess schrieb er: "Ich habe die NSU-Affäre von Anfang an beobachtet. Soweit es um die unterstellten Mordtaten geht, halte ich Beate Zschäpe für vollkommen tatunbeteiligt. Überflüssig zu erwähnen, dass mich die Ergebnisse des Ermittlungsverfahrens auch nicht von der Schuld der beiden Uwes überzeugen konnten." Nach eigenem Bekunden schätzt er die AfD nach dem Weggang von Lucke und feiert er Frauke Petry: "Ihr Mundwerk ist das treffsichere Maschinengewehr der AfD. Damit könnte sie sich den Weg bis ganz nach oben freischießen." Hoffmann attestiert sich, derzeit bei den völkisch-rechtsgestimmten Bewegungen, mit denen er sympathisiert, einen schwierigen Stand zu haben, weil er aus alten Zeiten Muslime nicht grundsätzlich ablehnt. Ansonsten geifert er aber auch gegen die Lügenpresse, spricht von einer "Asylanteninvasion" und davon, dass sich Deutschland abschafft:

Dabei macht mir eine, mit der Zuwanderungsinvasion parallel laufende Entwicklung große Sorgen: Die ungehemmte, höchst unvernünftige Aufnahme syrischer, sunnitisch-mohammedanischer "Kriegsflüchtlinge" wird nicht nur die Durchführung von Terrorattentaten begünstigen, sondern auch das gesellschaftliche Klima in Deutschland vergiften.Ich fürchte, dass unsere Bevölkerung durch die Aktionen der ISIS zu einer pauschalen Verurteilung unseres mohammedanischen Bevölkerungsanteiles veranlasst wird. Das ist ebenso ungerecht wie unvernünftig, aber wohl nicht zu ändern. Die deutsche Bevölkerung ist mehrheitlich eher unvernünftigen als vernünftigen Argumenten gegenüber aufgeschlossen. Wäre es anders, wären die derzeit Herrschenden nie gewählt worden. Die Unversöhnlichkeit der unterschiedlichen politischen Lager wird sich immer weiter zuspitzen. Deshalb werden wir schrecklichen Zeiten entgegengehen. Richtig wäre es jetzt, auf unsere schon länger in Frieden mit uns lebenden Türken und Iraner bewusst zuzugehen, um uns Ihrer bisherigen Freundschaft und Treue zu Deutschland auch für die Zukunft zu versichern.

Hoffmann
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