Türkei-Russland: Im Propaganda-Theater

17.02.2016

Das russische Verteidigungsministeriums versteigt sich in Verschwörungstheorien, die türkische Regierung übt sich gleichfalls in einem Falschspiel

Es ist ein absurdes Spiel der gegenseitigen Vorwürfe, wer nun für die Bombardierung der Krankenhäuser und Schulen in Syrien verantwortlich ist. Die meisten zeigen auf die russischen oder syrischen Streitkräfte, die türkische Regierung will gar aus dem Kaspischen Meere abgeschossene russische Raketen für die Zerstörung des Krankenhauses in Azaz verantwortlich machen. Russland streitet alles ab und erhebt den Vorwurf, es seien US-Kampfflugzeuge gewesen.

Die türkische Regierung, die ihrerseits unvermindert gegen die Kurden in Anatolien vorgeht und syrische Dörfer beschießt, wirft Russland Kriegsverbrechen vor. Behauptet wird, durch russische Raketenangriffe seien in den letzten Tagen 5 Krankenhäuser und 2 Schulen in Nordsyrien zerstört worden.

Bild: Russisches Verteidigungsministerium

Das wiederum veranlasst die russische Regierung von einer "türkischen Informationskampagne" zu sprechen. Behauptet wird ohne irgendwelche Belege, dass die türkischen Behörden am Tag vor dem Beschuss noch keine Idee von MSF-Krankenhäusern in Idlib und Azaz gehabt hätten. Zudem sei auf der MSF-Website auch keine Information über diese Einrichtungen zu finden. Es habe aber bereits am 10. Februar Hinweise auf "angeblich zerstörte Krankenhäuser und Schulen in Azaz gegeben, die einfach auf der Website zu finden sind". Dort steht, dass mehrere Krankenhäuser und andere Einrichtungen, darunter mindestens 3 von MSF unterstützte Krankenhäuser, in Azaz und um Aleppo in den letzten 2 Wochen durch Luftangriffe zerstört worden seien. Unklar bleibt, von welchen Krankenhäusern MSF, die türkische und die russische Regierung sprechen.

Das russische Verteidigungsministerium unterstellt, dass die MSF-Meldung an dem Tag, an dem sich Lawrow und Kerry in München getroffen haben, also am 12.2., und zu einem angeblich von der Türkei unerwünschten Ergebnis kamen, vorbereitet, aber noch nicht verbreitet wurde. Bei der MSF-Meldung vom 15. Februar über die Zerstörung des Krankenhauses n Ma’arat Al Numan (Idlib) habe es noch kein Foto oder Video des zerstörten Gebäudes gegeben, obgleich MSF derartiges ansonsten gut dokumentiere. Tatsächlich aber war dort schon eine Foto sehen, das Telepolis und anderen Medien auch verwendet haben.

Dann versteigt sich das Ministerium wohl endgültig in die verwegene Theorie, dass beide Mitteilungen mit der Ortsangabe "Gaziantep. Turkey" veröffentlicht wurden. Diese sei noch mit den "Fälschungen" veröffentlicht worden, "offensichtlich aufgrund der Schlamperei der Autoren oder Redakteure der Website".

Daraus wird der Schluss gezogen, das Bild stamme von der türkischen Grenzstadt ("It is to be emphasized one more time: neither Syria, nor Idlib or Aleppo; it was the Turkish city of Gaziantep near the border with Syria.") Das sei aber die Stadt, wo die größten Trainingscamps unter der Aufsicht der türkischen Geheimdienste für Militante gewesen sein sollen, die aus anderen Ländern in die Türkei kamen und dann nach Syrien zum Kampf mit Terrorgruppen geschickt wurden. Das könne kein Zufall sein. Nett auch die Anmerkung: "If anybody in the Turkish Republic thinks that the Russian party does not guess that, they should not indulge in illusions."

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