EU: 1,26 Millionen Asylerstanträge 2015

08.03.2016

Mehr als doppelt so viele wie im Vorjahr - und knapp eine Million unbearbeitete Anträge, meldet EuroStat

Die Statistiker von Eurostat haben die Zahlen der Asyl-Erstanträge ausgewertet, die ihnen von den Ämtern der Mitgliedstaaten übermittelt wurden. Dabei kamen sie zu Ergebnissen, die zu erwarten waren. Allen voran, dass im Jahr 2015 so viele Erstanträge wie nie zuvor registriert wurden, nämlich 1.255.600. Das seien mehr als doppelt so viele wie im Vorjahr.

Wer sich nun wundert, dass die Rekordzahl niedriger ausfällt, als nach den Zahlen zu erwarten war, die sonst kursieren - zum Beispiel die 1,1 Millionen Flüchtlinge, die 2015 nach Angaben von de Maizière allein nach Deutschland gekommen sind -, der sei gleich auf eine Einschränkung des Eurostat-Zahlenmaterials verwiesen: Im Schlussteil ihrer Aufbereitung fügen die Statistiker an, dass knapp eine Million Erstanträge noch nicht bearbeitet sind, "anhängig". Die meisten davon, über 420.000, fast die Hälft der Gesamtzahl (46%) in Deutschland. Schweden folgt mit 156.700.

Österreich: Mehr Anträge von Afghanen als von Syrern

Die amtlich vorliegenden Zahlen der bearbeiteten Erstanträge bestätigen, dass die meisten Asylanträge EU-weit in Deutschland gestellt wurden und dass der Großteil von Syrern, Afghanen und Irakern kam. Mehr als die Hälfte der 1.255.600 eingereichten Erstanträge machten diese drei Herkunftsländer aus.

Die meisten wurden von Syrern gestellt: EU-weit 362.800. Ungefähr die Hälfte der erstmaligen Asylbewerber aus Syrien stellte den Antrag in Deutschland (158.700). Gegenüber dem Vorjahr verdoppelte sich 2015 die Zahl der Asyl-Erstanträge von Syrern in der EU.

Bei der zweitgrößten Gruppe der Erstbewerber , den Afghanen, hat sich die Zahl gegenüber 2014 vervierfacht. 178.200 Afghanen stellten 2015 einen Erstantrag. Bemerkenswert ist hierzu, dass die Afghanen entgegen verbreiteter Annahmen in Österreich die stärkste Gruppe der Erstantragsteller sind - und nicht die Syrer.

Dies wird im Nachbarland vor dem Hintergrund von Meldungen über Auseinandersetzungen zwischen Afghanen und Tschetschenen mit Beunruhigung beachtet.

Asylbewerber aus dem Irak bilden die drittgrößte Gruppe. Die Anzahl der Erstanträge ist gegenüber dem Vorjahr 7 mal so groß. Insgesamt sind es 121.500. Ungefähr sechzig Prozent der Anträge verteilen sich auf Deutschland (29.800), Finnland (20.400) und Schweden (20.200). Bei den Erstantragstellern aus den sonstigen Herkunftsländern macht sich noch die Welle der ersten Hälfte 2015 der Anträge aus Balkanländern bemerkbar, wie untenstehende Abbildung zeigt.

Grafik: Eurostat

Knapp mehr als ein Drittel (35%) aller Erstanträge wurden in Deutschland registriert, in absoluten Zahlen: 441 800 erstmalige Asylbewerber. Das wird niemanden überraschen. Dass Ungarn hier an nächster Stelle kommt, wahrscheinlich schon. 174. 400 Erstanträge wurden dort im letzten Jahr verzeichnet. Danach folgen Schweden (156.000), Österreich (85.500), Italien (83.200) und Frankreich (70.600).

Ungarn: Zweitgrößter Anstieg und höchstes Verhältnis zur Bevölkerungszahl

Interessant ist hier die Entwicklung gegenüber dem Vorjahr und das Verhältnis zur Größe der Bevölkerung: Beide Kennzahlen rücken Ungarn noch einmal in den Vordergrund. So war der Anstieg der Erstanträge um 323 Prozent weitaus höher als etwa in Deutschland (155%), übertroffen nur von Finnland (822%). Und beim Verhältnis zur Zahl der Einwohner ist Ungarn das Land mit den meisten Asylerstanträgen.

Eurostat notiert für Ungarn 17.699 Anträge je eine Million Einwohner gegenüber 5.411/1 Mio in Deutschland. An zweiter Stelle liegt übrigens Schweden mit 16.016/1 Mio, dann folgt Österreich (9.907). Am wenigsten verzeichnete die Slowakei, mit 50 Anträgen pro einer Million Bewohner, Rumänien hat 62 und Portugal 80. Der EU-Durchschnitt betrug 2.500 auf eine Million Einwohner.

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