Türkische Regierung erzählt verwirrende Geschichte vom Ankara-Attentäter
Florian Rötzer 24.02.2016
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Die Identität des Attentäters von Ankara

Die YPG hatte jede Beteiligung an dem Anschlag abgestritten. Zu diesem bekannt hat sich schließlich die von der PKK abgespaltene kurdische Terrororganisation "Freiheitsfalken Kurdistans" (TAK). Die präsentierten auch einen türkischen Kurden mit Foto als Selbstmordattentäter, Abdulbaki Dönmez (Zinar Raperîn) aus der Stadt Wan. Nach der TAK hatte der Anschlag nichts mit Syrien zu tun, sondern sollte eine Vergeltungsaktion für die Massaker in Cizre darstellen (TAK bekennt sich zum Attentat auf Militärkonvoi in Ankara). Die türkische Regierung wies das zurück, beschoss die syrischen Kurden und Dörfer in Syrien weiter und erklärte, bei dem Bekenntnis der TAK handele es sich nur um ein Ablenkungsmanöver zugunsten der YPG (Erdogan: Uneingeschränkte Ausübung des "Rechts auf Selbstverteidigung").

Screenshot von Today's Zaman

Jetzt stellte sich allerdings heraus, möglicherweise im Zusammenhang mit dem Abkommen zur Feuerpause, dass sich der Attentäter einer falschen Identitität bedient haben soll, als er in die Türkei einreiste. Es handele sich tatsächlich um den in der Provinz Van geborenen Abdulbaki Sömer, geb. 1989, der einen auf den Namen Salih Muhammed Neccar ausgestellten Pass gezeigt und an der Grenze 2014 behauptet habe, er sei dem Islamischen Staat entkommen. Angeblich wurde Sömer nämlich 2005 als vermisst gemeldet und hätte sich zusammen mit einem Freund der PKK angeschlossen. Er sei dann in den Nordirak gegangen und sei in einem PKK-Camp ausgebildet worden, bis er dann eben 2014 wieder als angeblich syrischer Flüchtling in die Türkei zurückgekehrt sei und dann wohl bis zum Anschlag dort als Schläfer gelebt hat, ohne sich bei der Familie zu melden.

Die Behörden hatten den Vater des mutmaßlichen Attentäters festgenommen und zum Verhör und zur Abnahme der DNA-Probe nach Ankara gebracht, aber dann wieder freigelassen. Zusammen mit dem der Bruder des Selbstmordattentäters sei er dann erneut festgenommen worden, nach den kurdischen Firat News unter dem Verdacht, Propaganda für eine Terrororganisation durch die Trauerfeier im Haus zu verbreiten. Auch weitere Personen, die an der Trauerfeier teilgenommen hatten, seien festgenommen worden

Die Geschichte kann man glauben oder nicht. Vielleicht soll damit auch der Versuch vorbereitet werden, den Beschuss der YPG in Syrien beenden zu können, weil der Verantwortliche ja jetzt in der Türkei bei einer Abspaltung von der PKK gefunden wurde. Allerdings wird weiter behauptet, er sei bei der PKK in Nordirak gewesen - oder hat er sich der TAK in der Türkei angeschlossen.

Die Türkei wird sich jedenfalls nicht ganz von der Feuerpause ausschließen können, um sich nicht ganz zu isolieren.

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