66 Kriegsstaaten - droht ein Dritter Weltkrieg?

29.02.2016

Auf syrischem und irakischem Boden werden wir Zeugen eines Gewirrs von Konflikten mit nie dagewesener Sprengkraft und einem akuten Weltkriegspotenzial

Aus Arroganz und Ignoranz scheint den Kriegslüsternen hierzulande nicht klar zu sein, dass auch bei uns die Lichter aus gehen, wenn der Nahe Osten in Brand gesteckt wird.

Das vergangene Jahrhundert war geprägt von rivalisierenden Großmächten und Konflikten, die in zwei Weltkriegen mit mehreren zehn Millionen Toten mündeten. Zudem bestimmten die Ängste vor einem dritten Weltkrieg die Geopolitik des Kalten Krieges. Als die Berliner Mauer fiel, glaubten viele, die Gefahren seien gänzlich aus der Welt. Heute jedoch sehen eine Vielzahl von Geostrategen eine Neuauflage des Kalten Krieges.

Schon Henry Kissinger bezeichnete das Schmieden von Allianzen als "diplomatische Apokalypse-Maschine", die durch relativ unbedeutende Ereignisse wie die Ermordung Franz Ferdinands im Falle des Ersten Weltkriegs, einen Weltkrieg entfachte. Gleichermaßen könnte man das Beibehalten großer Atomwaffenarsenale, die auf beiden Seiten zum Abschuss bereitstehende nukleare Interkontinentalraketen umfassen, eine "technologische Apokalypse-Maschine" nennen. Diese Maschine erzeugt durch die andauernden Konflikte im Nahen Osten und in der Ukraine die nötigen Funken für einen neuen Weltkrieg.

IS-Angriff auf Mahin, Syrien. IS-Foto

Wenn Sci-Fi das Armageddon kommen sieht, ist etwas dran

Herbert G. Wells sagte die Atombombe voraus, George Orwell die NSA und den Überwachungsstaat, Ray Bradbury prophezeite Kopfhörer und Flachbildschirme und die Serie Star Trek das Lesen auf Tablet-PCs. Science-Fiction-Autoren besitzen viel Fantasie, manchmal beweisen sie auch ein feines Gespür für künftige Entwicklungen.

Nur 18 Monate vor dem Ausbruch des Ersten Weltkrieges schrieb Sir Arthur Conan Doyle, der Erfinder von Sherlock Holmes, an der Kurzgeschichte "Danger!". Danach brach der Erste Weltkrieg aus. Die Geschichte hätte wahrscheinlich einen anderen Lauf genommen, wenn die Staatenlenker 1914 auf die konkreten Warnungen des Schriftstellers gehört hätten.

In seiner Erzählung hatte Doyle von einem fiktiven europäischen Land gesprochen, das Großbritannien angreifen und bezwingen würde. Hierzu würde sich der Feind eine Waffe zunutze machen, die bis zu diesem Zeitpunkt in dieser Form noch unbekannt war: das U-Boot als Kriegsgerät. Dieses scheinbare Hirngespinst sollte schon bald Realität werden, als das deutsche U-Boot zu einer der gefährlichsten Waffen im Ersten und Zweiten Weltkrieg wurde.

Im Juni des Jahres 2015 sorgte der Science-Fiction-Roman "Ghost Fleet", über einen fiktiven Krieg zwischen den USA, China und Russland, bis in die Hallen des Pentagon für großes Aufsehen. Folgendes Szenario wird darin angenommen: Die Stellvertreterkriege entwickeln sich zu einem großen Krieg. Die Vereinigten Staaten von Amerika liefern sich eine Schlacht mit China und Russland, wie sie die Welt noch nie zuvor gesehen hat. Gekämpft wird nicht nur in der Luft, auf See und zu Land, sondern auch im Weltall und im Cyberspace.

Der Autor Peter W. Singer, der sich in den letzten Jahren einen Namen als außenpolitischer Stratege mit tiefgehender Expertise gemacht hat, weckte mit seiner detailreichen Schilderung fiktiver Ereignisse das Interesse der amerikanischen Verteidigungsführung. Armeeoffziere, Marinestrategen, Experten für Nationale Sicherheit des US-Kongresses luden ihn ein, um sich unterrichten zu lassen.

Im September 2015 berief der US-Militärausschuss Kongressanhörungen über strategische Kriegsführungen ein. In einer Anhörung wurde Singer als Zeuge geladen. Er hielt einen Vortrag mit dem Titel "Die Lehren aus dem Dritten Weltkrieg". Anschließend erörterte er, von Nachfragen durch Abgeordnete der Demokraten und Republikaner begleitet, welche Technologien, Mittel und wie viel Humankapital nötig seien, damit das amerikanische Militär siegreich aus einem solchen Krieg hervorgehen könne. Wieder wird deutlich, dass die USA sich dazu entschieden haben, ihre Vorstellungskraft stärker für Strategien beim Eintreten eines Extremfalls einzusetzen, als für die Konfliktbewältigung.

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