Olof Palme: Ein Mord und seine Theorien

25.02.2016

Auch 30 Jahre nach dem Mord werden noch viele Akten unter Verschluss gehalten und ist der Mord an dem Politiker ungeklärt

Mit dem Nahen des 30. Todestags von Olof Palme beginnt wieder das Gedenken, die Selbstanklage, das Fragen, Raten, Spekulieren und das Hoffen auf eine neue Spur. Eine vermeintliche Tatwaffe wurde gefunden und in den Medien breit diskutiert. Doch gibt es Indizien, die weiterhin unzugänglich bleiben. Zugänglich sind vor allem die vielen Untersuchungen und Theorien von Autoren, die sich seit Jahren passioniert dem Mord verschrieben haben.

Am 28. Februar 1986 um 23.31.30 Uhr wurde der schwedische Ministerpräsident nach einem Kinobesuch in der Stockholmer Innenstadt bei seinem Nachhauseweg von einem bis heute unbekannten Täter mit einem Schuss in den Rücken getötet. Ein zweiter Schuss streifte Lisbeth Palme an der Schulter.

Kein Politiker hat Schweden so sehr bewegt wie der 1927 geborene Palme. Der Charismatiker aus der schwedischen Oberschicht polarisierte mit seinem Engagement für die Dritte Welt, seiner Einwanderungspolitik, den hohen Steuern, seinem Bestreben, Schweden egalitärer zu machen, und seinem Selbstbewusstsein. Für die meisten war er entweder Lichtgestalt oder Verderber.

Schweden legten an der Stelle, an der Palme ermordet wurde, Blumen nieder. Bild: Holger.Ellgaard/CC-BY-SA-3.0

Unter starke Kritik geriet die Arbeit der Polizei, wie die Polizei selbst ins Zwielicht geriet. So sollen Polizisten mit Walki-Talkies in der Gegend des Mordes gewesen sein, die später darüber ausgesagt haben, sie seien massiv unter Druck gesetzt worden. So eine Dokumentation von ARTE und NDR, die 1996 in Deutschland - nicht in Schweden - gezeigt wurde. Die Polizisten gehörten angeblich zur "Baseballiga" der Norrmalmswache, einer Gruppe von Polizisten, die für ihre rechtsradikale Gesinnung und brutalen Methoden bekannt war.

Auch Polizeichef Hans Holmér, der die Ermittlungen übernahm, soll Initiator jener Baseballiga sein, zuvor war er Leiter der Säpo, des polizeilichen schwedischen Inlandgeheimdienstes. Holmér erklärte, in jener Nacht nicht in Stockholm gewesen zu sein. Sein Chauffeur Rolf Dahlgren widersprach Jahre später und wurde tot aufgefunden, kurz vor dem Termin für eine öffentlichen Aussage.

Auch soll es Ungereimtheiten in der Polizei-Telefonzentrale gegeben haben. Anrufer, die den Mord meldeten, wurden nicht entgegengenommen oder es wurde schnell wieder aufgelegt.

Der erste Polizist, der am Tatort erschien, war Polizeikommissar Gösta Söderström. Er behauptete, es sei um 23.34 Uhr gewesen, also etwa zweieinhalb Minuten nach den Schüssen. Das Einsatzprotokoll spricht von 23.30. Söderström wurde nach dem Mord früh pensioniert. Dies sind nur einige der Ungereimtheiten.

Mehrere "Spuren" wurden von der Polizei verfolgt - die PKK galt anfangs als Hauptverdächtige, Südafrika, Jugoslawien und Christer Petersson wurden auch verdächtigt. Der verhaltensauffällige Kriminelle, alkohol- wie drogensüchtig, wurde von Lisbeth Palme identifiziert und darauf der Öffentlichkeit 1989 als Täter vorgestellt. Doch bei der Gegenüberstellung gab es formale Fehler. Pettersson kam 1990 frei, er verstarb 2004 nach einem Unfall.

Immer noch werden viele Akten unter Verschluss gehalten. Dazu gehört auch, wie kürzlich publik wurde, ein Vernehmungsprotokoll von Lisbeth Palme zum Mord, was Palme-Mord-Rechercheure wie Gunnar Wall und Kari Poutiainen kritisieren.

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