Angela Merkel: Von wegen allein!

23.02.2016

Eine deutliche Mehrheit der EU-Bürger stützt die Kanzlerin im Grundsatz ihrer Flüchtlingspolitik

Welch einen Unsinn Journalisten doch manchmal zusammen fantasieren oder einfach voneinander abschreiben, zeigt einmal mehr eine Umfrage der renommierten Bertelsmann-Stiftung über die Flüchtlingskrise.

"Merkel allein", "Merkel isoliert", "Sie wird immer einsamer", habe ich in diesen Tagen und Wochen fast überall gelesen. Doch mit der Realität haben diese Meldungen freilich nicht viel zu tun. Gefragt wurden 11.410 Bürger. Eine deutliche Mehrheit der EU-Bürger stützt die Kanzlerin im Grundsatz ihrer Flüchtlingspolitik: Eine faire Verteilung der Flüchtlinge innerhalb der EU und eine gesamteuropäische Antwort auf die Flüchtlingssituation.

In allen 28 EU-Ländern wurde zu den Themen Asyl und Migration gefragt. Danach sprechen sich 79% der Befragten für eine gemeinsame europäische Asyl- und Migrationspolitik aus. 91% der Deutschen und der Italiener wollen das, woran Angela Merkel ihre ganze Reputation gehängt hat, aber auch 89% der Spanier, 79% der Franzosen und sogar 77% der Briten.

Knapp 70% unterstützen die Forderung, denjenigen Staaten die EU-Gelder zu kürzen, die es ablehnen, ihren Teil der Verantwortung zu übernehmen. 80% der EU-Europäer wollen die Reisefreiheit innerhalb der Union erhalten und auch den gemeinsamen Binnenmarkt. Der Schengen-Raum solle nicht zum Opfer der aktuellen Probleme werden.

Wer ist eigentlich hier isoliert?

Nicht der feige Horst Seehofer ist nahe bei seinen Wählern oder die orientierungslose Julia Klöckner oder der zappelige Guido Wolf, sondern die mutige Kanzlerin. Europas Bürger sind wieder einmal weitsichtiger als ihre politischen Repräsentanten. Die Eliten sind die Feigen und Ängstlichen, nicht die Wählerinnen und Wähler.

Die Umfrage zeigt freilich einen Graben zwischen den alten Westeuropäern und den neuen Osteuropäern. In den neuen östlichen Mitgliedstaaten stimmen nur 54% der Meinung zu, dass die Flüchtlingskrise eine gesamteuropäische Aufgabe ist, in den alten westlichen Staaten sind es 85%. Aber selbst bei den neuen Mitgliedern hat die Merkel-Politik noch eine Mehrheit.

Journalisten sollten aus dieser Umfrage lernen, dass sie nicht jeden Furz von Stammtisch-Strategen ernst nehmen sollten, sondern mehr auf die Bürger hören. Sonst stimmt der Vorwurf von der "Lügenpresse" doch noch - auf freilich ganz andere Art wie von Pegida gemeint.

Die CDU-Kandidatin Julia Klöckner ist in Rheinland-Pfalz bei Umfragen zur Landtagswahl am 13. März wegen ihrer Wackelpolitik in der Flüchtlingskrise ebenso abgestürzt wie der CDU-Kandidat Guido Wolf in Baden-Württemberg, wo die Grünen nun erstmals vor der CDU liegen. Die Grünen unterstützen Merkel inzwischen mehr als deren eigene Partei. Das kommt bei den Wählern offensichtlich an. Mut zahlt sich aus – auch bei Wahlen. Die Europäer haben eine neue Ikone: die Pfarrerstochter Angela.

Mehr von Franz Alt auf der Sonnenseite.com, hier auch:

Cover

Hg.: Florian Rötzer
Der halbe Hegemon
Die Rückkehr der "deutschen Frage" und die Lage der EU
Als eBook bei Telepolis erschienen

x
Fehler melden
Telepolis zitieren
Vielen Dank!
Anzeige
Anzeige
Hellwach mit Telepolis
Anzeige
Cafe
Telepolis-Cafe

Angebot des Monats:
Kaffee und Espresso aus Nicaragua in der Telepolis-Edition für unsere Leser

Cover

Aufbruch ins Ungewisse

Auf der Suche nach Alternativen zur kapitalistischen Dauerkrise

Anzeige
Cover

Die Moral in der Maschine

Beiträge zu Roboter- und Maschinenethik

Machteliten

Von der großen Illusion des pluralistischen Liberalismus

bilder

seen.by

Mit dem Schalter am linken Rand des Suchfelds lässt sich zwischen der klassischen Suche mit der Heise-Suchmaschine und einer voreingestellten Suche bei Google wählen.

Tastenkürzel:

ctrl-Taste:
Zum Wechseln zwischen Heise- und Google-Suche

esc-Taste:
Verlassen und Zurücksetzen des Eingabe-Felds

Buchstaben-Taste F
Direkt zur Suche springen

SUCHEN

Mit dem Schalter am linken Rand des Suchfelds lässt sich zwischen der klassischen Suche mit der Heise-Suchmaschine und einer voreingestellten Suche bei Google wählen.

SUCHEN

.
.