TAK bekennt sich zum Attentat auf Militärkonvoi in Ankara

20.02.2016

Die "Freiheitsfalken Kurdistans" nennen auch den Attentäter, was die Darstellung der türkischen Regierung, falls zutreffend, als Lüge demaskieren würde

Da war Präsident Erdogan etwas zu voreilig mit der Präsentation des Syrers, der angeblich Kontakte zur YPG, aber auch zur syrischen Regierung gehabt haben soll. Die Präsentation des Täters, wenige Stunden nach dem Attentat, dessen Fingerabdrücke angeblich bei der Einreise genommen worden waren, sorgte weltweit für Erstaunen. Weder bei den Pariser Anschlägen noch anderswo in Europa konnten so schnell DNA-Spuren ausgewertet und mit Datenbanken verglichen werden. Noch dazu aus einem Wagen, der mit mehreren tausend Grad abgebrannt ist. Erste Karikaturen kursieren in den Sozialen Netzen.

Nun hat sich die Organisation "Freiheitsfalken Kurdistans" (Teyrêbazên Azadîya Kurdistan - TAK) zum Attentat bekannt. Nach ihren Angaben verübte den Anschlag ein Mitglied der "Brigade der Unsterblichen", Abdulbaki Dönmez (Zinar Raperîn) aus der Stadt Wan (Ost-Türkei). Der 1989 geborene Attentäter war nach Angaben von TAK seit 2011 Mitglied der Organisation, die wie die PKK auch von der EU als Terrororganisation gelistet wird.

TAK veröffentlichte auch ein Foto des angeblichen Selbstmordattentäters.

In einer schriftlichen Erklärung wird der Anschlag als Vergeltungsaktion für die Massaker in Cizre bezeichnet (In den Kellern von Cizre). In Cizre wurden angeblich 150 Zivilisten durch Polizei und Militärs verbrannt, wie die kurdische Abgeordnete Feleknas Uca (HDP) berichtete,

Die TAK, die bereits zahlreiche Anschläge begangen haben soll, ist eine militante Organisation, von der man nicht weiß, wer sie genau ist, die sich aber in ihren Verlautbarungen von der PKK abgrenzt. Sie kritisiert die PKK für ihre zu "humanistische" Kriegsführung gegen das türkische Militär:

Die Zielperspektive, die Art der Aktionen und die Taktik der PKK und anderen kurdischen Organisationen in diesem Krieg haben angesichts der Methoden des bestehenden faschistischen türkischen Staates gegen das kurdische Volk einen zu humanistischen Charakter. Aus diesem Grund sind wir nicht von den Zielperspektiven, Aktionsmethoden und Taktiken dieser Organisationen abhängig. Wir als TAK werden unabhängige Aktionsstrategien, Taktiken und Methoden auf Linie der von uns übernommenen Mission festlegen und realisieren.

In ihrem Bekennerschreiben drohen sie mit weiteren Angriffen auf türkische Militärstützpunkte. Aber auch auf touristische Ziele. Der Organisation gehe es darum, den Tourismus in der Türkei zu blockieren. Sie warnte bereits vor 10 Jahren Urlauber aus dem In- und Ausland davor, Touristengebiete in der Türkei zu besuchen.

We are calling about tourism:

It is one of the most important source which feet the dirty and special war, so it is one of the first targets that we will attack. We warn the foreign and native tourist to not go to the touristic areas in Turkey. We are not responsible for who will die in the actions that will happen in those areas. Turkey is not secure country and never will be. Because we are a people which have a risk of destruction and we are in a war.

TAK

Die TAK bekannte sich bereits zum Anschlag im Dezember 2015 auf dem Istanbuler Flughafen. Bei dem Anschlag auf ein abgestelltes Flugzeug wurde eine Reinigungsfrau getötet.

Der kurdischen Bewegung erweist diese Gruppe einen Bärendienst. Die linke Partei HDP versucht sowieso seit jeher, ihre Anhänger von militanten Aktionen abzuhalten. Aber auch die PKK will nicht, dass desparate Jugendliche bloße Rachaktionen an Unbeteiligten verüben. Sie befürchtet, dass Gruppen wie die TAK vom Geheimdienst unterwandert sind und Erdogan nur zusätzliche Argumente liefern, mit seinem Staatsterror weiterzumachen.

Es zeigt sich jetzt, dass Erdogan mit dem Abbruch der Friedensverhandlungen mit der PKK vor den Juniwahlen wirklich überall die "Büchse der Pandora" geöffnet hat. Die Enttäuschung über das Scheitern der Friedensgespräche, die wiederholten Anschläge auf linke und kurdische Veranstaltungen mit vielen Toten und hunderten Schwerverletzten, die unübersehbare Unterstützung von IS und Al-Nusra gegen Rojava, die brutalen Angriffe auf die kurdischen Städte in der Südosttürkei und die Verhaftungen fast aller kurdischen Politiker haben Verzweiflung hinterlassen, die auch die PKK immer schwerer in die von ihr gewünschten Bahnen lenken kann.

Nur einen positiven Effekt könnte das Bekennerschreiben haben: Erdogan hätte nun keinen Vorwand mehr, Rojava an der syrisch-türkischen Grenze mit Artillerie zu beschießen. Er wird es trotzdem tun, auch wenn die USA die YPG unterstützen, allerdings nicht im Konflikt mit der Türkei.

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