Zensierter Bericht über CIA-Morde von 1975

01.03.2016

Rockefeller-Kommission unterschlug 86 brisante Seiten

Die vom US-Vize-Präsident geleitete "unabhängige" Kommission zur Aufklärung von CIA-Verbrechen wirkte bei der Vertuschung von Staatsmorden mit. Nun sind sind brisante Akten aufgetaucht, die einst von Dick Cheney persönlich frisiert wurden.

Ein Jahrzehnt nach dem Mord an Präsident John F. Kennedy gerieten die US-Geheimdienste ins Zwielicht. Durch einen Einbruch der selbst ernannten Citizens Commission to Investigate the FBI in ein Büro der Bundespolizei FBI waren die Geheimdienst-Praktiken bekannt geworden, mit denen man die Bürgerrechtsgruppen, die Schwarzen-Bewegung und Vietnamkriegsgegner mit Geheimdienstmethoden überwachte und zersetzte.

Die geleakten Pentagon Papers, die Aufschluss zu den Planungen des Vietnamkriegs gaben und die Watergate-Affäre erschütterten Washington wie nie zuvor. Zudem hatte Enthüllungsjournalist Seymour Hersh über ein für den Präsidenten bestimmtes Dokument "Familienjuwelen der CIA" berichtet, das den jeweiligen Amtsinhaber über dunkle Geheimnisse der CIA aufklären sollte.

Insbesondere die Zweifel am Bericht der Warren-Kommission wollten nicht verstummen, die 1964 von Präsident Johnson eingesetzt worden war, um das Attentat auf John F. Kennedy aufzuklären. Die Untersuchung war faktisch von Ex-CIA-Chef Allen Dulles geleitet worden, den manche als das Mastermind hinter dem Kennedy-Mord sehen. Der aktuelle Präsident Gerald Ford, einst selbst Mitglied der umstrittenen Warren-Kommission, hoffte, dass man erneut mit einer vom Präsidenten eingesetzten politischen statt einer juristischen Aufarbeitung durchkäme. Unter Vorsitz von Vizepräsident Nelson Rockefeller bildete er ein angeblich "unabhängiges" Komitee, dem man zwar kaum Kompetenz absprechen konnte, sehr wohl aber Neutralität.

Allen Dulles (3. von rechts) bei der Übergabe des Berichts der Warren-Kommission an Präsident Johnson. Bild: Weißes Haus/gemeinfrei

Böcke zu Gärtnern gemacht

Im Bekämpfen der Friedensbewegung hatte sich etwa der kalifornische Gouverneur Ronald Reagan einen Namen gemacht, der Studentenproteste mit der Nationalgarde hatte niederschlagen lassen. In die Rockefeller-Kommission wurde auch der ultrarechte General Lyman Louis Lemnitzer berufen, der seinerzeit das hochgeheime Northwoods-Dokument zur Inszenierung von Terrorismus als Kriegsvorwand unterschrieben hatte und schließlich an den Kennedys gescheitert war.

Ein weiteres Mitglied war der Investmentbanker Clarence Douglas Dillon, der eng mit dem früheren CIA-Chef Allen Dulles und dessen Bruder John Foster Dulles befreundet war, die das Herz der Republikanischen Partei bildeten. Dillon hatte unter Kennedy als Leiter des Schatzamts fungiert, dem der Secret Service untersteht. Der für den Schutz der Münze sowie des Präsidenten verantwortliche Geheimdienst hatte während der Schüsse in Dallas höchst mysteriös versagt.

Dem größten Interessenkonflikt unterlag jedoch Milliardär Nelson Rockefeller. Der New Yorker Gouverneur war 1974 nach dem Rücktritt Nixons von Nachrücker Ford zum Vizepräsident ernannt worden. Rockefeller hatte in den 1960er Jahren manisch das von den Kennedys beanspruchte Amt des Präsidenten angestrebt und für seine drei Wahlbewerbungen sein Erbe eingesetzt. Die u.a. im Ölgeschäft tätigen Rockefellers hatten bereits lange einen privaten Geheimdienst betrieben, bevor die USA im Zweiten Weltkrieg mit dem OSS ihren ersten Geheimdienst aufzogen - gegründet im Rockefeller Center.

Unter Präsident Truman hatte Rockefeller im Außenministerium gearbeitet, bis man ihn wegen seiner Präferenz für den faschistischen Diktator Juan Perón entließ. Unter seinem Parteifreund Eisenhower wurde er dessen Repräsentant im geheimen Operations Coordinating Board, das für verdeckte Geheimdienstaktionen zuständig war. Rockefeller hatte in den 1950er Jahren u.a. der CIA seines Freundes Allen Dulles das berüchtigte Drogenprogramm MKUltra finanziert, von dem man sich Gehirnwäsche und Gedankenkontrolle erhoffte (50 Jahre Brain Warfare).

Rockefellers Motivation, die von ihm mitgetragenen dunklen Machenschaften der US-Geheimdienste zu enthüllen, hielt sich nachvollziehbar in engen Grenzen. Stattdessen versuchte er, den Verdacht auf Kuba zu lenken, was jedoch selbst in einem derart reaktionär besetzten Komitee kaum Anklang fand. Als wenig geschmeidig erwies sich insbesondere Rechtsanwalt David W. Belin, der bereits für die Warren-Kommission gearbeitet hatte und sich für die Mordanschläge der CIA auf Fidel Castro interessierte.

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