Allensbach: Deutsche haben mehr Angst

17.02.2016

Nach dem Monatsbericht der Demoskopen setzen Befragte allem auf eine Verstärkung und Aufrüstung der Polizei

Im FAZ-Monatsbericht des Instituts für Demoskopie Allensbach stellt dessen Geschäftsführerin Renate Köcher eine bemerkenswerte Beobachtung zur Diskussion: Die Deutschen haben zwar aufgrund der Verbrechens-Statistiken nicht mehr zu befürchten als in früheren Jahren, aber sie fürchten sich mehr als früher.

Vor zehn Jahren hatten 47 Prozent der Bürger den Eindruck, dass die Kriminalität in Deutschland zunimmt, 2014 bereits 60 Prozent, jetzt 69 Prozent.

Für die "wachsende Besorgnis" sei der Zuzug der Flüchtlinge nicht entscheidend, schreibt Köcher, aber er vergrößere sie.

24 Prozent der Bürger haben sich im Zusammenhang mit Flüchtlingen schon unterwegs unsicher und ängstlich gefühlt, von den Männern 18 Prozent, von den Frauen 31 Prozent. Dabei schätzen Frauen die Wahrscheinlichkeit, dass sich der Flüchtlingszustrom auch in den Kriminalitätsstatistiken niederschlagen wird, nicht anders ein als Männer. Sie fühlen sich davon jedoch weitaus mehr persönlich betroffen.

Dem stellt sie am Ende ihres Berichts eine zweite Beobachtung bei: Dass sich das Anwachsen der "diffusen Ängste", wie sie die Befindlichkeiten im Titel subsummiert, nur teilweise mit Verbrechensstatistiken erklären lassen.

Insgesamt lässt sich die erheblich gewachsene Beunruhigung mit der faktischen Entwicklung der Kriminalität nur teilweise erklären. Die wachsende Besorgnis verändert jedoch das Verhalten und die Erwartungen an die Politik.

Besonders auffällige Besorgnis oder Ängste geben vor allem Frauen, ältere Männer und Ostdeutsche bei Umfragen zu erkennen.

Überdurchschnittlich besorgt sind Frauen, über 60-Jährige und die Ostdeutschen. 41 Prozent der Männer, aber 60 Prozent der Frauen fühlen sich nicht sicher; fünf Prozent der Männer, 12 Prozent der Frauen fühlen sich akut bedroht.

Der Monatsbericht ist eine Gesamtschau, die mehrere Umfrageergebnisse miteinbezieht, um daraus ein Bild und bestimmte Tendenzen herauszuarbeiten. Fragestellungen, die den Umfrageergebnissen unterliegen, werden nicht genannt, nur Ergebnisse.

Die Angst vor Kriminalität habe sehr zugenommen, stellt die Demoskopin fest. Weswegen sich die Mehrheit deutlich für mehr Polizei und für eine bessere Ausrüstung der Polizei ausspricht.

Die Bürger setzen vor allem auf eine Verstärkung und Aufrüstung der Polizei, auf Maßnahmen zur Überwachung und Kontrolle sowie die konsequente Abschiebung von straffälligen Asylbewerbern. 92 Prozent unterstützen mehr Personal für die Polizei, 90 Prozent eine bessere Ausrüstung der Sicherheitskräfte. Zwei Drittel möchten der Polizei auch mehr Rechte und Kompetenzen zuweisen, unter anderem auch die Möglichkeit, Terrorverdächtige ohne Nachweis einer konkreten Straftat in Sicherungsverwahrung zu nehmen.

Auch der verstärkte Einsatz der Bundeswehr im Inneren finde eine Mehrheit, wenn es etwa um den Schutz von Gebäuden und Personen gehe. Die Intensivierung der sicherheitspolitischer Maßnahmen soll aber nach Willen der Mehrheit in Staatshänden bleiben. Bürgerwehren und eine Aufweichung des Gesetzes für persönlichen Waffenbesitz werden von den meisten nicht gut gefunden.

Nur 18 Prozent befürworten die Gründung von Bürgerwehren, um der Kriminalität vorzubeugen, ganze 9 Prozent die Erleichterung des Waffenbesitzes für Privatleute. Privater Waffenbesitz wird seit Jahrzehnten sehr kritisch gesehen. Auch vor zehn Jahren sprachen sich nur 8 Prozent für die Erleichterung des Waffenbesitzes aus, 83 Prozent dagegen. Die Haltung zu Bürgerwehren ist heute sogar noch kritischer als vor zehn Jahren. Damals hielten 24 Prozent dies für sinnvoll, jetzt nur noch 18 Prozent; der Kreis der Gegner hat sich in diesem Zeitraum von 53 auf 62 Prozent erhöht.

Eine Ausnahme bilden laut der Allensbach-Geschäftsführerin AfD-Anhänger. 42 Prozent der Anhänger der AfD sprechen sich ihren Umfragen zufolge für die Gründung von Bürgerwehren aus. 56 Prozent der AfD-Anhänger würden sich gegen die Erleichterung des Waffenbesitzes aussprechen. Das sind 27 Prozent weniger Ablehnende als bei der Gesamtzahl.

Während sich die "große Mehrheit der Anhänger anderer Parteien" - Zahlen nennt Köcher dazu nicht - sich gegen die Wiedereinführung der Todesstrafe ausspreche, würde sie nur von "rund von einem Viertel" der Anhänger der AfD abgelehnt.

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