Trump wirft Cruz Wahlmanipulation vor

04.02.2016

Sanders schließt nicht aus, Münzwürfe überprüfen lassen - Paul und Santorum geben auf

Donald Trump hat Ted Cruz vorgeworfen, die Vorwahlen in Iowa durch Manipulation gewonnen zu haben. Hintergrund dieses Vorwurfs sind Meldungen, nach denen Cruz-Wahlhelfer Wahlwilligen, die eigentlich für den schwarzen Neurochirurgen Ben Carson stimmen wollten, davon überzeugten, dass dieser aus dem Rennen aussteigt. Carson - ein überzeugter Siebten-Tags-Adventist spricht vor allem religiöse Wähler an, um die auch der Tea-Party-Texaner Cruz buhlt.

Die Cruz-Wahlhelfer hatten ihre Behauptung angeblich darauf gestützt, dass Carson selbst angekündigt hatte, in der Wahlnacht nicht in den nächsten Vorwahlstaat New Hampshire, sondern heim nach Florida zu fliegen. Der Bewerber, der in Iowa mit 9,3 Stimmenanteil besser abschnitt als in den Umfragen prognostiziert, erklärte das später damit, dass er sich zuhause frische Wäsche holen und erst danach weiter nach New Hampshire reisen wollte.

Ob Cruz-Anhänger, die das Ausstiegsgerücht verbreiteten, das wussten oder ob sie tatsächlich davon ausgingen, dass der Adventist aufgibt, ist nicht klar und lässt sich wahrscheinlich auch schwer herausfinden. Trump fordert trotzdem eine Disqualifizierung von Cruz oder eine Wiederholung der Wahl und wirft seinem Rivalen vor, den Sieg "gestohlen" zu haben.

Cruz revanchierte sich bei einer Wahlkampfrede in New Hampshire mit der Bemerkung, Trump tue sich mit dem Verlieren sehr schwer und sei bekannt für seine "Trumper tantrums" (Trotzanfälle). Wenn die Amerikaner den als launisch bekannten Milliardär wählten, dann könnten sie sich nicht sicher sein, ob sie nicht eines Morgens aufwachen und feststellen, dass er Dänemark "genuked" hat. Wer ein Temperament wie Trump habe, mit dem am roten Knopf sei das Land nicht sicher. Trumps Fans sehen das freilich anders: Einer davon hat ihn wegen seiner "Frieden-durch-Stärke"-Botschaft gerade beim Nobelpreiskomitee für den Friedensnobelpreis vorgeschlagen.

Der Vorwurf, zu locker mit einem Atomwaffeneinsatz umzugehen, wurde in den vergangenen Monaten auch gegen Cruz erhoben, nachdem er meinte, er wolle im IS-Terrorkalifat herausfinden "ob Sand glüht". In einer Fernsehdebatte stellte er jedoch klar, dass er damit nur konventionelle Flächenbombardements, aber keinen Atombombeneinsatz gemeint hatte.

Das Misstrauen des Texaners in Trump als Sicherheitsverantwortlichen scheint zudem auf die Präsidentschaft und den roten Knopf begrenzt: Im Dezember hatte Cruz nämlich noch verkündet, dass er den exzentrisch frisierten Immobilientycoon mit dem Ausbau der Grenzbefestigungen zu Mexiko beauftragen werde, wenn er Präsident wird. Ein insofern geschickter Schachzug, als die Mauer zu Mexiko Trumps wirksamste Werbebotschaft war, die er dadurch für sich vereinahmte.

Santorum empfiehlt Rubio

Statt Carson stiegen bei den Republikanern nach dem Evangelikalen Mike Huckabee (der noch in der Wahlnacht seinen Hut nahm) der libertär beeinflusste Senator Rand Paul und der fundamentalistische Katholik Rick Santorum aus. Rand Paul war in Iowa auf viereinhalb Prozent der Stimmen gekommen - sechzehneinhalb Prozent weniger als sein Vater Ron Paul dort vor vier Jahren erreicht hatte. Für Santorum, der den Bundesstaat 2012 mit 25 Prozent Stimmenanteil gewann, hatte diesmal lediglich ein Prozent der Vorwähler gestimmt.

Seinen Anhängern empfahl Santorum in seinem Ausstiegstweet, für den in Iowa mit 23,1 Prozent drittplatzierten Marco Rubio zu stimmen, auf den das republikanische Establishment jetzt setzt. Auch von Chris Christie, John Kasich, Carly Fiorina und Jeb Bush, die in Iowa auf 1,8, 1,9, 1,9 und 2,8 Prozent der Stimmen kamen, wird nach einem Ausscheiden nach einer der kommenden Vorwahlen eine Empfehlung für Rubio erwartet.

Beliebt für Münzwürfe: Der Vierteldollar

Bei den Demokraten, wo das Rennen zwischen Hillary Clinton und Bernie Sanders so knapp war, dass Meldungen über Münzwurfentscheidungen Schlagzeilen machten, hat der sehr knapp unterlegene parteilose Senator nicht ausgeschlossen das Ergebnis überprüfen lassen, wobei er auf sechs Entscheidungen für Clinton verwies, die via Münzwurf fielen. Bislang steht noch nicht fest, ob es tatsächlich ein sehr ungewöhnliches Glück im Spiel war, das Clinton zum Sieg verhalf, weil wegen der komplizierten Regeln in den über 1.600 Caucus-Wahllokalen nicht klar ist, wie viele Münzwürfe es überhaupt gab.

Auch in der von CNN übertragenen gestrigen Town-Hall-Diskussion zeigt sich Sanders (der in den Debatten davor betont sachlich blieb und sich zum Beispiel weigerte, über Clintons E-Mail-Affäre zu diskutieren, weil es seiner Ansicht nach wichtigere Themen gibt) etwas angriffslustiger und erinnerte an die dubiosen Wall-Street-Kontakte seiner Konkurrentin. Die konnte Fragen dazu nur bedingt beantworten und meinte schließlich, sie wisse nicht ob eine ihrer Reden für Goldman Sachs wirklich 675.000 Dollar wert war - man habe ihr das halt angeboten und sie habe es genommen.

Auch bei Publikumsfragen zu ihrem "Ja" zum Irakkrieg flüchtete sie sich in Phrasen und versuchte fliegende Themenwechsel. Die Vorwahl in New Hampshire wird sie sehr wahrscheinlich verlieren, weil Sanders im Nachbarstaat seiner Heimat Vermont sehr beliebt ist und in den Umfragen deutlich führt. Spannender wird es danach in Nevada, wo Clinton in der letzten Umfrage mit 47 zu 43 vorne lag.

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