Flüchtlinge: Ruhe vor dem nächsten Sturm?

23.02.2016

Nach der IOM sind in den ersten beiden Monaten des Jahres bereits mehr als 100.000 Flüchtlinge in Griechenland angekommen

Bereits die EU-Grenzschutzbehörde hat berichtet, dass zwar die Zahl der Flüchtlinge, die über die Türkei nach Griechenland oder über das Mittelmeer nach Italien kommen, gegenüber Ende des letzten Jahres gesunken sei. Aber sie machte darauf aufmerksam, dass im Vergleich zu Beginn 2015 die Zahlen drastisch zugenommen haben – nach Griechenland um 600 Prozent (Balkanstaaten riegeln ab).

Auch die Internationale Organisation für Migration (IOM) legte nun neue Zahlen vor, die in Europa und natürlich in Deutschland zur Beunruhigung beitragen werden. Bis zum 22. Januar sind in Griechenland dieses Jahr mehr als 102.000 Flüchtlinge angekommen. Das mitten im Winter. 2015 kamen im Juli mit 100.000 Flüchtlingen die meisten an. Mehr als 7.500 erreichten bis 22. Januar Italien. In der gleichen Zeit ertranken 413 Flüchtlinge, mit 321 am meisten bei der kurzen Überquerung zwischen der Türkei und Griechenland.

Die Zahlen lassen befürchten, dass der Flüchtlingsstrom mit dem Frühjahr und dem Sommer wieder deutlich stärker werden dürfte. Nach den griechischen Behörden erreichten alleine im Februar fast 43.000 Flüchtlinge die griechischen Inseln. Die meisten weiterhin aus Syrien, Afghanistan und dem Irak, aber auch aus Pakistan und dem Iran. Andere kamen aus Marokko, Bangladasch und Somalia.

IOM

Selbst wenn der unwahrscheinliche Fall eintreten sollte, dass es nicht nur eine kurze Feuerpause in Syrien geben sollte, sondern dass auch der Konflikt allmählich beruhigt werden könnte, muss weiter mit Flüchtlingen gerechnet werden. Afghanistan und der Irak sind ebenso wie Somalia Kriegsgebiete. Möglicherweise muss man mit mehr Flüchtlingen aus Jemen rechnen, auch wenn Europa darauf "hoffen" kann, dass für die meist armen Menschen, die den Kämpfen entgehen wollen, die Reise einfach zu weit und teuer sein wird. Bislang hat die Türkei den Flüchtlingsstrom nicht bremsen können – oder sie will dies aus politischem Kalkül trotz des Abkommens mit der EU nicht. Bundeskanzlerin Merkel hat letztlich ihr Schicksal von der Türkei abhängig gemacht, das aber selbst mehr und mehr zum Problem wird. Ob und wie die Nato-Mission die Flüchtlinge daran hindern kann, nach Griechenland zu gelangen, muss abgewartet werden. Derzeit ist Griechenland immer noch oder wieder das Land, das mit dem Bau von Zäunen stellvertretend für andere EU-Länder mit dem anhaltenden Flüchtlingsproblem konfrontiert ist.

Noch ist die See zu rau für Überfahrten von Libyen nach Italien, so dass hier die Zahl der Flüchtlinge noch gering bleibt. Hier kamen während der ersten beiden Monate mit 7.500 Flüchtlingen etwa so viele an wie letztes Jahr um diese Zeit. Erst am Montag wurden 940 Migranten vor dem Ertrinken gerettet. Auch Libyen versinkt wie die Nachbarländer weiter im Chaos, islamistische Gruppen wie der IS und al-Qaida breiten sich hier und in anderen Ländern Nordafrikas aus. Es zeichnet sich ab, dass westliche Staaten auch in Libyen militärisch intervenieren werden oder meinen, dies zu müssen. Den Anfang haben ohne einen UN-Sicherheitsratsbeschluss und ohne eine nationale Einheitsregierung die Amerikaner bereits gemacht. Es wurden auch bereits Kampfdrohnen in Sizilien stationiert (US-Luftwaffe stationiert Kampfdrohnen in Italien). Es ist für den Sommer mit einer enormen Zunahme der Flüchtlinge zu rechnen.

2014 kamen 170.000 Flüchtlinge nach Italien, 2015 "nur" 154.000, wohl auch wegen der noch offenen Balkanroute. Nach Griechenland kamen 2014 erst 34.000, 2015 waren es 850.000 – und eben in den ersten beiden Monaten des Jahres bereits 100.000. Wie viele Flüchtlinge in der Türkei oder in Libyen bereits warten, um im Frühjahr oder Sommer unter größerer Sicherheit wie jetzt die Überfahrt anzutreten, kann nur geschätzt werden. Hunderttausende dürften es vermutlich sein.

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